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Formel 1 : Schumacher im Silberpfeil: Warum eigentlich nicht?

Schumacher im Silberpfeil? Nichts scheint unmöglich Bild: dpa

Britische Journalisten sind auf ein urdeutsches Thema gestoßen: Michael Schumacher im Silberpfeil! Das wäre ein Coup. Aufgezogen wird das Szenario an zwei kleinen Worten. Anno Hecker über die Hintergründe eines möglichen Schumacher-Comebacks.

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          Wer nach einem spannenden Formel-1-Thema sucht, muss nach England schauen. Seit Tagen diskutieren britische Journalisten die jüngsten Ereignisse. Über die Folgen des Rückzuges von Mercedes bei McLaren, über die Rückkehr der Schwaben als Rennstall-Eigentümer nach 55 Jahren mit dem Team Mercedes Grand Prix sind sie auf ein urdeutsches Thema gestoßen: Schumacher im Silberpfeil! Das wäre ein Coup.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schumacher statt des abgewanderten Jenson Button; der Rekordmann der Formel 1 statt des eher schmächtigen Weltmeisters von 2009 im Mercedes-Cockpit. Die Vorstellung hat britische Geschichtenerzähler beflügelt, namhafte Motorsport-Freaks von der Insel zu befragen. Die weitgehend einhellige Antwort: Wie könnte es denn anders sein? Zumal diese Konstellation einen Klassiker beleben würde: England gegen Deutschland.

          Aufgezogen wurde das Szenario an zwei kleinen Worten: „Im Moment“, hatte Sabine Kehm, Beraterin von Schumacher, auf die ständigen Nachfragen geantwortet, „ist eine Rückkehr in die Formel 1 unwahrscheinlich.“

          Eine stundenlange Diskussion

          Dementis werden anders formuliert. Und Momente verfliegen in der Formel 1 schneller als im wirklichen Leben. Noch zwei Tage bevor Schumacher im Sommer nach der schweren Verletzung von Ferrari-Pilot Felipe Massa seine Rückkehr auf Zeit ins Cockpit ankündigte, hatte dessen Manager Willi Weber einen Start kategorisch ausgeschlossen. Eine stundenlange Diskussion soll der Rheinländer schließlich mit einem verblüffenden Satz beendet haben: Man müsse nicht immer der Ratio folgen. Was das heißt? Die Lust aufs Rennfahren lässt ihn nicht los.

          Noch hat es kein Angebot von Mercedes gegeben. Vorstandsboss Norbert Haug und Teamchef Ross Brawn wollen sich bei der Besetzung des noch freien Cockpits neben dem von Nico Rosberg Zeit lassen. So sprachen sie, als Buttons Ankunft bei McLaren Mitte der Woche publik wurde. Dabei hätten sie im Handumdrehen einen etablierten Ersatzmann für Button verpflichten können.

          2010 kommt's auf Erfahrung an

          Was gäbe es mit Stammfahrern von 2009 wie Nick Heidfeld noch groß zu verhandeln, was mit Adrian Sutil, Jarno Trulli oder Heikki Kovalainen lange zu besprechen, wenn da nicht Zeit gebraucht würde für die Klärung einer grandiosen Alternative? Es gibt keine Aussagen zu diesem heiklen Thema. Aber Haug und Brawn werden jede Chance nutzen. Im nächsten Jahr fährt die Formel 1 wegen des Nachtank-Verbotes mit vollen Tanks los. Da kommt es auf Erfahrung an. Den nach wie vor gefragtesten Piloten im Unruhestand wiederum verbindet ein blindes Vertrauen mit Brawn aus der Ferrari-Zeit, die Zuversicht, ein erstklassiges Auto samt Motor zu bekommen. Nur kann man im Moment schwer darüber reden. Schumacher ist in Las Vegas unterwegs – als Kartfahrer. Er kommt erst Anfang Dezember wieder.

          Zwei wesentliche Fragen ließen sich aber auf dem kurzen Dienstweg klären: Hast du Lust? Und: Hält der Hals? Als Schumacher im August den Abbruch seines Comeback-Versuchs erklärte, sprach dessen Leibarzt nicht von einer unheilbaren Verletzung nach dem Motorradunfall im Januar. „Zum jetzigen Zeitpunkt geht es nicht“, sagte der Mediziner im Sommer. „Der Doc hat ja gesagt, dass es bis Weihnachten wieder in Ordnung kommt“, fügte Schumacher hinzu. Am Gesicht des Rheinländers ließ sich ablesen, welche Lust ihn bis zur Aufgabe bewegt hatte: So enttäuscht schien er lange nicht mehr.

          Eine unvollendete Geschichte

          Nach ein paar Runden im zwei Jahre alten Ferrari war er bei Testfahrten wieder konstant schnell gefahren. Das forcierte körperliche Training führte ihn schnell auf alte Ausdauer- und Kraftwerte zurück. Schumacher war wieder auf den Geschmack gekommen. Und durfte doch nicht von seinem Lebenselexier probieren. Die Geschichte ist unvollendet.

          Das Gefühl besteht übrigens auf beiden Seiten. Hat nicht Mercedes Schumacher in die große Rennwelt eingeführt, ihm beim Einstieg in die Formel 1 geholfen und eine Option verstreichen lassen? 1998 scheiterte ein Wechsel von Ferrari zu McLaren-Mercedes nur knapp. Man könnte dem „verlorenen Sohn“ fast eine moralische Verpflichtung unterjubeln. Aber in der Formel 1 zählen andere Kriterien. Weshalb die vielen Hindernisse gegen eine Rückkehr Schumachers wohl zu überwinden wären. Etwa das zu erwartende Theater im Falle einer Trennung von Ferrari, eine eher geringere Gage oder die Sorge, in der PR- und Medien-Mühle zu viel Energie zu verlieren. Offenbar sind allenfalls die Knochen im Wege, nicht aber die Seele.

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