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Formel 1 : Rückkehr von Lotus – ein Kinderspiel?

„Du musst Deine Chance beim Schopf packen”: Tony Fernandes will schon in der ersten Formel-1-Saison Geld verdienen Bild: AP

Tony Fernandes ist ein selbstbewusster Self-Made-Man aus Malaysia. Jetzt will er Lotus, den neben Ferrari legendärsten Namen, in die Formel 1 zurückbringen. Er hat Geld, einen Namen und ein Netzwerk. Was er dringend braucht, sind ein Auto und Fahrer. Und das in weniger als sechs Monaten.

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          Beim Grand Prix in Silverstone Mitte Juni klopfte es an der Tür des exquisiten Wohnmobils von Max Mosley. Draußen stand Tony Fernandes. Normalerweise ist der Milliardär und Gründer der malaysischen Billigfluglinie Air Asia alles andere als ein Bittsteller. Diesmal aber hatte er ein ganz besonderes Anliegen: Er wollte vom Präsidenten des Internationalen Automobilverbandes (Fia) einen Startplatz für die nächsten Saison in der Formel 1. Fernandes besitzt tiefe Taschen und einen unbändigen Willen. Vor allem aber konnte er schon einen Team-Namen vorweisen, der Rennsportfreunde frohlocken lässt: Lotus.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          In weniger als einem halben Jahr will der Self-Made-Man den legendären Rennstall, für den Ikonen wie Jim Clark, Graham Hill, Jochen Rindt, Emerson Fittipaldi oder Ayrton Senna Siege und Titel holten, wieder ins Laufen zu bringen. „Du kannst nicht zu Max oder Bernie Ecclestone (Chefmanager der Formel 1) gehen, und sagen, du willst in drei Jahren anfangen. Du musst deine Chance beim Schopf packen“, sagt Fernandes.

          Das hat er getan. Mosley und Ecclestone haben genickt. Wochen später beginnt Fernandes, gemeinsam mit zwei malaysischen Geschäftspartnern, dem Traditionsrennstall Leben einzuhauchen. Fernandes feiert gleich vier Premieren: Er ist der erste Neuling in der Formel 1, der sich die Wirtschaftskrise zu nutze macht. Er ist der erste Ostasiat, der seinen Rennstall im Heimatland ansiedeln will. Sein Rennstall wird der erste, der Dank Hilfe des malaysischen Staates wie eine Nationalmannschaft daherkommen wird. Und Fernandes will von Beginn an mit seinem Einstieg in die Formel 1 verdienen. „Ich garantiere Ihnen, schon nächstes Jahr wird es so sein“, sagte er im Gespräch mit der F.A.Z.

          Erst Angestellter, dann Konkurrent: Jetzt interessieren sich Fernandes (l.) und Richard Branson für die Formel 1 - Fernandes als Teambesitzer, Branson als Sponsor bei Brawn

          Wer ihn kennt, mag ihm glauben. Sein Image vom lockeren Kumpel, der mal eben eine Airline gründete, und damit reich wurde, stimmte nie: Die Karriere von Anthony Francis Fernandes, genannt Tony, Sprössling einer indisch-portugiesischen Familie, zeichnete sich spätestens ab, als er die London School of Economics besuchte. Als Buchprüfer bei Richard Bransons Virgin Airline lernte er die Geschäftswelt, aber eben auch das Geschäftsmodell des Billigfliegens kennen.

          Gesamtinvestition knapp 60 Millionen Euro

          Heute lehnt sich der 45 Jahre alte Teamchef von Lotus entspannt zurück, wenn die Sprache auf Branson kommt: „Es gibt Parallelen: wir mögen beide Musik, wollen unseren Spaß haben. Aber niemals würde ich in einem Ballon auf 10.000 Meter Höhe fliegen.“ Seit Jahren arbeitet Fernandes mit seinem alten Freund Kamarudin Meranun zusammen. Über ihr Unternehmen Tune steuern die beiden ihre Anteile an Air Asia, Tune Hotels, Tune Phone oder Tune Money.

          Nun hält das risikofreudige Duo 60 Prozent am neuen Team namens „1Malaysia F1“. Der Rest der Anteile liegt bei Nasarudin Nasimuddin, der den Automobilimporteur Naza Group von seinem Vater übernommen hat, und dem britischen Formel-3-Team Litespeed. „Tune wird zwischen 20 und 30 Millionen britische Pfund investieren“, sagt Fernandes. Hochgerechnet käme der Rennstall damit auf eine Gesamtinvestition von knapp 60 Millionen Euro.

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