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Formel 1 zurück in Zandvoort : Wie eine Mini-Nordschleife, eng und gefährlich

Zurück in den Dünen: Im Bild fährt Nelson Piquet 1980 auf dem Rundkurs von Zandvoort. Bild: EPA

Max Verstappen macht es möglich: Die Formel 1 kehrt in die Niederlande zurück. Der Hype um den Jungstar verdeckt die Schwierigkeiten zwischen Europa und der Motorsport-Königsklasse aber nicht.

          Drei goldene Heringe, gekreuzt, auf blauem Grund. Das Wappen von Zandvoort verweist auf längst vergangene Zeiten, als sich die Anwohner von dem ernährt haben, was sie mit ihren Netzen aus der stürmischen Nordsee zogen. Auch die Nachricht vom Dienstag kam nicht ohne Verweis auf die Vergangenheit aus, in der die Gefahr allgegenwärtig war. Die Formel 1 kehrt zurück an den Strand der niederländischen Provinz Nord-Holland, nächstes Jahr schon. Niki Lauda war 1985 der bis heute letzte Sieger eines Formel-1-Rennens in Zandvoort. Die Strecke in den Dünen hat den Ruf einer Mini-Nordschleife, eng und gefährlich, und tatsächlich sind Umbauten erforderlich, bevor vermutlich Anfang Mai das erste Europa-Rennen der kommenden Saison dort stattfindet.

          Aber die Einigung der Betreiber der Strecke, unter ihnen Prinz Bernhard von Oranje, mit Formel-1-Rechteinhaber Liberty Media zeigt exemplarisch dessen Geschäftsmodell. Vollgas-Prinz Max Verstappen, in dem viele einen kommenden Weltmeister sehen, bei dem sich nur die Frage stellt, wie viele Titel er gewinnen wird, hat in seiner Heimat einen immensen Boom ausgelöst. Vergleichbar gezogen haben einst Michael Schumacher in Deutschland und Fernando Alonso in Spanien. In Zandvoort wird mit bis zu 300.000 Besuchern am Rennwochenende gerechnet, und selbst wenn der allzu große Wunsch Vater der Zahlen ist: Das Seebad wird überrannt werden wie Hockenheim beim Schumacher-Auftritt vor 25 Jahren.

          Standardmiete: 20.000.000 Euro

          Der Vertrag, der nun unterzeichnet wurde, bezieht sich auf drei Jahre, mit der Option, um weitere zwei zu verlängern. Liberty Media ruft dafür die Standardmiete auf, etwa zwanzig Millionen Euro. In den Niederlanden ist die Nachfrage derzeit so groß, dass private Sponsoren den Betrag aufbringen und die Kosten für die Renovierung, in etwa gleicher Höhe. Die Gemeinde Zandvoort will nur in die Verbesserung der Zufahrtswege investieren. Verstappen ist jung. Gesundheit vorausgesetzt, kann er noch jahrelang in der Formel 1 fahren. Die hohe Fangquote ist einstweilen gesichert.

          Anderswo in Europa rechnet sich das Geschäft immer weniger. In Hockenheim, Barcelona und Silverstone gibt es noch keine Einigung für 2020. Wenigstens eine der Strecken wird kommendes Jahr nicht mehr Gastgeber der Formel 1 sein. Vor allem die Schauplätze der Alonso- und Schumacher-Festspiele von einst haben schlechte Karten im Poker mit Liberty. Dabei war es in Hockenheim 2018 mit gut 70.000 Zuschauern voll wie lange nicht mehr. Die Weltmeisterschaft war spannend. Dieses Jahr läuft der Vorverkauf schleppender. Ein Grund: Mercedes, Titelsponsor des Großen Preises von Deutschland, hat 2019 jedes Rennen mit einem Doppelsieg gewonnen.

          Chase Carey, der Vorstandsvorsitzende der Formel 1, beschreibt die Rückkehr nach Zandvoort als Bekenntnis zu den Traditionsstandorten. Tatsächlich spielt er, wie einst Bernie Ecclestone, die europäischen Strecken gegeneinander aus. Anderswo wird weit mehr auf den Tisch gelegt für ein Gastspiel der Formel 1. Nächstes Jahr wird zur Freude des Politbüros im Einparteienstaat Vietnam gefahren, und schon ist von einem Angebot aus Saudi-Arabien die Rede, zum dreifachen Gegenwert dessen, was Zandvoort nun zahlt. Ob die Serie darauf eingeht, hängt auch von der Bereitschaft ab, garantierte Negativschlagzeilen – Stichwort: die grausame Ermordung Jamal Khashoggis – zu schlucken. Zu befürchten ist: Die Metapher vom Fang funktioniert auch im düstersten Sinn.

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