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Formel 1 in Österreich : Rosbergs nächster Schritt zum WM-Titel

Ein großer Schluck nach getaner Arbeit. Sieger Nico Rosberg Bild: AFP

Bei der Sternstunde in der Steiermark hält Nico Rosberg dem Druck von Lewis Hamilton wieder stand. Sebastian Vettel dagegen scheidet beim Formel-1-Comeback in Österreich aus.

          3 Min.

          Die Zuschauer standen auf den Tribünen, seit Minuten wurde auf den Großleinwänden an der Strecke in Spielberg nur noch der Zweikampf zwischen Nico Rosberg und Lewis Hamilton gezeigt. Rund eine Sekunde trennte sie, etwas mehr als zehn Kilometer waren es noch am Sonntagnachmittag beim Großen Preis von Österreich, am Kommandostand wippten die Verantwortlichen aufgeregt mit den Füßen, nur einer will ganz ruhig gewesen sein: „Bei mir war das nicht ganz so spannend, ich wusste, solange Lewis nicht in Angriffsnähe kommen würde in den ersten drei Kurven, dann würde es kein Problem sein.“

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So denken Champions. In jedem Fall hat Rosberg durch seinen Sieg vor seinem Teamkollegen Hamilton und Valtteri Bottas (Williams) einen weiteren Schritt in Richtung Titel unternommen. Rosberg baute seine Führung in der Gesamtwertung der Formel 1 aus (165 Punkte), Hamilton (136) ist nun umgerechnet schon mehr als einen Sieg zurück. „Das ist ein schöner Vorsprung“, sagte der Deutsche. „Aber die Saison ist noch so lang. Wir haben ein schnelles Auto, deshalb will ich nur den Moment genießen.“ Und alle anderen? Haben die besten Zuschauerplätze im Rennen um die Weltmeisterschaft.

          Dabei sollten es die Red-Bull-Festspiele werden. So hatte es sich zumindest Dietrich Mateschitz gewünscht, der nicht mehr nur zwei Rennställe besitzt, sondern nun mit seinem Energiegetränke-Imperium auch diesen Grand Prix in der Steiermark austrägt. Und die Atmosphäre war beeindruckend: Annährend 100.000 Zuschauer auf den Tribünen, junge Frauen im Dirndl in der Startaufstellung, österreichische Fahnen überall. Doch dieses Wochenende bleibt als jenes in Erinnerung, an dem auch die letzte Titelhoffnung von Sebastian Vettel erlosch.

          Schon in der zweiten Runde funkte der Deutsche an seinen Kommandostand: „Ich habe keinen Antrieb mehr, ich habe keinen Antrieb mehr. Sagt mir bitte, was ich tun soll.“ Vettel wurde vom gesamten Feld überrundet, dann löste er das Problem selbst, verlor später im Zweikampf mit Esteban Gutierrez (Sauber) allerdings Teile seines Frontflügels, und nach 35 Runden gab er auf: „Es war frustrierend“, sagte Vettel. „Irgendwann muss der Knoten jetzt mal platzen. Man braucht kein Genie sein, ich steh hier und mach keine Punkte. Das ist natürlich nie gut.“ Zumal auch Teamkollege Daniel Ricciardo nur als Achter ins Ziel kam.

          Immer vorneweg: Nico Rosberg siegt in Österreich und baut seinen Vorsprung in der WM-Wertung aus

          Die Show bieten in der Formel 1 weiter die beiden Silberpfeile, das war schon am Samstag im Qualifying so. In seiner schnellsten Runde hatte sich Hamilton gedreht, der Brite startete (ohne Rundenzeiten) nur als Neunter. Rosberg ging als Dritter ins Rennen, direkt hinter den beiden Williams-Fahrern Felipe Massa und Valtteri Bottas. Doch schon nach der ersten Runde tauchte Hamilton nach einem Blitzstart und zwei Überholmanövern im Rückspiegel des Deutschen auf.

          Das Tempo aber bestimmten zunächst Massa und Bottas, weil auf der Geraden an diesem Nachmittag kein anderer Rennwagen so schnell war wie der Williams. Die Verantwortlichen von Mercedes griffen über die Strategie ein, holten erst Rosberg (zwölfte Runde) zum Reifenwechsel an die Box, zwei Umdrehungen später kam auch Hamilton. Crew wie Piloten waren so schnell, dass sich nach dem Serviceaufenthalt von Bottas (15.) und Massa (17.) die Reihenfolge verändert hatte: Rosberg vor Bottas, Hamilton und Massa. Nach dem zweiten Stopp in der 41. Runde kam auch der Brite am Finnen vorbei, doch Hamilton wollte mehr: „Wo kann ich Zeit gut machen?“

          In der Box: Für Sebastian Vettel lief es abermals schlecht

          Beinahe zwei Sekunden hatte Hamilton bis dahin bei seinen beiden Reifenwechseln im Vergleich zu Rosberg verloren, doch der große Gegner war noch immer in Schlagweite. Sollten sie sich gegenseitig wieder einmal so sehr antreiben, dass die Technik diesem Druck nicht mehr standhält? Vor allem für die Experten am Kommandostand bedeutete das Duell viel Arbeit. An beiden Autos stieg die Temperatur der vorderen Bremsen, außerdem fürchtete Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff schon vor dem Rennen, dass die Motorelektronik wie schon in Kanada abermals überhitzen könnte.

          „Es war kein einfaches Rennen, ich musste auf so viele Dinge achten“, sagte Rosberg. In der letzten Runde kam Hamilton bis auf fünf Zehntelsekunden heran, Rosberg verbremste sich leicht vor der dritten Kurve, die Reifen qualmten, doch der Brite stand wenige Augenblicke später kurz quer: „Ich hatte keine Chance, ihn zu überholen.“ Hamilton sprach diese Worte ganz leise, wirkte nachdenklich. Er spürt, dass der Mann an seiner Seite gerade von Rennen zu Rennen besser und selbstbewusster wird. Rosberg widersteht dem Druck des Teamkollegen.

          Sektlaune: Hamilton und Rosberg (r.) feiern mit einem Mercedes-Mitarbeiter

          Im Fahrerlager stand derweil Niki Lauda, der Aufsichtsratsvorsitzende des Teams und zugleich Experte für den Fernsehsender RTL. „Kappe runter vor Nico, Kappe runter vor Lewis“, sagte der Österreicher. Die Erleichterung war ihm anzumerken. Der interne Zweikampf im Hause von Mercedes kostet Kraft, am Samstag hat Motorsportchef Wolff deshalb sogar das derzeitige System bei Mercedes in Frage gestellt. „Wir müssen lernen, dass wir nicht mehr nur auf uns schauen dürfen.“ Der Silberpfeil ist noch immer das schnellste Auto, aber der Vorsprung wird geringer. In der Steiermark kam Bottas nur rund acht Sekunden hinter dem Sieger Rosberg ins Ziel, Massa wurde immerhin Vierter.

          „Valtteri hat einen tollen Job gemacht“, sagte Claire Williams, die stellvertretende Teamchefin des britischen Traditionsrennstalls: „Aber Mercedes ist eine Klasse für sich. Wir hatten nicht erwartet, dass wir sie schlagen können.“ Vor allem die Antriebseinheit mit Stern bleibt weiterhin Trumpf. In Spielberg wurden sieben der ersten zehn Rennwagen von einem Mercedes-Motor angetrieben. Aber nur einer profitiert regelmäßig von dieser Stärke: Rosberg: „Es passt gerade alles zusammen“, sagte er, bedankte sich bei den Fans und verschwand von seiner Bühne.

          Grand Prix von Österreich, in Spielberg (71 Runden à 4,326 km/307,146 km)

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:27:54,976 Std. (Schnitt: 209,617 km/h)
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 1,932 Sek.
          3. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 8,172
          4. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 17,358
          5. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 18,553
          6. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 28,546
          7. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes + 32,031
          8. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 43,522
          9. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 44,137
          10. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 47,777
          11. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 50,966
          12. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus + 1 Runde
          13. Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber + 1 Runde
          14. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1 Runde
          15. Jules Bianchi (Frankreich) Marussia + 2 Runden
          16. Kamui Kobayashi (Japan) Caterham + 2 Runden
          17. Max Chilton (England) Marussia + 2 Runden
          18. Marcus Ericsson (Schweden) Caterham + 2 Runden
          19. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 2 Runden

          Ausfälle: Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso (25. Runde); Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull (35. Runde); Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso (60. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Sergio Perez (Force India) 1:12,142 Min.
          Pole Position: Felipe Massa (Williams) 1:08,759 Min.

          Fahrer-Wertung nach 8 von 19 Rennen:

          1. Nico Rosberg 165
          2. Lewis Hamilton 136
          3. Daniel Ricciardo 83
          4. Fernando Alonso 79
          5. Sebastian Vettel 60
          6. Nico Hülkenberg 59
          7. Valtteri Bottas 55
          8. Jenson Button 43
          9. Felipe Massa 30
          10. Kevin Magnussen 29
          11. Sergio Perez 28
          12. Kimi Räikkönen 19
          13. Romain Grosjean 8
          14. Jean-Eric Vergne 8
          15. Daniil Kwjat 4
          16. Jules Bianchi 2

          Team-Wertung nach 8 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 301
          2. Red Bull 143
          3. Ferrari 98
          4. Force India 87
          5. Williams 85
          6. McLaren Mercedes 72
          7. Toro Rosso 12
          8. Lotus 8
          9. Marussia 2

          Nächstes Rennen: GP Großbritannien am 6. Juli in Silverstone

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