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Formel 1 in Melbourne : Ricciardo disqualifiziert, Red Bull protestiert

Der schöne Schein trügt: Daniel Ricciardo wird zunächst Zweiter - und dann disqualifiziert Bild: dpa

Weltmeister Sebastian Vettel scheidet beim Formel-1-Auftakt in Melbourne aus. Ganz oben auf dem Podest steht Nico Rosberg. Zweiter wird Vettels Kollege Daniel Ricciardo, der aber disqualifiziert wird. Dagegen legt Red Bull Protest ein.

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          Wie es war, das erste Rennen der neuen Ära in der Formel 1? Vieles ist gehörig durcheinander geraten. Zum Beispiel die Hierarchie in der Szene: Nico Rosberg (Mercedes) hat am Sonntag den Großen Preis von Australien gewonnen, rund 25 Sekunden trennten den Deutschen im Ziel von Daniel Ricciardo im Red Bull und dem Debütanten Kevin Magnussen (McLaren) – der Einundzwanzigjährige ist der erste Däne auf dem Podium nach einem Rennen in der Königsklasse des Motorsports.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ricciardo indes wurde Stunden nach dem Zieleinlauf disqualifiziert, weil die Durchflussmenge an Benzin nach Ansicht der Rennkommissare über dem erlaubten Wert von 100 Kilogramm in der Stunde gelegen haben soll. Red Bull kündigte aber umgehend Protest an. Rosberg steht aber definitiv zum ersten Mal an der Spitze des WM-Klassements. „Wow! Was habt ihr mir da für ein Auto gegeben, was für ein Auto“, funkte er noch aus dem Auto an seine Crew. Nur 14 von 22 Fahrern erreichten das Ziel.

          Strahlemann in Melbourne: Nico Rosberg gewinnt die ersten 25 Punkte der Saison Bilderstrecke

          Und der Weltmeister? Für Sebastian Vettel war das Rennen schon nach nicht einmal zwanzig Kilometern beendet. Warum, das wusste er zunächst selbst nicht. Nur eines konnte der Sechsundzwanzigjährige danach sagen. Ihn legten andere Probleme lahm als noch während des Qualifikationstrainings am Samstag, das er als Dreizehnter beendet hatte, weil ein Software-Update nicht fehlerfrei installiert worden war.

          „Das Problem von gestern konnten wir beheben. Aus unerklärlichen Gründen habe ich viel Leistung verloren“, klagte Vettel am Sonntag. „Das ganze System hängt zusammen. Wenn eine Komponente nicht funktioniert, dann läuft der Motor nicht rund. Wir haben versucht, das Auto nochmal zum Leben zu erwecken. Aber es ging nicht.“

          Alle Termine und Startzeiten der Formel-1-Saison 2014

          Nie zuvor plagte die Verantwortlichen der Rennställe vor einer so viel Ungewissheit. Sechs-Zylinder-Motoren ersetzen die alten Acht-Zylinder-Aggregate, die Fahrer dürfen nur noch 135 Liter Benzin verbrauchen – niemand wusste, was all das bedeuten sollte. Die ersten Bilder waren Autos, die schon vor dem Start stehen blieben: Romain Grosjean (Lotus) ging ebenso aus der Boxengasse ins Rennen wie die beiden Marussia-Fahrer Max Chilton und Jules Bianchi.

          Lewis Hamilton (Mercedes) besaß eigentlich die besten Aussichten, am Samstag hatte er sich die Pole Position gesichert, doch schon in der Aufwärmrunde spürte er, dass etwas nicht stimmt: „Der Start war dann eigentlich ganz okay, aber danach hatte ich gleich keine Power mehr“, sagte er.

          So gewann Rosberg den Start und lag bis zum Ende stets vor Ricciardo, dem neuen Mann bei Red Bull. Der 24 Jahre alte Australier zeigte trotz seiner Disqualifikation, die sein Rennstall nicht hinnehmen will, dass in ihm das nötige Talent für einen Platz im Weltmeister-Team steckt. Und er bewies, dass auch die neue Kreation aus der Feder von Chefdesigner Adrian Newey eine schnelle Nummer ist.

          „Vor zwei Wochen hätte ich nichts darauf gesetzt, dass ich hier auf dem Podium stehen würde“, sagte Ricciardo. „Das Team hat eine unglaubliche Entwicklung hingelegt.“ Dies macht auch Vettel Hoffnung, der in Melbourne rund fünfzehn Sekunden pro Runde auf Rosberg verlor, ehe er in die Boxengasse abbog und seine Mechaniker seinen Wagen rückwärts in die Garage schoben.

          Ist Nico Rosberg jetzt WM-Favorit? Wieso kam Sebastian Vettel nicht ins Ziel? Wo lag das Problem bei Lewis Hamilton? Was hat das Ergebnis für die Saison zu bedeuten? F.A.Z.-Redakteur Michael Wittershagen beantwortete die wichtigsten Fragen im Live-Chat!

          Sieben verschiedene Teams gewannen in Australien Punkte, selbst Valtteri Bottas (Williams/6.), Jean-Eric Vergne (8.) und der zweite Debütant Daniil Kwjat (beide Toro Rosso/10.) waren dabei.

          Die größte Überraschung aber war McLaren, denn neben Magnussen auf Platz drei schaffte es auch dessen Teamkollege Jenson Button (4.) in die Spitzengruppe und kam dabei unmittelbar vor Ferrari-Star Fernando Alonso ins Ziel. Auf einmal führt McLaren sogar wieder die Konstrukteurs-Wertung an mit 27 Punkten vor Mercedes (25).

          Vieles also wurde mit dem neuen technischen Reglement auf den Kopf gestellt. Und selbst der Sieger war sich nicht sicher, ob er auch beim Rennen in Malaysia am 29. März (9.00 Uhr / Live im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) wieder um die besten Plätze fahren kann.

          „Es geht in diesem Jahr so sehr um Zuverlässigkeit, du musst erst einmal ins Ziel kommen“, sagte Rosberg. „Deshalb: Großer Dank an das ganze Team, denn die haben das Auto dahin gebracht, dass ich hier überhaupt eine ganze Renndistanz fahren kann.“

          Zwei Wochen werden bis zum nächsten Grand Prix vergehen. Sollte Red Bull bis dahin ein ähnlicher Entwicklungssprung gelingen, dürfte Vettel schon sehr bald wieder um Siege kämpfen. „Uns ist schon hier ein Quantensprung gelungen“, sagte Red-Bull-Berater Helmut Marko. „Wir wissen, was noch im Auto und im Motor steckt.“

          Dann, wenn es der RB10 über die Distanz schafft. Unter Benzinmangel zumindest litt niemand in Australien. Aber was heißt das schon für die nächsten Rennen?

          Grand Prix von Australien in Melbourne (57 Runden à 5,303 km/302,271 km)

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:32:58,710 Std. (Schnitt: 195,059 km/h)
          2. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 0:24,525 Min. (disqualifiziert, Red Bull legt Protest ein)
          3. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes + 0:26,777
          4. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 0:30,027
          5. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 0:35,284
          6. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 0:47,639
          7. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 0:50,718
          8. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 0:57,675
          9. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 1:00,441
          10. Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso + 1:03,585
          11. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1:25,916
          12. Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber + 1 Runde
          13. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 1 Runde
          14. Max Chilton (England) Marussia + 2 Runden

          Ausfälle: Lewis Hamilton (England) Mercedes (4. Runde); Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull (5. Runde); Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus (25. Runde); Marcus Ericsson (Schweden) Caterham (27. Runde); Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (43. Runde); Jules Bianchi (Frankreich) Marussia (49. Runde); Kamui Kobayashi (Japan) Caterham (57. Runde); Felipe Massa (Brasilien) Williams (57. Runde)

          Schnellste Rennrunde: Nico Rosberg (Mercedes) 1:32,478 Min.
          Pole Position: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:44,231 Min.

          Fahrer-Wertung nach 1 von 19 Rennen:

          1. Nico Rosberg 25
          2. Daniel Ricciardo 18
          3. Kevin Magnussen 15
          4. Jenson Button 12
          5. Fernando Alonso 10
          6. Valtteri Bottas 8
          7. Nico Hülkenberg 6
          8. Kimi Räikkönen 4
          9. Jean-Eric Vergne 2
          10. Daniil Kwjat 1

          Team-Wertung nach 1 von 19 Rennen:

          1. McLaren Mercedes 27
          2. Mercedes 25
          3. Red Bull 18
          4. Ferrari 14
          5. Williams 8
          6. Force India 6
          7. Toro Rosso 3

          Nächstes Rennen: GP Malaysia am 30. März in Sepang

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