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Formel 1 : Ralf Schumacher - der große Verlierer

  • -Aktualisiert am

Fährt er nochmal ein Formel-1-Rennen? Ralf Schumacher Bild: AP

Das Personalkarussell dreht sich: Alonso zu Renault, Kovalainen zu McLaren. Das Timing war bewusst gewählt. Durch die Wechsel wurde ein Deutscher zum großen Verlierer: Ralf Schumacher steht in der Formel 1 vor der Rente.

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          So langsam fallen die letzten Entscheidungen im Personalkarussell der Formel 1. Nachdem Fernando Alonso bei Renault eine neue alte Heimat gefunden hat, ist seit Freitag auch McLaren-Mercedes komplett. Heikki Kovalainen nimmt den Platz von Alonso ein und wird neuer Teamkollege von Lewis Hamilton. Nach Mika Häkkinen und Kimi Räikkönen ist er der dritte Finne im Team der „Silberpfeile“. Das Timing der Bekanntgabe des zweiten Fahrers war von McLaren bewusst gewählt. Nach so vielen schlechten Nachrichten in der Spionageaffäre musste endlich mal wieder eine positive Schlagzeile her.

          Es gibt auch Verlierer im Kampf um die letzten offenen Cockpits der Formel 1. Ralf Schumacher ist einer davon, aber auch Toyota. Der Flug nach Spanien war schon gebucht. Doch einen Tag zuvor erfuhr Toyota-Teamchef John Howett, dass er die Reise stornieren könne. Sein Wunschpilot Fernando Alonso hatte sich für Renault entschieden. Damit platzte eine Spekulationsblase, die Alonso jeden Tag eine neue Heimat andichtete. Der bei McLaren in Ungnade gefallene Spanier hatte zu hoch gepokert. Er wollte partout einen Vertrag, der ihm für 2009 alle Optionen offenlässt. Sein Fernziel heißt Ferrari.

          Sportlich machte nur Renault für Alonso Sinn

          Maranello hat ihm offenbar Andeutungen gemacht, dass 2009 ein Platz frei werden könnte, obwohl Kimi Räikkönen und Felipe Massa länger laufende Verträge haben. Räikkönen gilt trotzdem als Wackelkandidat. Der Weltmeister hat im Freundeskreis öfter durchblicken lassen, dass er in diesem Sport nicht alt werden wolle. Jetzt, wo er sein großes Ziel erreicht hat, geht bei Ferrari die Angst um, der Champion könne vor Vertragsende aufhören.

          Rückkehr an alte Wirkungsstätte: Fernando Alonso

          Mit einem Einjahresvertrag ist auch ein Fahrer der Klasse von Alonso nur bedingt attraktiv. Honda und Red Bull winkten schnell ab. Für Toyota wäre der 19-malige Grand-Prix-Sieger auch als Kurzzeit-Legionär eine Bereicherung gewesen. „Dann wären bei uns ein paar Leute aufgewacht, die immer noch glauben, wir hätten ein tolles Auto, aber langsame Fahrer“, erklärt ein Ingenieur. Sportlich machte nur Renault für Alonso Sinn. Die Qualitäten seines alten Teams kann er abschätzen. „Sie wissen, wie man Siegerautos baut. Ihre Erfolgsstatistik gab den Ausschlag.“ Renault zeigte zwar in diesem Jahr auch nur Mittelmaß, doch haben nicht auch Ferrari 2005 und McLaren 2006 jeweils ein schlechtes Jahr gehabt?

          Nelson Piquet junior auf einen Stammplatz befördert

          Wer die Pressemitteilung von Renault aufmerksam liest, der vermisst einen Hinweis auf die Dauer des Vertrages. Keine Andeutung, nichts. Die Beteiligten sprechen nur vom Jahr 2008. Das lässt den Schluss zu, dass Alonso aussteigen kann, wenn die Resultate nicht seinen Vorstellungen entsprechen. Aus dem McLaren-Lager kommt der spöttische Einwand: „Alonso weiß auch mit Vertrag, was er tun muss, um eine Beziehung zu beenden.“

          Heikki Kovalainen musste nur vier Tage lang um seine Zukunft zittern. Renault feuerte den WM-Siebten und beförderte stattdessen Testfahrer Nelson Piquet junior auf einen Stammplatz. Anhand der Testdaten weiß Renault, dass der 22-jährige Sohn des dreimaligen Weltmeisters so schnell wie Kovalainen ist. Doch manchmal liefern der Name und die Nationalität die entscheidenden Argumente. Der Brasilianer garantiert die Unterschrift eines Sponsors aus der Mobilfunkbranche, der nächstes Jahr in Südamerika eine Werbekampagne startet. Außerdem plädierte Bernie Ecclestone für Piquet. Die Vater-Sohn-Geschichte passt wunderbar in sein Geschäft. Und einen Wunsch des Formel-1-Bosses schlägt man nicht ab.

          „Ein Freundschaftsdienst für den neuen Teamchef“

          Auch Ralf Schumacher hatte bei McLaren angerufen. Er bekam zwar keine Absage, doch die Antwort ließ auch keine große Hoffnung bei dem sechsmaligen Grand-Prix-Sieger aufkommen. Es hätten zu viele Leute über ihren eigenen Schatten springen müssen, bevor diese Partnerschaft zustande gekommen wäre. Schumacher versuchte es auch am anderen Ende der Boxengasse, doch der Test für Force India brachte eine Ernüchterung.

          Schumacher legt Wert darauf, dass er nicht mit sechs anderen Fahrern an einem Ausscheidungswettbewerb für den Sitz neben Adrian Sutil teilgenommen hat: „Es war ein Freundschaftsdienst für den neuen Teamchef. Ich habe Vijay Mallya das im September versprochen.“ Wenn Schumacher je einen Gedanken daran verschwendet hat, im kleinsten Rennstall der Formel 1 seine Rente hinauszuschieben, dann hat ihm die Testfahrt in Jerez die Augen geöffnet.

          Schumacher mit Alternativen außerhalb des Rennsports

          Das Auto von Force India ist extrem schwer zu fahren und eine Sekunde langsamer als der Rest. Dagegen fuhr sich selbst der vielgeschmähte Toyota wie eine Luxuslimousine. Ralf Schumacher hat genügend Erfahrung, sich auszumalen, dass selbst mit einer kräftigen Finanzspritze des indischen Milliardärs Mallya frühestens in drei Jahren erste Erfolge zu erwarten sind. Zu spät für einen 32-Jährigen, der von sich glaubt, dass er im richtigen Auto immer noch Rennen gewinnen kann. Zum Glück, sagt er, müsse er nicht mehr Rennen fahren, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

          Neben Angeboten aus der DTM hätte er auch Alternativen außerhalb des Rennsports. Für seinen früheren Manager Willi Weber hat Schumacher den entscheidenden Fehler seiner Karriere nicht 2007, sondern mindestens ein Jahr früher gemacht: „Ralf hätte bei Toyota eher die Reißleine ziehen müssen. Wenn du drei Jahre ohne Erfolg fährst, hast du ein Image weg, das du nicht mehr reparieren kannst.“

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