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Formel 1 : Ralf besteht darauf, daß Michael der Spaß fehlt

  • -Aktualisiert am

Schumacher will seine Fans noch lange begeistern Bild: dpa/dpaweb

Michael Schumacher hat seinen Bruder Ralf schroff in die Schranken gewiesen: „Um ehrlich zu sein, hat Ralf über einige andere Dinge nachzudenken." Ralf hatte über das baldige Karriereende seines großen Bruders spekuliert.

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          Alles nur ein großes Mißverständnis? Eigentlich will Ralf Schumacher gar nichts von dem erzählt haben, was da in der Zeitung stand: Aus dem Zusammenhang sei es gerissen oder nie gesagt worden, und falls doch, dann aber nicht zum Zitieren. Da war es allerdings längst zu spät.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In Deutschland hatte eine aus Zitaten des Formel-1-Piloten geformte Schlagzeile in den vergangenen Tagen die Runde gemacht, etwa so formuliert: Bruder "Michael Schumacher wird nicht mehr lange fahren". Darauf hätte man auch selbst kommen können. Schumachers Vertrag mit Ferrari läuft Ende 2006 aus. Dann wird er fast 38 Jahre alt sein.

          „Don't retire - Tritt nicht zurück“

          Aber die Quelle des Hinweises wirkt selbst zur Überraschung des Autors nach acht Jahren Formel 1 wie ein ungeheurer Verstärker. Weil Nähe ja Vertrauen schafft. Und so hätte man am Donnerstag fast glauben können, die vage Vermutung des lieben Verwandten packe sogar die beim Thema Formel 1 eher distanzierten Amerikaner: Denn "Don't retire" - "Tritt nicht zurück", hatte eine Plakatmalerin auf ihr Schild geschrieben und es dem Champion mit sehnsüchtigem Blick vor die Nase gehalten - bis dieser bei einer Open-air-Pressekonferenz im altehrwürdigen Motorspeedway von Indianapolis (mal wieder) fröhlich bekannte: "Ich fahre, solange ich mithalten kann. Und ich fühle mich noch wettbewerbstauglich." Da kreischten die etwa 1.000 Fans wie sonst nur Groupies bei der Ankunft ihres geliebten Rockstars. Yeah!

          Michael Schumacher: „Um ehrlich zu sein, hat Ralf über einige andere Dinge nachzudenken und zu sprechen”

          Am Donnerstag morgen um 10 Uhr war also auch die kleine Gemeinde in der Formel-1-Diaspora Vereinigte Staaten über die Seelenlage des Deutschen informiert. So wie zuvor im Zuge der Formel-1-Tournee die Australier, die Malaysier, die Scheichs in Bahrein, die Italiener, Spanier, Monegassen, die Besucher des Nürburgrings und die Kanadier: Wo der Star aus Deutschland auftritt, spricht er so intensiv von seiner ungebrochenen Motivation, daß ihm eigentlich die Lust vergehen müßte.

          „Ralf hat über einige andere Dinge nachzudenken“

          Doch einer ließ sich offensichtlich nicht beirren. "Der Erfolg der vergangenen Jahre hat ihm viel Spaß gemacht", sagte Ralf Schumacher jüngst der "Sport Bild": "Diesen Spaß hat er momentan nicht. Ich bin sehr gespannt, was passiert, wenn das bis zum Ende der Saison so bleibt." Kein dummer Gedanke.

          Nur wunderte sich der Ferrari-Schumacher kurz vor dem Großen Preis der Vereinigten Staaten am Sonntag in Indianapolis über die Gefühlsdiagnose: "Ich weiß nicht, wie er darauf kommt. Ich habe ihm doch gesagt, wie sehr ich es im Moment genieße. (...) Das letzte Rennen (Kanada), Monaco, Imola, da hatte ich großen Spaß", erklärte der große Bruder und gab dem kleinen lachend einen Rat mit auf den Weg: "Um ehrlich zu sein, hat Ralf über einige andere Dinge nachzudenken und zu sprechen."

          D ie Schwäche seines geliebten Bruders

          In diesem Satz steckt die Nachricht. Falls Ralf Schumacher mit seiner jüngsten Bemerkung, mit der Kritik an seinem Bruder nach dessen Schlußattacke auf den letzten Metern des Großen Preises von Monaco ("Der hat sie ja nicht alle!"), mit Äußerungen zu Ferraris Fehlkalkulationen oder zum selbstverschuldeten Reifenproblem auch nur ein Jota von seiner Lage ablenken wollte, dann trat am Donnerstag genau das Gegenteil ein.

          Denn was wiegt mehr als die Replik des analytischen wie in Familienangelegenheiten besonders vorsichtigen Chefpiloten? Mit einem Satz lenkte der Steuerkünstler den Blick auf die gegenwärtige Schwäche seines geliebten Bruders: Denn über was soll der Toyota-Pilot schon nachdenken, wenn nicht über seine Leistung im Qualifikationstraining? In diesem intern wichtigen Wettbewerb mit seinem Teamkollegen Jarno Trulli liegt der Rheinländer nach acht Grands Prix 1:7 hinten. Das lag nicht immer allein am Fahrer aus Kerpen. Die schlechteren Startplätze aber kann Ralf Schumacher trotz seiner unbestrittenen Übersicht im Rennen kaum mehr ausgleichen. Dafür ist die Leistungsdichte in der Formel1 inzwischen zu groß. Um jedes Zehntelsekündchen wird hart gekämpft.

          Die Begeisterung von Ralf Schumacher hält sich in Grenzen, wenn er Rennen für Rennen um eine Erklärung gebeten wird: "Ich muß meinen Fahrstil (dem Auto) noch mehr anpassen", sagt er diesmal - schon wieder. Man wird an diesem Samstag also noch genauer auf den Zweikampf mit dem laut Renaults Jungstar Fernando Alonso "besten Qualifyer" Trulli schauen. Ausgerechnet in Indianapolis, wo der jüngere Schumacher im vergangenen Jahr während des Grand Prix bei Tempo 300 wegen eines Reifenschadens die Kontrolle über seinen Renner verlor, in die Betonmauer krachte und zwei Brustwirbelbrüche erlitt: "Wenn ich Angst hätte, dann wäre ich keine Rennen mehr gefahren. Denn ein Reifen kann überall platzen", erklärt Ralf Schumacher: "Ich kann an der Stelle nur Vollgas fahren. Es würde auch keinen Unterschied machen, statt 310 nur 305 zu fahren. Außerdem ist da ein Fahrfehler kaum möglich. Das Auto fährt dort fast von alleine."

          Visier runter, Fuß aufs Gas. Vom Crash ist außer einer mehrstündigen Erinnerungslücke zwischen Startaufstellung und Aufwachen im Krankenhaus nichts hängengeblieben. Nichts Bremsendes, sagt er, im Gegenteil: "Leichte Schläge auf den Hinterkopf erhöhen nicht das Denkvermögen." Manager Willi Weber darf also nicht unbedingt guter Hoffnung sein. Via "Bild"-Zeitung hatte er als zweiter Zeuge nach Michael Schumacher den Kern der Zitat-Affäre enthüllt: "Ralf soll sich lieber darauf konzentrieren, bei Toyota in Tritt zu kommen. Über Michael Schumacher und Ferrari zu philosophieren ist nicht seine Aufgabe."

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