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Formel 1 : Pirelli gibt Teams Schuld an Reifenpannen

  • Aktualisiert am

So konnte es nicht weiter gehen: Pirelli-Reifen in Silverstone Bild: REUTERS

Ist es Sorge um die Sicherheit oder Angst vor einem drohenden Fahrer-Boykott, die die Verantwortlichen zum Handeln zwingt? Pirelli bringt schon am Nürburgring neue Reifen ins Rennen. Zugleich gibt der Hersteller den Teams die Schuld an den Reifenpannen.

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          Die Formel 1 hat mit einem Notfallplan die ersten Schritte gegen einen drohenden Fahrer-Boykott auf dem Nürburgring eingeleitet. Der Automobil-Weltverband macht durch Regeländerungen den Weg zu erweiterten Testfahrten frei. Zudem wird Pirelli fürs Rennen eins nach dem hochgradig gefährlichen Reifen-Alptraum von Silverstone die schon vor einem Monat geplanten Veränderungen an den Pneus vornehmen.

          Sebastian Vettel wird das in puncto Sicherheit gerne hören. „Wir müssen davon ausgehen können, dass es damit keine Probleme gibt“, sagte der dreimalige Champion der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und nahm in der Reifendebatte Exklusiv-Hersteller Pirelli und den Internationalen Automobilverband in die Pflicht. „Eines ist klar: Für unsere Sicherheit muss immer gesorgt sein, darauf habe ich in Bezug auf die Reifen schon vor Wochen hingewiesen.“

          Die FIA reagiert. „Unsere Priorität ist, die Sicherheit für alle in der Formel 1 zu gewährleisten und wir glauben, dass die Vorfälle in Silverstone ernsthafte Sicherheitsbedenken für die Fahrer bedeuten“, sagte FIA-Präsident Jean Todt, der an diesem Mittwoch auf dem Nürburgring auch noch eine Krisensitzung einberufen hat. Die FIA habe Pirelli um eine Zusicherung gebeten, dass sich die Vorfälle von Silverstone nicht beim Deutschland-Rennen am Sonntag oder den nachfolgenden Saisonläufen wiederholen, unterstrich der Dachverband in seiner Erklärung.

          Teams sollen Reifen falsch montiert haben

          Beim Großen Preis von Großbritannien war es zu vier Reifenplatzern im Rennen gekommen, dabei waren großflächige Gummifetzen durch die Luft geflogen. Vettels Teamkollege Mark Webber sprach von „Russischem Roulette“, FIA-Rennleiter Charlie Whiting war kurz vorm Rennabbruch. Einen Boykott des WM-Laufs an diesem Sonntag auf dem Nürburgring schlossen die Piloten nicht aus.

          Pirelli zufolge führten mehrere Faktoren dazu, unter anderem falsch montierte Hinterreifen und ein zu geringer Druck der sensiblen Gummimischungen. Der Hersteller stellte jedoch klar, dass die 2013er Pneus keineswegs die Fahrsicherheit gefährden würden, wenn sie korrekt genutzt werden.

          Pirelli gibt Gummi: neue Reifen für das nächste Rennen

          Pirelli wird auf die Schnelle die Reifen bringen, die eigentlich schon für das Kanada-Rennen am 9. Juni vorgesehen waren. Die Einführung scheiterte damals am notwendigen einstimmigen Votum. Auch dies ist kein Hindernis mehr: Die FIA will den entsprechenden Passus - Artikel 12.6.3 - im Technischen Regelwerk kurzerhand ändern. „Die bestürzenden Vorfälle haben die von uns bereits unterbreiteten Vorschläge nötig gemacht“, erklärte Pirellis Motorsportdirektor Paul Hembery.

          Stahlband wird durch Kevlar ersetzt

          Bei den Nürburgring-Pneus wird ein Stahlband in der Innenschulter der Reifen wieder durch Kevlar ersetzt. Das Stahlband heizt sich mehr auf als Kevlar. Die Temperaturen übertragen sich auf die Lauffläche der Reifen, wodurch es zur Delaminierung kam. Dabei löst sich die Gummifläche. Pirelli geht aber noch einen Schritt weiter. Der italienische Hersteller liefert ab dem Großen Preis von Ungarn Ende Juli ganz neue Reifen. Diese sind eine Mischung aus den Vorjahresmodellen mit den aktuellen Pneus.

          Als eine weitere FIA-Maßnahme dürfen zudem beim eigentlichen Nachwuchsfahrer-Test vom 17. bis 19. Juli auf dem Kurs in England auch die Stammpiloten hinters Steuer. Dazu wird Paragraph 22.4. der Sporting Regulations modifiziert. Die FIA behält sich auch noch vor, die Testfahrten um einen Tag zu verlängern. Der Weltverband wird nach Angaben des Fachmagazins „Autosport“ sogar eigene Beobachter zu den Probefahrten Mitte Juli schicken. Damit soll sichergestellt werden, dass die Formel-1-Piloten nicht heimlich an der Weiterentwicklung ihrer aktuellen Autos arbeiten.

          Der deutsche MercedesAMG-Rennstall wird an kommenden Tests nicht teilnehmen. Das Team um den Silverstone-Sieger Nico Rosberg war wegen eines Privattests für Exklusiv-Ausrüster Pirelli Mitte Mai von den sogenannten „Young-Driver-Tests“ ausgeschlossen worden. Die Silberpfeile hätten nun im „Interesse des Sports“ akzeptiert, weiterhin nicht bei den Zusatzfahrten auf die Strecke zu gehen.

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