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Formel 1 in Baku : Mit Tempo 360 über den Boulevard

Daniel Ricciardo erwischte es in Baku beim Training Bild: AFP

Die Formel-1-Premiere mitten in der Hauptstadt von Aserbaidschan bereitet den Piloten Sorgen: Haben die Sicherheitsexperten richtig gerechnet?

          Acht Meter und ein halber, mehr Platz ist nicht. Die Formel 1 begibt sich auf einen Hohlweg. Die Kurven acht und neun auf dem Baku City Circuit führen die Piloten bergauf Richtung Içari Şahar, an die Mauern der Altstadt von Baku, bis sie den Brunnenplatz rechts liegen lassen, auf dem den Dichtern aus alter Zeit Denkmäler gesetzt wurden – und sich die Piste auf nur noch sieben Meter Breite verjüngt. Reichen sieben Meter Asphalt für die 22 Fahrer in ihren Rennwagen am Sonntag? Es rauchen die Köpfe. Rund zweieinhalb Meter sind die Autos breit. Das Reglement des Internationalen Automobilverbandes Fia sieht für neugebaute Rennstrecken zwölf Meter Breite vor. Es wird eng in Baku, so eng wie sonst nur in Monaco.

          Und manch einer kann es kaum erwarten. Sieht die Formel 1 mit dem Großen Preis von Europa am Sonntag (15 Uhr MESZ/RTL und Sky) vor der Rückkehr in alte, gefährliche, womöglich halsbrecherische Zeiten. Ausgerechnet hier, auf der jüngsten aller Rennstrecken, dem Baku City Circuit? Vielleicht gerade hier, hat diese Strecke doch der Treibstoff gebaut, von dem sie alle abhängig sind, vor allem in der Formel 1: das Öl, das die Plattformen fördern, deren Lichter so hell blinken draußen auf dem Kaspischen Meer, wenn es Nacht wird über Baku. „Spektakulär“ wirke der Kurs, sagt Ferrari-Mann Sebastian Vettel. „Blinde“ Kurven, Gefällstrecken – „sehr aufregend“, das alles.

          Und überhaupt: „Ich habe die Mauern lieber direkt neben der Strecke als eine Auslaufzone, an deren Ende Reifen auf mich warten“, sagt Vettel. Jenson Button, der Fahrer mit der größten Erfahrung im Feld, sieht an drei Stellen dennoch zu kleine Auslaufzonen. Und Nico Rosberg, dessen Führung in der Weltmeisterschaft auf seinen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton in den vergangenen Rennen auf neun Punkte geschrumpft ist, hofft, dass „die Fia richtig gerechnet hat“. Aber: „Ich bezweifle das ein kleines bisschen, wenn ich mir manche Stellen anschaue.“ Er sei ein wenig besorgt, was die Auslaufzone angeht: „In Kurve 15 fährst du direkt auf eine Mauer zu.“

          Der Kurs geht direkt durch die Altstadt Bakus

          Hinter ihr steht der Palast des Mannes, der sich das Rennen gekauft hat: Aserbaidschans Präsident Ilham Alijew. Die Streckenaufsicht der Fia hat eine Notausfahrt eingebaut, als ginge es nicht im Formel-1-Auto durch die Hauptstadt von Aserbaidschan, sondern im Lastwagen die Bundesautobahn 8 hinab von der Schwäbischen Alb. Der Unterschied: „Du musst früh wissen, ob du ein Problem hast“, sagt Williams-Pilot Felipe Massa. „Sonst sitzt du an der Mauer.“ Lange überlegen ist nicht. Die Kurve wird mit Tempo 300 angesteuert. Manch einer sieht hier den gefährlichsten Linksknick der Formel 1 überhaupt. Alijews Vorhof ein Schrottplatz? Das Rennen kostet Millionen und Abermillionen. Sechs Lagen Kunststoffbarrieren sollen verhindern, dass die Fahrer für einen Crash während der Stadtrundfahrt zu teuer bezahlen müssen. Der Mexikaner Esteban Gutierrez vom Haas-Team weihte den Notausgang im ersten Training am Freitag ein. Nach einer Dreipunktwende setzte er die Fahrt fort. Passiert am Sonntag ein Unfall, hier oder an nahezu jeder anderen Streckenpassage, wird das Safety-Car ausrücken müssen.

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