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Sicherheit im Cockpit : Warum die Formel 1 den Heiligenschein hasst

  • -Aktualisiert am

Fühlt sich an wie Fahren mit Dach: Ferrari mit Halo über dem Cockpit. Bild: Reuters

Der Halo soll bei einem Unfall Leben retten. Erstmals fährt die Formel 1 in der neuen Saison mit dem Titanbügel über dem Cockpit. Doch die negativen Reaktionen der Fahrer fallen ziemlich deutlich aus.

          3 Min.

          Es ist das meistgehasste Teil an einem Formel-1-Auto der neuesten Generation. Selten hat eine Erfindung so viele negative Reaktionen provoziert wie der Halo, der Heiligenschein über dem Cockpit, der bei einem Unfall Leben retten soll. Selbst die Mehrheit der Fahrer ist inzwischen gegen den Titanbügel. Weil er optisch ein Fremdkörper ist. Das plumpe, dreibeinige Gestell passt nicht zu der filigranen Hightech-Maschine darunter. Der Halo raubt der ultimativen Fahrmaschine ihre Eleganz, Aggressivität, Brutalität und ihren Nimbus. Formel-Autos müssen oben offen sein. Sebastian Vettel sagt: „Das fühlt sich an wie Fahren mit Dach.“ Der Deutsche war zunächst einer der Befürworter des Halo. Lewis Hamilton auch. Andere – wie Max Verstappen, Nico Hülkenberg oder Kevin Magnussen – waren von Anfang an gegen das Flipflop-Konstrukt über ihrem Kopf. „Was hässlich ist, kannst du nicht schönreden“, lästert Magnussen. Vettel und Hamilton haben sich nun auf die Seite des Dänen geschlagen.

          Durch den Titanbügel kommen samt der Anlenkpunkte am Chassis weitere 14 Kilogramm zu den ohnehin schon viel zu schweren Autos. Und er macht das Ein- und Aussteigen zu einem akrobatischen Akt. Der Sicherheitsrat des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) testete insgesamt zehn Varianten. Darunter den Halo, offene Scheiben namens Shield und Aeroscreen und eine geschlossene Kanzel. Der Halo gewann. Versuche haben gezeigt, dass der Cockpitschutz ein 20 Kilogramm schweres Rad mit einer Geschwindigkeit von bis zu 225 Kilometern pro Stunde abhalten kann. Beim Beschuss des Cockpits mit herumfliegenden Teilen hängt es von der Größe des Objekts und seiner Flugbahn ab, ob das Ergebnis positiv, neutral oder sogar negativ ist.

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