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Formel-1-Pilot Verstappen : Befehlsverweigerung mit 17

  • -Aktualisiert am

Ohren zu und durch: Max Verstappen übt zivilen Ungehorsam Bild: AFP

Max Verstappen ignoriert beim Grand Prix in Singapur eine Teamorder. Dafür bekommt er viel Lob - nicht nur von seinem rennerfahrenen Vater.

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          Max Verstappen gilt als Wunderkind: Erst 17 Jahre alt und schon so schnell. Seit dem Großen Preis von Singapur am Sonntag muss der Satz korrigiert werden: Erst 17 Jahre alt und schon so frech. Der Junge bekommt erst in neun Tagen seinen Führerschein, aber er fährt bereits wie ein angehender Weltmeister. In Singapur beeindruckte der Holländer nicht nur durch seine Rundenzeiten. Verstappen bekam kurz vor Ende des von Sebastian Vettel gewonnenen Rennens den Befehl, Teamkollege Carlos Sainz vorbeizulassen. Der Holländer sagte nein. Und das in einem Tonfall, der am Toro-Rosso-Kommandostand jegliche weitere Diskussion verstummen ließ. Das trauen sich nur Weltmeister.

          Vater Jos Verstappen applaudierte. „Hätte Max nachgegeben, wäre ich sehr böse mit ihm geworden.“ Der Junior ahnte das wohl und kommentierte politisch unkorrekt. „Dad hätte mir in die Eier getreten.“ Für Jos, einst Teamkollege von Michael Schumacher, war es das richtige Signal: „Max hat gezeigt, dass er kein Kind mehr ist. Er hat seinen eigenen Kopf.“

          Schwimmen gegen den Trend

          Der frühere Champion Jacques Villeneuve vergaß, dass er in seiner eigenen Karriere gerne den Rebellen gespielt hat: „Es war dumm von Verstappen. Wenn er um den Sieg kämpft, verstehe ich es. Aber für Platz acht riskierst du nicht den Teamfrieden.“ Da lag der Kanadier falsch. ToroRosso hatte gute Gründe einen Platztausch zu verlangen, doch das Timing war falsch. Der Befehl kam viel zu spät.

          Sowohl Verstappen als auch Sainz waren eigentlich schon aus dem Kampf um die Punkteränge ausgeschieden. Verstappen verlor eine Runde, weil ihm beim Start der Motor abstarb. Sainz rutschte sechs Positionen ab, als das Getriebe mitten im Pulk in den Leerlauf schaltete. Die beiden Safety-Car-Phasen brachten die Unglücksraben wieder zurück ins Geschäft.

          Im Schlussabschnitt schwammen die Toro-Rosso-Junioren mit weichen Reifen gegen den Trend. Sie überholten im Tandem Auto um Auto und bissen sich erst am Force India von Sergio Perez fest. Sainz hatte einen frischeren Reifensatz. Der Spanier wechselte eine Runde später als Verstappen und bekam eine neue Garnitur mit auf die Reise. Der seines Teamkollegen war gebraucht. Weil Verstappen hinter Perez festhing, sollte es Sainz mit den besseren Reifen versuchen. Hätte es nicht geklappt, wäre die Reihenfolge wieder umgedreht worden.

          Ungehorsam als Tugend

          Doch Verstappen traute der Taktik nicht, weil nur noch drei Runden zu fahren waren. Möglicherweise hätte sich Sainz dann auch noch geweigert. Der Ungehorsam zeigt, wie der jüngste Formel-1-Fahrer aller Zeit tickt. Nur der eigene Vorteil zählt. Alle großen Champions denken so. Deshalb steht der Holländer sowohl bei Mercedes als auch Ferrari auf der Wunschliste ganz oben. Wenn das nächste Mal ein Platz im Team frei wird. „Keine Sorge, wir haben langfristig die Hand auf ihm“, sagte Red-Bull-Teamchef Christian Horner und versuchte, alle Begehrlichkeiten abzuwehren.

          Kommende Woche mit Führerschein: Max Verstappen
          Kommende Woche mit Führerschein: Max Verstappen : Bild: AFP

          Am Ende lobte Teamchef Franz Tost seinen Piloten noch dafür, sich der Stallregie widersetzt haben. „Wenn Carlos deutlich schneller gewesen wäre, hätte er näher an ihn ran fahren müssen. Aber er blieb immer ein paar Zehntel dahinter. Deshalb war es die richtige Entscheidung.“

          Verstappen junior wollte einen Platztausch auf Anordnung der Box nicht grundsätzlich ausschließen: „Wenn man auf unterschiedlichen Strategien unterwegs ist, macht es Sinn. Dann lässt man den anderen ziehen. Aber wir waren im gleichen Rennen. Sainz hätte auch keine Chance gegen Perez gehabt.“ Das sah der Spanier anders: „Ich hatte das Gefühl, dass ich schneller gekonnt hätte. Und ich hätte gerne eine Chance bekommen. Wäre es nicht erfolgreich gewesen, hätte ich Max natürlich vor dem Ziel wieder vorbeigelassen.“ Genau das ist vielleicht der entscheidende Unterschied. Beide sind gleich schnell, doch Verstappen eine Spur skrupelloser.

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