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Formel-1-Pilot Nico Rosberg : Auf Heimatsuche

Vier Sterne und die deutschen Farben: Nico Rosberg zeigt in Hockenheim auf dem Helm Flagge Bild: dpa

Wer ist Nico Rosberg? Michael Schumacher und Sebastian Vettel konnten das Land für die Formel 1 begeistern. Dem neuen Vorfahrer ist das vor dem Großen Preis am Hockenheimring (Start: 14 Uhr) noch nicht gelungen.

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          Wer in diesen Tagen nach Hockenheim fährt, der sieht viele Fahnen in den deutschen Nationalfarben zu Ehren der Fußball-Weltmeister im Wind flattern. „Natürlich würden wir uns als deutsches Team mit einem deutschen Fahrer auch einen solchen Patriotismus wünschen“, sagt Toto Wolff, der Motorsportchef des Formel-1-Teams von Mercedes. Der Große Preis von Deutschland an diesem Sonntag (Start: 14 Uhr / Live bei RTL, Sky und im FAZ.NET-Ticker) ist das Heimspiel des Automobilherstellers und des derzeitigen WM-Führenden Nico Rosberg. Doch schon vor wenigen Tagen stichelte dessen Teamkollege Lewis Hamilton: „Nico hat nie wirklich in Deutschland gelebt, also ist das genau genommen auch kein Heimrennen für ihn. Als wir Kart gefahren sind, stand er nie neben dem Grid-Girl mit der deutschen Flagge, er stand immer bei der von Monaco.“ Rosberg ist ein ausgezeichneter Fahrer. An diesem Sonntag startet er von der Pole Position. Den viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel hat er in dieser Saison abgehängt - ein PS-Held der Deutschen ist er noch nicht.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Mittwoch vor dem Grand Prix. Ein Termin mit Rosberg in einer Halle von Mercedes, Dutzende Rennwagen aus vielen Jahrzehnten stehen dort aneinandergereiht. Was hält er von der Attacke Hamiltons? „Ich war dabei, als er das gesagt hat. Es begann als Witz und wurde dann aufgebauscht. Aber wenn es seine Meinung ist - ich habe kein Problem damit“, sagt Rosberg. Dann fügt er noch diesen Satz hinzu: „Ich weiß, was in meinem Pass steht.“ Rosberg ist deutscher Staatsbürger. Er wurde am 27. Juni 1985 in Wiesbaden als Sohn des finnischen Formel-1-Fahrers Keke Rosberg und dessen deutscher Frau Gesine geboren, wuchs abwechselnd in Wiesbaden, Monaco und auf Ibiza auf. Er besuchte ein Internat, seine Mitschüler waren Kinder von Bankern und Millionären. Rosberg lernte Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Er war sich lange selbst nicht sicher, wohin er eigentlich gehört. Noch in der Nachwuchskategorie GP2 wurde die finnische Fahne neben seinem Namen eingeblendet, und selbst nach seinem Einstieg in die Formel 1 sagte Rosberg noch: „Ich bin Europäer - jedenfalls fühle ich mich so.“

          Helm-Design verstößt gegen Fifa-Markenrechte

          Er hatte eine vermeintlich sorgenfreie Jugend. Geld spielte nach den Erfolgen des Vaters in der Formel 1 und der Deutschen Tourenwagen-Meisterschaft keine Rolle, der berühmte Nachname hat ihm im Motorsport so manche Tür geöffnet. Das war bei Michael Schumacher und Sebastian Vettel anders. Der Kerpener ist der Sohn eines Kaminmaurers, als kleiner Junge zog er oft die alten Reifen seiner Gegner aus dem Müll, weil er damit noch ein paar Runden drehen konnte. Der Heppenheimer ist der Sohn eines Zimmermanns, als Neunjähriger ging er im Rennanzug auf der „Essen Motor Show“ von Stand zu Stand und suchte nach Sponsoren. Ein Hersteller von Alufelgen gab ihm schließlich 10 000 Mark, die Vettels kauften davon einen neuen Anhänger für das Kart. Schumacher und Vettel zählen seit Jahren laut vieler Umfragen zu den beliebtesten Deutschen, Rosberg sucht noch nach seinem Platz. Viele Jahre war er vor allem - der Sohn von Keke Rosberg, der Teamkollege von Schumacher, nun der Mann an der Seite von Hamilton.

          Wer ist Rosberg? Wie er sich selbst sieht, hat er in den vergangenen Wochen gezeigt: Rosberg schaute das WM-Viertelfinale Deutschland gegen Frankreich im Mercedes-Motorhome an der Rennstrecke von Silverstone, trug ein Nationaltrikot, jubelte ausgelassen und ließ sich bereitwillig fotografieren; er veröffentlichte Bilder auf seinem Twitter- und Facebook-Account, auf einem davon steht er barfuß in der Wohnung seiner Eltern in Monaco, wieder trägt er das Nationaltrikot, an der Wand hängt eine Nationalfahne, und daneben kleben sieben Seiten aus der „Bild“-Zeitung mit Jubelarien auf die Nationalmannschaft. Rosberg schreibt dazu: „Das ist eine Inspiration gewesen für den Rest meiner Formel- 1-Saison.“ Beim Rennen in Hockenheim wollte er nun mit dem Weltmeister-Pokal auf seinem Helm antreten, aber der Internationale Fußball-Verband verbot ihm das Design, weil dadurch Markenrechte verletzt worden wären. Geblieben sind die vier Sterne und die deutschen Farben.

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