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Formel-1-Pilot Hülkenberg : „Wir müssen moderne Gladiatoren sein“

Zukunftsvision: So oder so ähnlich stellt man sich bei Renault einen Formel-1-Boliden im Jahr 2027 vor. Bild: Renault

Nico Hülkenberg findet, dass die Formel 1 eine gute Show bieten muss. Ein Gespräch über die Gefahr als Teil des Kitzels im Motorsport und seine großen Ambitionen bei Renault.

          5 Min.

          Im Windschatten der deutschen Weltmeister hat Nico Hülkenberg einen Rekord aufgestellt: 129 Formel-1-Grands-Prix, ohne ein einziges Mal unter die ersten drei gekommen zu sein. Der Rheinländer reagiert mit Ironie auf die in Fragen gekleideten kritischen Anmerkungen zu diesem Phänomen: „Das habe ich mir hart erarbeitet“, sagte der 30 Jahre alte Pilot des Konzernteams Renault am Donnerstag im Fahrerlager von Sepang, drei Tage vor dem Großen Preis von Malaysia (Rennstart am Sonntag, 9.00 Uhr MESZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET).

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zwischen den Zeilen macht Hülkenberg auf die Kernwahrheit seiner Karriere aufmerksam. Seit der ersten Testfahrt im Williams 2007 hat er sich nicht nur zehn Jahre lange gehalten und herbe Rückschläge wie die Verabschiedung bei Williams trotz einer Pole Position oder den Reinfall mit Sauber verkraftet. Hülkenberg, 2015 Le-Mans-Sieger mit Porsche, fuhr mit Force India zielstrebig den gehobenen Mittelstand der Formel 1. Sein technisches Verständnis und seine Zuverlässigkeit selbst oder gerade unter schwierigsten Bedingungen haben Teamchefs immer wieder beeindruckt. Deshalb wählte ihn Renault für sein ehrgeiziges Programm aus und zahlt pünktlich: immerhin angeblich zehn Millionen Dollar für 2017 und 2018.

          Nach 14 von 20 Formel-1-Rennen in dieser Saison können Sie schon ein Fazit ziehen: War der Wechsel von Force India zu Renault der richtige Schritt?

          Ja, ich fühle mich super wohl, ich habe mich viel schneller eingelebt, als ich das erwartet hatte. Der Zusammenhalt im Team ist sehr gut, und es macht Spaß, nicht zuletzt, weil die Ergebnisse da sind.

          Sie haben 34 der bislang 42 Punkte eingefahren. Ist das ein zufriedenstellendes Resultat?

          Zumindest sind es bislang mehr Punkte, als ich erwartet hatte. Aber mit dem Sprung von einem Privatteam (Force India, d. Red.) zu einem Hersteller wie Renault habe ich schon Erwartungen verknüpft: mehr Investitionen, eine Strategie und auch hohe Ansprüche des Teams an mich. Ein Hersteller ist früher oder später zu Erfolg verdammt. Wir haben noch einen langen Weg vor uns, aber es geht gut voran. Für das nächste Jahr müssen wir versuchen, die Abstände zu den Top-Teams zu halbieren. Die Erfolge werden kommen.

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          Weil Sie frisch beseelt sind vom Tapetenwechsel?

          Das musste sein, ja. Es ist eine neue Liebe entstanden, und die bringt frischen Schwung, eine gewisse Lockerheit. Renault erwartet von mir eine starke Leistung, und die ist mir bislang auch gelungen. Wir sollten in der Lage sein, in jedem der verbleibenden Rennen Punkte zu gewinnen.

          Sie erhalten gute Kritiken gemessen an der Leistungsfähigkeit Ihres Autos. Liegt das auch an den zur Saison eingeführten Regeländerungen?

          Das kann schon sein. Mit dem Zuwachs an Abtrieb ist das Tempo gestiegen, die Reifen lassen ein höheres Kurventempo zu. Das erlaubt uns Rennfahrern, mehr Rennfahrer zu sein. In den vergangenen Jahren mussten wir fünf bis zehn Prozent der Leistung zurückhalten, um zum Beispiel die Reifen schonen zu können. Diese Auflagen entsprechen nicht meinem Naturell. Dabei wird nicht das gefordert, was mir liegt. Ich kann jetzt mehr am Limit fahren, 60 Runden lang, das bereitet viel mehr Spaß. Und mit der Ausnahme des Rennens in Baku (Unfall nach Fahrfehler, d. Red.) war es bislang das beste Jahr meiner Karriere.

          Wohin wird diese Entwicklung führen?

          Ich hoffe, dass wir in ein bis zwei Jahren um Podien und Siege mitfahren können. Langfristiger geht es um eine Teilnahme am Kampf um die WM-Titel. Ich habe keinen Zweifel, dass ich das kann, nicht den Hauch. Ich habe in nun 129 Rennen gezeigt, dass es geht. Dabei mögen mal ein Fehler oder Umstände, die ich nicht beeinflussen konnte, dazu geführt haben, dass ich es bislang nicht aufs Podium geschafft habe. Aber ich bin hier, um das zu verändern.

          Sie halten die nun beschlossene Einführung des zusätzlichen Kopfschutzes namens Halo für überflüssig. Warum?

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