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Formel 1 in Ungarn : Verstappen in der Form seines Lebens

  • -Aktualisiert am

Fokussiert: Für Max Verstappen läuft es derzeit in der Formel 1. Bild: AFP

Max Verstappen jagt auch in Ungarn den davon geeilten Lewis Hamilton. Parallel zu der Entwicklung des Niederländers ist der Red Bull zu einem Auto mit Siegpotential gereift. Dabei gelingt dem Team gar ein spezieller Rekord.

          So schnell kann sich das Bild ändern. Vor drei Rennen galt Red Bull noch als ein Problemfall. Aber plötzlich ist Max Verstappen der aussichtsreichste Jäger von WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton, dem man den sechsten WM-Titel in Gedanken schon vorzeitig überreichen wollte. Valtteri Bottas liegt in der Fahrerwertung zwar „nur“ 41 Punkte hinter seinem Teamkollegen im Mercedes. Doch dem Finnen wird das große Überholmanöver nicht zugetraut. Er verschenkt die „Big Points“, wenn sie, wie in Hockenheim, auf dem Servierteller liegen.

          Verstappen nimmt sie. Aber der 21jährige Holländer muss 63 Punkte aufholen. Nach zwei Siegen in den vergangenen drei Formel-1-Rennen keimt dennoch vor dem Großen Preis von Ungarn am Sonntag (15.10 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Formel 1 sowie bei RTL und Sky) so etwas wie Hoffnung. Wird der Kampf um den Fahrertitel doch noch spannend? Helmut Marko, Sportdirektor von Red Bull, lächelt: „Ich würde es nicht mehr ausschließen.“

          Der Tempowechsel kam in Österreich. In den ersten acht Rennen der Saison war Red Bull hinter Mercedes und Ferrari die dritte Kraft. Der Rennstall mit seiner Fabrik in Milton Keynes konnte nur eine bislang nicht gekannte Zuverlässigkeit für sich verbuchen. Verstappen kam in jedem Rennen ins Ziel, immer auf einem Punkterang. Doch das Tempo reichte nur zu zwei dritten Plätzen in Melbourne und Barcelona. Dem Motor fehlten rund 40 PS im Vergleich zum Mercedes, dem Auto Abtrieb und Balance. Ausgerechnet auf seinem Hoheitsgebiet musste Chefdesigner Adrian Newey Defizite eingestehen. Die Aerodynamikreform hatte ihn eiskalt erwischt. „Es war irrsinnig schwierig, das Auto zu fahren“, sagt Marko. Und es zeigte bei jedem Rennen ein anderes Gesicht. Mal passabel, mal launisch wie eine Diva.

          Ein großer Entwicklungsschritt in Frankreich sollte Besserung bringen, doch ausgerechnet beim achten WM-Lauf fuhr Red Bull weiter hinter der Spitze her als zuvor. Die Ingenieure schoben die Rückfall auf das Streckenlayout, den Asphalt, die Fahrzeugabstimmung und auf das vorsichtige Herantasten von Honda an eine neue Motorversion. Pünktlich zum Heimrennen auf dem Red-Bull-Ring fügten sich alle Puzzlestücke zusammen. Ein neuer Frontflügel gab dem Auto Balance. Damit konnte Red Bull im Rennen die Stärke ausspielen, die das Auto in all den Jahren immer ausgezeichnet hatte. Es schont die Reifen. Ferrari ist am Samstag im Qualifikationstraining auf eine Runde meistens noch einen Tick schneller, doch sonntags fällt der Herausforderer von Mercedes häufig zurück. Je nach Streckentyp bauen die Vorderreifen oder die Hinterreifen zu stark ab. Zudem bremsen zu viele technische Gebrechen den Dienstwagen von Sebastian Vettel.

          In Hockenheim starteten die Ferrari deshalb von Rang zehn und zwanzig. Bull kommt auch im Startplatzrennen voran. Vor einer Woche fehlten Verstappen nur noch wenige Zehntelsekunden auf die erste Pole-Position seiner Formel-1-Karriere. Am Anfang der Saison waren es teils mehr 0,8 Sekunden. „Mit perfekten Runden hätte ich in Silverstone und Hockenheim um die Pole fahren können“, sagt Verstappen. An Titelchancen verschwendet er keinen Gedanken: „Wir profitieren zur Zeit von den Schwächen und Fehlern von Mercedes. Unter normalen Bedingungen ist ihr Vorsprung immer noch zu groß. Wir müssen in allen Bereichen nachlegen, um aufschließen zu können. Positiv ist, dass wir keinen echten Schwachpunkt mehr haben. Jetzt geht es ans Feintuning.“

          Freude über den Sieg in Hockenheim: Max Verstappen (rechts) bei der Siegerehrung

          Marko ist optimistischer: „Solange wir sie unter Druck setzen können, machen sie Fehler.“ Er setzt große Hoffnungen auf Hondas nächste Antwort im Motoren-Wettrüsten: „In Monza kommt der neue Motor, in Sotschi neues Benzin.“ Beides zusammen soll den Antrieb um 25 PS stärken. Damit wäre Mercedes eingeholt. „Wenn die nicht auch wieder nachlegen“, schränkt Teamchef Christian Horner ein.

          Red Bull hat in diesem Jahr eine fast reine Weste. Kein Ausfall für Verstappen, durchweg gute Rennstrategien und dazu noch die schnellsten Boxenstopps. Verstappens fünfter Reifenwechsel in Hockenheim dauerte 1,88 Sekunden. Das ist der schnellste je gemessene Service der Formel 1. Markos Zuversicht, Mercedes mit Verbesserungen der Details unter Druck setzen zu können, hängt auch mit der Leistungsgeschichte des Teams zusammen. Red Bull legt stets in der zweiten Saisonhälfte relativ mehr zu als die Konkurrenz. Bei Mercedes macht sich langsam das Gefühl breit, mehr auf Verstappen als auf Ferrari achten zu müssen. In der Konstrukteurs-WM muss Mercedes nichts befürchten. Red Bull ist ein Einmann-Team, Pierre Gasly kein Kandidat für Siege oder Podiumsplatzierungen. Der Franzose hat 55 Punkte gesammelt, kaum mehr als ein Drittel der Verstappen-Ausbeute. In keinnem anderen Team ist das Kräfteverhältnis so eindeutig.

          Verstappen fährt in der Form seines Lebens, scheint in seiner fünften Saison zu einem potentiellen Weltmeister gereift. Er fährt ruhiger, abgeklärter, disziplinierter. „Seine Risikoabschätzung und sein Reifenmanagement sind besser geworden. Er will nicht mehr jedes Freitagstraining gewinnen und hat kapiert, dass der Freitag ein Vorbereitungstag ist“, sagt Marko. Im Duell steckt Verstappen inzwischen schon mal zurück, wenn ihn der Zweikampf nicht weiterbringt. Alle Teams würden ihn verpflichten wollen, wäre der Niederländer auf dem Markt. In seinem Vertrag gibt es zwar eine Ausstiegsklausel.

          Doch der jüngste Erfolg nimmt ihr die Wirkung. Verstappen müsste nach dem Rennen in Ungarn, in der Sommerpause, schlechter als auf Platz drei in der Fahrer-WM liegen, um frei wählen zu können. Dass ihn Vettel – bei 21 Punkten Vorsprung – am Sonntag überholt, ist unter normalen Umständen nicht wahrscheinlich. Der Heppenheimer müsste gewinnen, Verstappen dürfte nicht über Rang neun hinaus kommen.

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