https://www.faz.net/-gtl-87z9s

Formel-1-Frust im McLaren : Alonso wirft den Handschuh

  • -Aktualisiert am

Die Zeit läuft ihm davon: Fernando Alonso betet für ein Formel-1-Wunder. Bild: dpa

Fernando Alonso wurde zweimal Formel-1-Weltmeister. Doch das ist lange her. Nach seinem Abschied von Ferrari ist es still geworden um den Spanier. Inzwischen macht sich bei Alonso Resignation breit.

          Vor einem Jahr wurde Fernando Alonso noch gefeiert. Als der einzige komplette Fahrer in der Formel 1. Dabei gewann der Spanier im 2014 nicht mal ein Rennen. Aber er fuhr Ferrari. Das garantiert Aufmerksamkeit. Heute läuft der Weltmeister von 2005 und 2006 fast unbemerkt durchs Fahrerlager. Alonso-Statements sind nur noch für spanische Journalisten sonderlich interessant. Er fährt wieder McLaren, aber noch viel weiter hinterher.

          Als der Asturier vor zwei Wochen in Monza sechs Runden vor Schluss zum sechsten Mal in dieser Saison ausfiel, da zeigte er zum ersten Mal eine Gefühlsregung. Er feuerte seine Handschuhe auf die Werkbank. „Ich mache das seit einiger Zeit immer, wenn ich aus dem Auto steige. Es wird nur nicht im Fernsehen gezeigt“, sagte Alonso und lächelte dünn: „Wenn du um Platz 17 kämpfst, fällst du besser in der ersten Runde aus als sechs Runden vor Schluss.“

          Bis dahin hatte der 32-malige GP-Sieger sein Los tapfer ertragen und sich die Welt schöngeredet: „Ich war es leid, bei Ferrari nur um zweite, dritte Plätze zu fahren. McLaren-Honda gibt mir neue Motivation. Es wird ein langer Weg, aber am Ende werden die Siege umso süßer schmecken.“

          Der zweite Versuch mit dem britischen Erfolgsteam nach dem Desaster 2007 soll über drei Jahre zum Erfolg führen. Aber Alonso zeigt schon im ersten Jahr Anzeichen einer Resignation. Bei den Pressekonferenzen überließ er das Sprechen seinem Teamkollegen Jenson Button. Sogar McLaren beginnt, an den eigenen Durchhalteparolen zu zweifeln.

          Das waren noch Zeiten: Im Ferrari war Alonso erfolgreicher als heute im McLaren.

          Motorenpartner Honda liegt nicht nur weit hinter der Konkurrenz. Die Japaner holen in viel zu kleinen Schritten auf. In Spa noch hatte Honda seinen V6-Turbo mit neuen Zylinderköpfen präsentiert. Rennleiter Yasuhisa Arai kündigte ihn mit großen Worten an. Man habe damit das Niveau von Ferrari erreicht und liege 25 PS vor Renault. Arai muss sich jetzt den Vorwurf gefallen lassen, er leide unter Realitätsverlust.

          Selbst die mit Renault-Motoren ausgerüsteten Autos von Red Bull und Toro Rosso waren auf den Motorenstrecken Spa und Monza zu schnell für McLaren. Das Rennen von Monza deckte die Schwäche des Honda-Motors vollends auf. Von den 2,7 Sekunden, die McLaren hinter der Zeit des Pole-Siegers Hamilton lag, gingen 2,4 Sekunden auf den Geraden verloren.

          „Ihr lasst mich aussehen wie einen Amateur“

          Das Problem ist der Elektromotor, der nicht über die gesamte Runde die erlaubten 163 PS beisteuern kann. Das gibt Honda inzwischen zu. Zudem ist der Verschleiß viel zu hoch. Zehn der zwölf Ausfälle fallen in den Verantwortungsbereich von Honda. In den beiden Autos kamen jeweils neun Einheiten des Verbrennungsmotors, des Turboladers, der Elektromaschine MGU-H zum Einsatz, dazu acht MGU-K-Generatoren, sechs Steuergeräte und vier Batterien. Jeweils vier Komponenten sind erlaubt, für Neuling Honda im Rahmen einer Ausnahmeregelung sogar fünf. Bei jedem zweiten Rennen werden Alonso und Button deshalb in der Startaufstellung strafversetzt.

          McLaren dagegen hält seinen Boliden für ein Topmodell: „In den Kurven sind wir so schnell wie die Red Bull. Nur Mercedes hat ein besseres Auto“, behauptet Teamchef Eric Boullier. Trotzdem stichelt Arai: „Auch das Auto hat Defizite.“ Was beim Chassispartner gar nicht gut ankommt.

          34 Jahre ist Alonso inzwischen alt und verliert Runde um Runde seinen Nimbus.

          In Monza erlaubte sich McLaren erste Kritik an Honda. Wenn auch noch versteckt. Eine Presserunde in Monza mit inszenierten Fragen geriet zur „Hinrichtung“ von Honda-Rennleiter Arai. Doch was nützt es, den Sportdirektor auszutauschen? Arai baut keine Motoren. Und den Ingenieuren scheinen die Ideen auszugehen. Ist es unter den Umständen realistisch, Mercedes in den nächsten zwei Jahren zu schlagen?

          „Mercedes wird weiter gewinnen, und alle anderen werden weiter um ein Wunder beten“, sagt Alonso: „Wir hoffen, dass das Wunder aus Japan kommt.“ Das ist nicht wahrscheinlich. Honda hat sich mit seiner Isolierung selbst gebremst. Die Japaner produzieren alles in Japan. „Das geht bei einer derart komplexen Technologie nicht mehr. Du musst dir Leute und Expertise von außen zukaufen, um auf Probleme schneller reagieren zu können. Sonst fängst du bei null an“, kritisiert einer der großen Zulieferer für Motorkomponenten.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Die Unruhe bei McLaren hängt mit dem wirtschaftlichen Druck zusammen. Immer mehr Sponsoren ziehen sich zurück. Seit zwei Jahren hat McLaren, zuletzt gewann der Rennstall Ende 2012, keinen Hauptsponsor mehr. Am Ende der Saison verabschiedet sich ein weiterer Geldgeber. Deshalb müssen die Japaner einen Großteil der Rechnungen zahlen. McLaren hängt am Tropf des Konzerns. Auch Alonso läuft die Zeit davon. Er ist 34 Jahre alt und verliert als Mann des Mittelfeldes Runde um Runde seinen Nimbus.

          Da trösten nicht einmal mehr die 30 Millionen Euro, die er verdienen soll. Immerhin könnte er in Singapur wieder weiter vorne landen. Der Stadtkurs zählt zu den Strecken, auf denen McLaren-Honda aus eigener Kraft in die Punkte fahren kann. Mit einer Demütigung wie in Montreal, als ihn ein Sauber überholte, muss Alonso nicht rechnen. Damals rief er über den Bordfunk: „Ihr lasst mich aussehen wie einen Amateur.“

          Weitere Themen

          Fortuna fit trotz Verletzungen Video-Seite öffnen

          Rheinderby gegen Gladbach : Fortuna fit trotz Verletzungen

          Im Rheinderby treffen die Düsseldorfer am Sonntag auf Borussia Mönchengladbach, die am Donnerstag in der Europa League eine 0:4-Heimniederlage verkraften mussten. Trotz Verletzungspech freut sich Trainer Funkel auf das Spiel.

          Der Formel-1-Streber

          FAZ Plus Artikel: Charles Leclerc : Der Formel-1-Streber

          Charles Leclerc mischt Ferrari und die Formel 1 auf. Erst wunderte sich Sebastian Vettel über seinen neuen Teamkollegen, nun könnte der Monegasse schon bald Max Verstappen überholen.

          Topmeldungen

          Massentourismus vom Wasser kommend: Zwei Kreuzfahrtschiffen liegen im Geirangerfjord.

          Umstrittene Kreuzfahrtschiffe : Norwegen macht die Fjorde langsam dicht

          Es ist ein Geldsegen und ein Öko-Fluch: Seit kurzem gelten in fünf norwegischen Fjorden für Kreuzfahrtschiffe strenge Umweltauflagen, die die Luftverschmutzung begrenzen sollen. Glücklich sind die Menschen in der Urlauberhochburg Geiranger damit nicht.

          Vorwürfe im Vorwahlkampf : Trumps zwielichtiges Telefonat

          Donald Trump soll den ukrainischen Präsidenten aufgefordert haben, Ermittlungen gegen den Sohn seines möglichen Konkurrenten Joe Biden anzuschieben. Ging es auch um die Erpressung mit amerikanischen Finanzhilfen?
          Wer mit Thomas Cook auf Reisen geht, macht womöglich Quartier in der Casa Cook

          Touristik : Thomas Cook bemüht sich um Staatshilfe

          Der älteste Touristikkonzern der Welt kämpft ums Überleben. An diesem Vormittag ist der Verwaltungsrat zusammengekommen, um nach Möglichkeiten zu suchen, die Insolvenz zu vermeiden. Auch Staatshilfen sind im Gespräch.
          Kanzlerin Angela Merkel stellt mit ihrem Klimakabinett die Ergebnisse eines Kompromisses zum Klimapaket vor.

          Klimakabinett : Das deutsche Klima-Experiment

          Deutschland allein kann das Klima nicht retten. Aber andere Länder schauen genau darauf, wie Kanzlerin Merkel versucht, die Emissionen zu senken. Kann Deutschland Vorbild sein oder muss es über den Ärmelkanal schauen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.