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Formel-1-Pilot Albon : Aufstieg ins A-Team

Schnell unterwegs: Alex Albon tauscht das Cockpit. Bild: EPA

Toro-Rosso-Pilot Alex Albon bekommt bei Red Bull eine Probefahrt über neun Rennen. Mit einem klaren Auftrag: Punkte liefern.

          2 Min.

          Als Max Verstappen im Frühjahr 2016 befördert wurde, aus dem Ausbildungsbetrieb Toro Rosso in den Mutterrennstall Red Bull, war er 19 Jahre alt, hatte aber schon 23 Formel-1-Rennen hinter sich. Das geht auch schneller. Alex Albon ist zwar schon 23 Jahre alt, aber wenn er am Sonntag auf dem Circuit de Spa-Francorchamps zum ersten Mal für Red Bull startet, wird es sein 13. Formel-1-Rennen sein. Ein Dutzend Grand Prix bei Toro Rosso und 16 eingefahrene WM-Punkte haben gereicht, um aus dem Sohn eines englischen Rennfahrers und einer thailändischen Mutter einen Red-Bull-Piloten zu machen.

          Ein Aufstieg mit erstaunlicher Beschleunigung: plötzlich Fachkraft jenes Teams, das Mercedes schlagen konnte in dieser Saison, als einziges. In Spielberg im Juni und in Hockenheim im Juli. Ein Aufstieg mit klarem Auftrag: einem, der sich durch die Erfolge und durch deren Kehrseite definiert, durch das Missverhältnis von Licht und Schatten, das die Formel-1-Saison 2019 bei Red Bull charakterisiert.

          Reset für Gasly

          Denn während Max Verstappen in der Steiermark und in Baden die Konkurrenz hinter sich ließ, mühte sich sein bisheriger Teamkollege Pierre Gasly zu Platz sieben in Österreich. In Hockenheim kollidierte der Franzose mit Albon. Eine Woche später wurde er von Verstappen überrundet. Bei Red Bull hatten Teamchef Christian Horner und Motorsportdirektor Helmut Marko genug gesehen. Schon nach dem Rennen in Österreich hatte Horner davon gesprochen, dass Gasly ein „Reset“ brauche, da war es noch als Aufforderung gemeint.

          In der Sommerpause kam das Reset in Form eines Anrufs von Marko auf Gaslys Telefon: Strafversetzung zurück auf die rollende Auswechselbank bei Toro Rosso. Schon war Albon aufgestiegen, ins A-Team. Sein Auftrag: Punkte liefern. Damit Red Bull nicht länger als Ein-Mann-Show, Titel „Der phänomenale Max“ durch die Saison zieht und am Ende in der Konstrukteurswertung doch von einer Scuderia Ferrari geschlagen wird, deren Leistungsstand vor Beginn der Ferien Sebastian Vettel noch nach deren Ende in Belgien ernüchternd beschreibt: „Wir sind in Ungarn Vollgas gefahren und hatten eine Minute Rückstand auf Verstappen und Hamilton, das tut weh.“

          Bewährungschance bei Red Bull: Alex Albon ist bereit.

          Ende der Sommerpause. „Auf einer Skala von eins bis zehn, wie aufregend ist das hier für Dich?“, wird Albon am Donnerstag in Spa gefragt. Antwort: „Ich würde sagen, Aufregung ist Zehn, aber die Zahl für Nervosität ist auch recht hoch.“ Es ist noch kein Jahr her, da unterschrieb Albon einen Vertrag bei Nissan, als Fahrer in der Formel E. Es schien, als habe er, trotz vier Siegen in der Formel 2 2018, keine Aussicht auf ein Formel-1-Cockpit. 49 Wochen später soll er sich mit Max Verstappen messen, im besten Fall auch um Siege fahren. „In meiner Karriere lief es nie sehr flüssig, würde ich sagen. Es ging hoch und runter für mich, schon 2012.“

          Da hatte ihn Marko aus Red Bulls Nachwuchsprogramm gestrichen. Im Herbst 2018 rief Marko an, um ihm die Gelegenheit bei Toro Rosso zu unterbreiten. Und nun befördert er ihn. „Es gibt eine Menge Fahrer, die großartige Leistungen gebracht haben in der Formel 1, die nie eine Gelegenheit bekamen, in einem Siegerauto zu sitzen, in einem Rennstall, der Titel gewonnen hat. Es ist eine Chance für mich, das ist mir echt klar.“

          Eine Chance mit begrenzter Haltbarkeit, das haben Horner und Marko beim Fahrerwechsel klar gemacht: Albon kriegt eine Probefahrt über neun Rennen. In der kommenden Saison werden die Regularien kaum verändert, die derzeitigen Kräfteverhältnisse versprechen Red Bull gute Aussichten. Aber ohne zweiten Fahrer, der dem Team Punkte liefert, bleibt das Unternehmen auf einer entscheidenden Position unterqualifiziert im Vergleich zur Konkurrenz.

          Albon steht sofort unter Druck. Verstappen, gefragt, ob Albon ihm das Leben schwerer machen könnte, empfing ihn in Spa mit der Aussage, er schätze Albon sehr – wie Gasly. Zum Start in Spa bekommt der Neue sogar einen Extraschub: die neueste Ausbaustufe des Honda-Motors. Verstappen bekommt die erst eine Woche später in Monza. Doch auch diese Vorzugsbehandlung hat ihre Schattenseite. Albon wird in der Startaufstellung strafversetzt werden. Verstappen wird das in Monza zwar auch widerfahren. Aber dort, so kalkulieren sie bei Red Bull, ist das Überholen einfacher.

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