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Formel 1 : Noch ziert sich Schumacher beim teuersten Autogramm-Wunsch

  • -Aktualisiert am

Begehrt bei Autogramm-Jägern in aller Welt: Michael Schumacher Bild: dpa/dpaweb

„Machen wir gleich!“ rief Michael Schumacher dem Autogrammjäger zu. Doch wenn es so einfach wäre. Selbst Ferrari würde sich glücklich schätzen, die Signatur des Chefpiloten zu ergattern - unter eine Vertragsverlängerung.

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          "Machen wir gleich!" rief Michael Schumacher dem Autogrammjäger zu. Wenn das so leicht wäre, eine Unterschrift des umlagerten, gejagten, siebenmaligen Formel-1-Weltmeisters zu ergattern. Selbst Ferrari würde sich - nach dem Stand der Dinge - glücklich schätzen. Denn eigentlich fehlt im Zukunftsplan der Scuderia nur noch eines: die Signatur des Chefpiloten unter eine Vertragsverlängerung.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Ein Vollzug ist mehrfach gemeldet worden. Kürzlich erst wieder. Aber der erste, der es doch wissen müßte, dementiert: "Es gibt nichts Neues", sagt Schumacher. Das mag im Fall der Unterschriftenaktion zutreffen. Aber etwas wesentlich Neues gibt es doch. Seit dem vergangenen Sonntag wissen Ferrari, Schumacher und die Formel-1-Welt, daß der ehrgeizige Rennstall frischen Schwung im Winter getankt hat und auch im Ernstfall eines Grand-Prix-Rennens wieder mithalten kann.

          Keine Reifenprobleme trotz Hitze

          Mit dem zweiten Platz, eine Sekunde hinter Weltmeister Fernando Alonso im Renault, erfüllte die Scuderia ein wesentliches Kriterium des Rheinländers: "Das Auto muß siegfähig sein." Es ist siegfähig. Und glaubt man dem erstbesten Chauffeur, dann wird es den Drive aus der Wüste des frühsommerlichen Bahrein mitnehmen in die schwüle Hitze Malaysias. Obwohl Schumachers Teamkollege Felipe Massa wegen eines prophylaktischen Motorwechsels nun nach dem Zeittraining am Samstag um zehn Startplätze zurückversetzt wird, ist der siebenmalige Champion recht optimistisch. "Auch mit den Reifen sollten wir in der Hitze keine Probleme haben."

          Wie der Mensch, so die Maschine? Schumacher, der als Allwetter-Fußballspieler nicht mal einen Kick bei 38 Grad Celsius und etwa 60 Prozent Luftfeuchtigkeit scheut, setzt auf die Alltagstauglichkeit seines Renners. "Es mag je nach Streckencharakter Schwankungen geben. Und weil vier, fünf Teams (Renault, Ferrari, Honda, McLaren-Mercedes und Williams-Cosworth) eng beieinanderliegen, kann es große Unterschiede in der Plazierung geben", erklärt er vor dem Großen Preis von Malaysia am Sonntag in Sepang. "Aber wir waren nicht nur im Qualifying stark, sondern über die gesamte Distanz. Ich sehe keinen Grund, warum das nicht weiterhin der Fall sein sollte."

          Den richtigen zeitpunkt selbst suchen

          Dann könnte er doch die Vertragsverlängerung im Sinne seines Teams vorziehen. "Da lasse ich euch", antwortete Schumacher fragenden Journalisten am Donnerstag an der Rennstrecke von Sepang, "noch etwas zappeln. (...) Ist es nicht legitim, wenn man die Möglichkeit hat, sich den richtigen Zeitpunkt für seine Entscheidung auszusuchen?"

          Schumacher kreist noch über seinem Lieblingsziel. Denn für den richtigen Renner braucht man auch die rechten Ingenieure. "Es geht im Moment weniger darum, wer geht oder ausgetauscht wird, sondern, wer neu hinzukommt, wer uns verstärkt. Und daß sich wirklich ändert, was wir als Mangel erkannt haben", sagte der Ferrari-Star im vergangenen Dezember dem "Spiegel": "Wenn wir den Fortschritt wollen, brauchen wir zusätzliche Leute. (...) Ich will wissen: Wo geht die Reise hin?"

          Ein alter Bekannter als Chefdesigner

          Bislang in die richtige Richtung: Ferraris Saisonanalyse 2005 hat nicht nur die vielzitierte Reifenschwäche erkannt, sondern auch Nachholbedarf im Fachgebiet Windschlüpfigkeit registriert. "Ganz klar, die Aerodynamik ist besser, das Zusammenspiel mit der Mechanik", sagt Schumacher über seinen Neuwagen. Die Fachgruppe war aufgestockt worden. Seit dem 1. März arbeitet zudem der Grieche Nicholas Tombazis wieder in Maranello als Chefdesigner. Es ist ein alter Bekannter, der den Weg zurück von McLaren nach Italien fand. "Ein fähiger Mann", wie McLarens Geschäftsführer Martin Whitmarsh urteilt, und ein, wie es heißt, glänzender Aerodynamiker.

          Tombazis ist Teil der Ferrari-Zukunft, die Rennleiter Jean Todt seit etwa eineinhalb Jahren programmiert. Ihm ist es auch gelungen, den Vater aller Schumacher-Ferraris, Rory Byrne, von der Gefahr eines abrupten Übergangs in den Ruhestand zu überzeugen. Den Südafrikaner packt der Reiz der Rennwagenkonstruktion noch mit 61 Jahren so leidenschaftlich, daß er als enger Berater der Scuderia sogar bis 2009 an Bord bleibt. Damit verläuft der Übergang aller Verantwortung für den Boliden an seinen Ziehsohn, den Mittvierziger Aldo Costa, so reibungslos wie nötig. Es scheint, als gelänge es dem Franzosen Todt, wieder einmal die Kurve zu bekommen. An den Finanzen soll das Comeback-Unternehmen nicht scheitern: "Wir werden bis 2012 mehr Geld pro Jahr zur Verfügung haben als in der vergangenen Saison", sagte Todt im Dezember dieser Zeitung.

          Locksumme 100 Millionen Dollar

          Der Wechsel Ferraris von der Hersteller-Front gegen Formel-1-Manager Bernie Ecclestone in das Lager des Zampanos soll nicht zum Schaden der Scuderia gewesen sein. Man spricht von einer Locksumme in Höhe von 100 Millionen Dollar. Zudem wirkte Ferrari bei den Entwürfen des Internationalen Automobil-Verbandes für das technische Reglement ab 2008 mit. Von dieser Saison an wird die Aerodynamik stark beschnitten und damit an Bedeutung für die Rundenzeit verlieren. Diese Reduzierung kommt jenen Teams entgegen, die keinen großen, hochmodernen Windtunnel besitzen: zum Beispiel Ferrari.

          Ob man mit 37 Jahren, wenn das Ende der Karriere näher ist als der Anfang, noch so weit denkt? Schumacher hat vorerst den kurzfristigen Entwicklungsprozeß im Auge. Die bejubelte Leistungsdichte der Szene stellt die Entwicklungsgeschwindigkeit eines Teams zwischen den Rennen auf die Probe. Sie wird die Rennställe an ihre Grenzen treiben, wahrscheinlich mehr Pannen provozieren als im vergangenen Jahr. Falls Ferrari nach dem großen Sprung im Winter auch noch im Frühsommer Schritt hält, dann wird sich Schumacher, der auch den gefährlich schnellen Kimi Räikkönen als Teamkollegen akzeptierte, dem teuersten Autogramm-Wunsch nicht mehr entziehen: "Machen wir gleich."

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