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Formel 1 in Brasilien : Fehlerloser Rosberg siegt vor Hamilton

Gebremster Jubel: Auch Nico Rosberg stand unter dem Eindruck der Ereignisse von Paris. Bild: AFP

Auch das Formel-1-Rennen steht unter dem Eindruck des Terror von Paris. Nico Rosberg gewinnt in Brasilien wieder vor Lewis Hamilton. Damit sichert sich der Deutsche Platz zwei in der WM-Wertung.

          3 Min.

          Der Weltmeister schafft es nicht. Lewis Hamilton, dreimaliger Champion der Formel 1, hat seinen Rivalen im Mercedes-Rennstall, Nico Rosberg, deutlich dominiert über drei Viertel der laufenden Saison – den Großen Preis von Brasilien aber hat der Engländer auch dieses Jahr nicht gewonnen. Wie 2014 siegte Rosberg am Sonntag in São Paulo, mit einer fehlerfreien Fahrt. Im Ziel lag er 7,7 Sekunden vor Hamilton.

          Der Erfolg sichert Rosberg schon vor dem letzten Rennen der Saison in zwei Wochen in Abu Dhabi Platz zwei in der WM-Wertung. Ferrari-Pilot Sebastian Vettel, der in Brasilien ohne Chance gegen die Mercedes-Piloten Dritter wurde, kann ihn nicht mehr verdrängen. Nico Hülkenberg wurde Sechster im Force India. Mercedes-Sportchef Toto Wolff war angetan vom Auftritt seines Deutschen Piloten in Brasilien:  „Nico hat völlig verdient gewonnen“, sagte er nach dem Rennen. Das ganze Wochenende war souverän, er hat sich nie eine Blöße gegeben.“

          Vor dem Start hatten Fahrer, Zuschauer, Vermarkter Bernie Ecclestone und der Präsident des Internationalen Automobilverbandes mit einer Schweigeminute den Opfern gedacht – allerdings hatte es Todt, UN-Sonderbotschafter für Straßensicherheit, geschafft, einigen Zorn auf sich zu ziehen, in dem er am Samstagabend eine Pressemitteilung hatte verbreiten lassen, in der explizit erwähnt wurde, das Gedenken gelte Verkehrstoten in aller Welt, den Terroropfern von Paris werde während der Fahrerparade gedacht.

          Der französische Pilot Romain Grosjean erschien mit einer Tricolore zu Schweigeminute. Ins ausgestrahlte Fernsehbild war zudem eine französische Flagge mit Trauerflor und dem Datum 13.11.2015 eingeblendet.

          Nico Rosberg (vorne) ließ Teamkollege Lewis Hamilton in Brasilien keine Chance.
          Nico Rosberg (vorne) ließ Teamkollege Lewis Hamilton in Brasilien keine Chance. : Bild: Reuters

          Rosberg gelang ein guter Start, er verteidigte seine Position, in dem er in der Bergauf-Passage zur ersten Kurve Hamiltons Weg kreuzte. Beim vorletzten Rennen in Austin, Texas, als Hamilton seinen dritten Titel errang, war ihm das nicht gelungen; Rosberg warf Hamilton anschließend eine zu harte Fahrweise vor. Vor vierzehn Tagen in Mexiko-Stadt, als Rosberg siegte, hatte sich Hamilton während des Rennens mokiert, dass er nicht mit einer anderen Boxenstopp-Strategie versuchen dürfe, am Deutschen vorbei zu ziehen.

          In Brasilien nun, gefragt, in wie weit er in einen Firmenauftrag eingebunden sei, Rosberg Platz zwei in der WM zu sichern, hatte Hamilton vor dem Rennen gesagt: „We’re racing as far as I’m concerned.“ Heißt: Wir fahren Autorennen – und zwar gegeneinander. Was zu zeigen war.

          Nur kurz nach dem Start wurde es zwischen den beiden Mercedes-Piloten eng.
          Nur kurz nach dem Start wurde es zwischen den beiden Mercedes-Piloten eng. : Bild: AP

          Einstweilen blieb Rosberg im Autodromo Jose Carlos Pace cool. Nach fünf Runden hatte er sich erstmals mehr als eine Sekunde von Hamilton abgesetzt. Nach 13 Runden wurde Rosberg erstmals zum Reifenwechsel in die Box gerufen, sein Stopp dauerte 4,4 Sekunden, vergleichsweise lang. Prompt war Hamilton, nach dem er eine Runde später in 3,6 Sekunden abgefertigt wurde, wieder auf 0,9 Sekunden heran gekommen.

          Weiter ging es mit der Hatz durch die Hügellandschaft von Interlagos; Hamilton machte Druck, Rosberg versuchte, davonzukommen. Dem Champion ging es nicht schnell genug: Auf dem Kurs sei es unmöglich zu überholen, teilte Hamilton dem Team mit, zudem verschleiße er gerade seine Pneus. Kurzum: Er bitte um eine andere Strategie – Rosberg sollte das, siehe Mexiko, spanisch vorkommen in der größten portugiesischsprachigen Stadt der Erde. Hamilton bekam zur Antwort, er könne versuchen, seine Reifen länger zu schonen. Der Engländer ließ sich etwas zurückfallen – oder, so hieß es für Rosberg, er „konnte die Geschwindigkeit nicht halten“.

          Auch das Formel-1-Rennen stand unter dem Eindruck der Anschläge von Paris.
          Auch das Formel-1-Rennen stand unter dem Eindruck der Anschläge von Paris. : Bild: Reuters

          Als der Deutsche etwa zur Hälfte des Rennens ein zweites Mal an Box kam und Hamilton mit dem Funkzuruf „It’s hammer time“ zur Akkordschicht aufgefordert wurde, zerstob der Plan des Rivalen so schnell, wie er erdacht worden war. Hamilton steckte im Verkehr fest, nicht ungewöhnlich für São Paulo, nicht einmal auf der Rennstrecke. Sie ist mit 4,3 Kilometern vergleichsweise kurz. „Box, box, box“ hieß es nur Sekunden später für den Weltmeister.

          Es war die Entscheidung. Zwar versuchte Hamilton auch nach einem weiteren Stopp noch einmal Rosberg in einen Fehler zu treiben – ohne Erfolg, im Gegenteil: Hamilton fuhr zwar die schnellste Runde, verbremste sich aber nicht nur einmal.

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          Nach dem Rennen interpretierte Hamilton seine Leistung dennoch anders: Während die brasilianische Fans, die auf die Start-Ziel-Gerade geströmt waren,  ihr 1994 in Imola tödlich hymnisch ihr verunglücktes Idol Ayrton Senna besangen, erinnerte Hamilton im Interview auf dem Siegerpodest mit dem früheren Formel-1-Piloten Martin Brundle noch einmal an seine Idee eines Strategiewechsels: „So ist es doch von Anfang an vorbestimmt. Ich war schneller als Nico, komme aber nicht vorbei. Ich bin dafür, etwas auszuprobieren. Dann ist es ein Autorennen.“

          Tatsächlich aber war Rosberg der Bessere in São Paulo, also stand er oben auf dem Podium, zu seiner Rechten Hamilton – und die französische Flagge mit schwarzer Schleife. „Großartig“, sei der Sieg, sagte Rosberg. „Aber es ist alles relativ angesichts dessen, was in Paris passiert ist.“

          Grand Prix von Brasilien (71 Runden à 4,309 km/305,939 km):

          1. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes 1:31:09,090 Std. (Schnitt: 201,363 km/h);
          2. Lewis Hamilton (England) Mercedes + 0:07,700 Min.;
          3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Ferrari + 0:14,200;
          4. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 0:47,500;
          5. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 1 Runde;
          6. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 1 Runde;
          7. Daniil Kwjat (Russland) Red Bull + 1 Runde;
          8. Romain Grosjean (Frankreich) Lotus + 1 Runde;
          9. Max Verstappen (Niederlande) Toro Rosso + 1 Runde;
          10. Pastor Maldonado (Venezuela) Lotus + 1 Runde;
          11. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull + 1 Runde;
          12. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1 Runde;
          13. Felipe Nasr (Brasilien) Sauber + 1 Runde;
          14. Jenson Button (England) McLaren Honda + 1 Runde;
          15. Fernando Alonso (Spanien) McLaren Honda + 1 Runde;
          16. Marcus Ericsson (Schweden) Sauber + 2 Runden;
          17. Will Stevens (England) Manor + 4 Runden;
          18. Alexander Rossi (USA) Manor + 4 Runden

          Ausfälle: Carlos Sainz jr. (Spanien) Toro Rosso (1. Runde)
          Disqualifiziert: Felipe Massa (Brasilien) Williams/wg. zu heißer Reifen am Start

          Schnellste Rennrunde: Lewis Hamilton (Mercedes) 1:14,832 Min.
          Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:11,282 Min.

          Fahrer-Wertung nach 18 von 19 Rennen:

          1. Lewis Hamilton 363
          2. Nico Rosberg 297
          3. Sebastian Vettel 266

          4. Valtteri Bottas 136
          5. Kimi Räikkönen 135
          6. Felipe Massa 121
          7. Daniil Kwjat 94
          8. Daniel Ricciardo 84
          9. Sergio Perez 68
          10. Nico Hülkenberg 52
          11. Max Verstappen 48
          12. Romain Grosjean 47
          13. Felipe Nasr 27
          14. Pastor Maldonado 26
          15. Carlos Sainz jr. 18
          16. Jenson Button 16
          17. Fernando Alonso 11
          18. Marcus Ericsson 9

          Team-Wertung nach 18 von 19 Rennen:

          1. Mercedes 660
          2. Ferrari 401
          3. Williams 257
          4. Red Bull 178
          5. Force India 120
          6. Lotus  73
          7. Toro Rosso 66
          8. Sauber 36
          9. McLaren Honda 27

          Nächstes Rennen: GP Abu Dhabi am  29. November in Abu Dhabi

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