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Nico Rosberg : Die Hoffnung der Formel 1

Wohin führt der Weg in der neuen Formel-1-Saison? Nico Rosberg (links) und Lewis Hamilton. Bild: dpa

Das ganze Wohl und Wehe der Formel 1 wird nun auf Nico Rosberg projiziert. Falls Lewis Hamilton ihm wieder davonsaust, droht dem Deutschen eine gefährliche Abstemplung.

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          Nico Rosberg hat Farbe bekommen. „Keine Ahnung, woher ich das habe, es muss meine Energie sein.“ Er lacht, er sprüht vor Freude. Nicht mehr lange, dann beginnt die Formel-1-Saison (Rennen am Sonntag ab 6.00 Uhr MEZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET). Der Winter war lang, voller Mühen. Gleich im November, nach dem letzten Grand-Prix der Saison 2015, ist er weiter gefahren, in Gedanken, getragen von dem Schwung der letzten Rennen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sechs Pole Positionen in Serie, drei Siege, den Weltmeister dominiert, seinen Teamkollegen, Lewis Hamilton. Weil der lebenslustige Engländer zu diesem Zeitpunkt schon zum dritten Mal Weltmeister war? Rosbergs Augen blitzen. „Beim Grand Prix in Japan fing es an mit meiner Pole-Serie, da war er noch nicht Weltmeister: Ich kenne Lewis.“ Kleine Pause. „Der schenkt mir doch nichts, keine Rennen, nirgendwo, zu keinem Zeitpunkt!“

          Hamilton kämpft um jeden Zentimeter auf der Piste. Und deshalb steht Rosberg vor der Premiere 2016 in Melbourne mit seiner Hoffnung nicht allein. Denn was, wenn Mercedes wieder so stark ist wie im vergangenen Jahr, als die Mercedes-Crew 16 von 19 Grand Prix gewann? Milliarden Menschen aus aller Welt, so schätzen Formel-1-Protagonisten gerne die Reichweite ein, sahen eine Werksmeisterschaft im doppelten Sinne, mit Hamilton als Solisten, souverän, ungefährdet, über allem kreisend.

          Trotz der Bevölkerungsexplosion aber schrumpft die Formel-1-Gemeinde. Aber Rosberg könnte der Silberstreif am Horizont werden. Er rückt in eine zentrale Position. Von sich selbst gedrängt, von Ferrari und von Bernie Ecclestone, der Symbolfigur für die klassische Vermarktung. Im identischen Auto hat keiner so große Chancen wie Rosberg, Hamilton vom vierten Titel fernzuhalten und der Formel 1 zu bescheren, was sie dringend braucht: Abwechslung, Spannung, Überraschung.

          Bernie Ecclestone würde das gefallen

          Am vergangenen Freitag wollte der in Monaco aufgewachsene Deutsche die Rolle des „Retters“ nicht annehmen. „Was sollte Ferrari für ein Interesse daran haben, dass ich davon fahre?“ Rosberg lacht. Er hat schon einen halben PR-Tag mit letzten Einschätzungen vor der Abreise nach Melbourne hinter sich: ein Auftritt in den „Heiligen Hallen“ von Mercedes in Fellbach bei Stuttgart. Für einen gesegneten Ort ist das Industriegebäude zu schlicht. Aber Motorsportfans mögen beim Eintritt in Ehrfurcht erstarren.

          Ein Porträt nach dem anderen hängt auf Sichthöhe an den Wänden, auf geschätzten 150 Metern - pro Hallenseite. Berühmte, Bekannte und tödlich Verunglückte, alle Rennfahrer und Pilotinnen im Zeichen des Sterns. Von Christian Lautenschläger (Frankreich-Sieger 1908) bis zu Michael Schumacher. Unter ihren Konterfeis stehen Boliden aufgereiht aus 100 Jahren Rennsportgeschichte des Unternehmens. Eine Siegertypen-Ausstellung. Rosberg fühlt sich wohl. Vorerst begleiten ihn die guten (eigennützigen) Wünsche aus allen Ecken des Fahrerlagers.

          Die Testfahrten sind vorbei, nun beginnt für Rosberg der Ernst der Rennen.

          Seit Ende der Testfahrten in Barcelona am 4. März glaubt Mercedes zwar eine Bedrohung zu spüren. Sportchef Torger „Toto“ Wolff spricht von Ferrari als einem „sehr starken“ Gegner. Hamilton glaubt an einen „enormen Sprung“ der Scuderia. Rosberg sieht eine rote Gefahr. Aber außerhalb der „Heiligen Hallen“, in der übrigen Formel-1-Welt, spült eher der Wunsch nach Veränderung Ferrari in eine Favoritenposition. Gestützt von der Erkenntnis, die Italiener würden erst in Melbourne den letzten Stand ihres Rennwagens präsentieren.

          Aber auch das Weltmeisterteam mit Stammsitz im Schwäbischen verzichtete bei den Versuchsfahrten selbstbewusst auf Sprinttests und den Einsatz der weichsten Reifenmischung. Wenn Ferrari also noch etwas Zeit brauchte für den Generalangriff, dann diente ein exzellenter Rosberg dem Konkurrenten Vettel als Überlebenshilfe. Weil sich zwei gleich starke Fahrer im Silberpfeil gegenseitig die Punkte nähmen. „Ach nein, denen wäre es am liebsten, wir würden uns von der Piste hauen“, wirft Rosberg ein. Bernie Ecclestone schnalzt mit der Zunge, wenn er an ein Silberknäuel auf der Piste denkt. Das gäbe der Show, was selbst die Hauptbeteiligten vermissen: Ein Spektakel „full Speed“.

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