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Formel 1 : Nick Heidfeld greift wieder ein

  • -Aktualisiert am

Wieder Angriffslust im Blick: Nick Heidfeld kehrt in die Formel 1 zurück Bild: dpa-Bildfunk

Untätiger Testfahrer von Mercedes, Reifenflüsterer bei Pirelli - das ist vorbei. Schneller als erhofft kehrt Nick Heidfeld in eines der begehrten Cockpits zurück. Der Formel-1-Pilot steigt in Singapur nach F.A.Z.-Informationen in einen Sauber.

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          Schon wieder hat sich die Formel 1 überholt. Eben noch wähnte man Nick Heidfeld als Testfahrer von Mercedes ohne Testchance auf dem Abstellgleis. Dann wechselte der Rheinländer vor wenigen Wochen als Versuchspilot zum neuen Reifenausrüster Pirelli. Ein Job mit Perspektive: Heidfeld versprach sich von dem Rückzug in den Toyota von 2009 samt nagelneuen Pneus eine Beförderung zurück in eines der begehrten Cockpits. Würde die Formel 1 den Mann mit den meisten Erfahrungen beim Umgang mit den neuen Gummis für 2011 verschmähen? Die Antwort hat er schon bekommen. Schneller als er es erhofft hatte. Heidfeld soll schon beim nächsten Großen Preis in Singapur wieder am Lenkrad drehen. Im Boliden von Sauber. Das meldete das Schweizer Boulevardblatt „Blick“. Teamchef Peter Sauber wollte sich zu „den Fahrern“ nach Angaben seines Sprechers am Montag zwar „nicht äußern“. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung aber ist Heidfelds kurzfristiges Glück perfekt. Der Mönchengladbacher soll vorerst bis zum Ende der Saison den beurlaubten Pedro de la Rosa ersetzen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Man kennt sich. Heidfeld ist schon zweimal in seiner nun zehnjährigen Karriere für Sauber gefahren. Zuerst zwischen 2000 und 2003 und schließlich als Stammpilot von BMW-Sauber ab 2006 bis zum Ausstieg des Konzerns zum Ende des vergangenen Jahres. Das Fazit der gemeinsamen Arbeit: kein Sieg, aber solide Ergebnisse. Heidfeld gilt als technisch versierter Pilot, der es versteht, ein Auto auch unter schwierigen Bedingungen stets sicher ins Ziel zu bringen. Im Qualifikationstraining musste er zwar gegen verschiedene Teamkollegen immer wieder Niederlagen hinnehmen. Im Schnitt aber ließ er sich auch von seinen hochgelobten Nebenleuten nicht abhängen. Weder von dem späteren Weltmeister Kimi Räikkönen, noch von Felipe Massa, Heinz-Harald Frentzen, Mark Webber, dem WM-Favoriten 2010, Jacques Villeneuve oder Robert Kubica, den er im vergangenen Jahr, nach einer Niederlage 2008, im Griff hatte. Trotzdem bekam der inzwischen 33 Jahre alte Rheinländer nie das Vertrauen der großen Teams. Und deshalb nie die Chance, in einem Siegerauto Championqualitäten zu beweisen.

          Der Reifenflüsterer könnte einige Millionen Dollar wert sein

          Das wird ihm auch im Sauber nicht möglich sein. Das Modell 2010, noch unter Leitung von BMW gebaut, aber inzwischen von einem Ferrarimotor angetrieben, ist bestenfalls von mittlerer Klasse. Kamui Kobayashi belegte in Silverstone immerhin Rang sechs. Pedro de la Rosa, 39 Jahre alt, konnte mit dem Tempo des 15 Jahre jüngeren Japaners zumindest in den Grand Prix nicht mithalten. 21 Punkte gewann Kobayashi bislang, nur sechs de la Rosa. Seit dem Frühsommer kursierten immer wieder Gerüchte, der Katalane werde abgelöst. Wahrscheinlich spielte dabei nicht nur die kolportierte Unzufriedenheit Saubers mit seinen Fahrleistungen eine Rolle. Sauber braucht Geld. Er ist um eine solide Finanzierung seines neuen, alten Teams bemüht. Die Verpflichtung Heidfelds könnte einige Millionen Dollar wert sein, wenn es gelänge, in den letzten fünf Rennen der Saison noch Williams in der Konstrukteurswertung von Platz sieben zu verdrängen.

          Was gut ist, kommt wieder: Nick Heidfeld bringt wertvolles Reifenwissen mit zu seinem alten und neuen Rennstall

          Am Lenkrad des Sauber hat Heidfeld die besten Aussichten, seinen Marktwert noch einmal zu steigern. Angeblich haben sich schon andere Teams bei dem zweitältesten Deutschen nach Michael Schumacher gemeldet. Weil sie wohl auch hoffen, mit diesem Piloten im nächsten Jahr Extrawissen über die Pirelli-Rollen zu gewinnen. So ein Reifenflüsterer könnte Gold wert sein, wenn es im nächsten Jahr darum geht, die Arbeitsweise der nagelneuen Gummis zu verstehen und das Auto entsprechend abzustimmen. Ein komplexes Thema, das der halben Formel 1 selbst mit dem erfahrenen, zum Saisonende scheidenden Hersteller Bridgestone in dieser Saison lange Rätsel aufgab. Eine Lösungshilfe via Heidfeld aber wird vielleicht bald überholt sein. Es sei denn, seine Pirelli-Tests in dieser Woche werden nicht die letzten sein.

          Die Augen blitzen wieder

          Heidfeld, inzwischen Vater dreier Kinder, ist klug genug, die Verschwiegenheitsklausel in der Vereinbarung mit Pirelli zu befolgen. Über die neuen Reifen hörte man von ihm nach den ersten Fahrversuchen kaum mehr als dies: Sie sind schwarz und rund. Und so ließ er sich auch am Samstagabend in Monza nichts anmerken von seinem bevorstehenden Wiedereinstieg bei Sauber, einer Art Rückkehr in die Zukunft. Fröhlich berichtete Heidfeld – im Motorhome von McLaren – vom Nebeneffekt seiner Forschungstouren nach zehn Monaten Pause: „Ich war sofort wieder drin. Ich glaube, ich bin zuletzt mehr gefahren als mancher Stammpilot. Es waren jeweils zwei, drei Renndistanzen pro Testtag.“ Heidfeld lächelte. Verflogen war der perspektivlose Blick, mit dem er zu Saisonbeginn als unbeschäftigter Testfahrer von Mercedes durch die Fahrerlager dieser Welt schlenderte. Am Samstag blitzten seine Augen. Unter den Ärmeln seines T-Shirts wölbten sich die Muskeln der Oberarme. Er will es wieder packen.

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