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Formel 1 : Neben der Ideallinie

Sieger und Besiegter: Sebastian Vettel muss sich Fernando Alonso geschlagen geben - und später auch den Rennkommissaren Bild: dpa

Von Alonso abgehängt, von den Rennkommissaren bestraft: Sebastian Vettel erlebt einen verdrießlichen Heim-Grand-Prix am Hockenheimring. Auch Michael Schumacher kann nicht mithalten.

          3 Min.

          Es sollte eine Art von Schadensbegrenzung sein, und dadurch wurde alles nur noch schlimmer. Die vorletzte Runde des Großen Preises von Deutschland: An der Spitze zieht Fernando Alonso (Ferrari) einsam seine Kreise, dahinter kämpfen Jenson Button (McLaren) und Sebastian Vettel (Red Bull) um den zweiten Platz.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Am Ende der langen Geraden rasen beide mit mehr als Tempo 300 beinahe im Parallelflug auf die Spitzkehre zu, der Deutsche sieht noch einmal seine Chance und zieht in der Kurve vorbei. Jubel bei den rund 60.000 Zuschauern auf den Tribünen des Motodroms von Hockenheim. Während der Siegerehrung lässt sich Vettel noch feiern, doch knapp zwei Stunden nach dem Grand Prix folgt die Enttäuschung.

          Die Rennkommissare belegen ihn mit einer Zeitstrafe von zwanzig Sekunden, weil der Fünfundzwanzigjährige bei seinem Manöver kurz die Strecke verlassen hatte. Vettel wird zurückgestuft auf Platz fünf und verliert damit in der Gesamtwertung den Kontakt zu Spitzenreiter Alonso. Der Spanier (154 Punkte) hat zur Halbzeit dieser Formel-1-Saison nun schon einen recht komfortablen Vorsprung auf seine Verfolger im Red Bull: Mark Webber (120) und Sebastian Vettel (110). „Bis jetzt läuft diese Saison für uns perfekt“, sagt der Spanier. „Aber wir müssen weiter konzentriert bleiben.“

          Frontmann: Fernando Alonso dominiert zur Saisonhälfte Bilderstrecke

          Der Renntag von Vettel hatte schon mit einem Vorspiel begonnen, das ihm nicht gefallen konnte, das jedoch zunächst ohne Folgen blieb. Anders das Nachspiel. Dabei war sich der Fünfundzwanzigjährige noch während der Interviews unmittelbar nach dem Rennen keiner Schuld bewusst: „Ich wusste nicht, ob Jenson noch innen ist, deshalb habe ich mich dazu entschieden, die Strecke zu verlassen.“ Safety first also? Auch sein Teamchef Christian Horner nahm Vettel in Schutz: „Jenson ist auf ihn zu gerutscht, er kann sich ja nicht in Luft auflösen. Seb hatte dadurch bestimmt keinen Vorteil.“

          Buttons brillanter Wechsel

          Die Rennkommissare sahen es anders. Vettel wollte nach der Bestrafung keine Fragen mehr beantworten und ließ über eine Pressemitteilung seines Teams lediglich ausrichten: „Ich muss die Entscheidung der Rennkommissare akzeptieren.“ Dass Vettel überhaupt noch einen Angriff auf Button starten musste, lag an der klugen Strategie der Engländer und den flinken McLaren-Mechanikern.

          Beinahe unbemerkt von den Fernsehkameras hatte sich Button in der zweiten Rennhälfte an das Spitzenduo herangeschlichen und bog dann eine Runde vor Alonso und Vettel zum zweiten Boxenstop ab. Mit viereinhalb Vollgaskilometern danach und dem schnellsten bisher gemessenen Reifenwechsel in der Formel 1 (2,31 Sekunden) konnte sich Button den entscheidenden Vorteil verschaffen. Als Vettel zurück auf die Strecke kam, war der Brite direkt neben ihm und zog schnell vorbei.

          „Ich habe gekämpft wie ein Löwe“

          Es war der Anfang für die Schlussouvertüre dieses Rennwochenendes. Und es war nicht die einzige unliebsame Begegnung, die Vettel an diesem Nachmittag mit einem Engländer hatte. Als er zur Mitte des Rennens Jagd machen wollte auf Alonso, kam ihm einer in die Quere, für den dieser Grand Prix nach einem Plattfuß im Prinzip schon nach wenigen Kilometern gelaufen war und der seinen Boliden acht Umdrehungen vor Ende des Rennens tatsächlich in der Garage abstellte: Lewis Hamilton (McLaren). Längst überrundet, zog der Engländer in der 36. Runde an Vettel vorbei und war damit so etwas wie ein rasender Puffer für Alonso. Seinem Ärger machte der Deutsche noch im Cockpit Luft und grüßte Hamilton mit einem eindeutigen Handzeichen.

          Innerhalb weniger Runden verlor Vettel danach beinahe zwei Sekunden auf den Führenden Alonso. Schon da war absehbar, dass es wieder nicht reichen sollte zum ersten Sieg für ihn bei einem deutschen Grand Prix. Dabei hatte er alles gegeben und versucht: „Ich habe gekämpft wie ein Löwe“, funkte er nach dem Rennen an sein Team am Kommandostand.

          Von Aussichten auf die besten Plätze waren die anderen Deutschen weit entfernt. Michael Schumacher war zwar als Dritter in seinen vielleicht letzten Deutschland-Grand-Prix gegangen, kämpfte aber vor allem mit dem hohen Reifenverschleiß seines Boliden und wurde Siebter. „Ich habe alles herausgequetscht, aber mehr war heute nicht drin.“

          Die große Ausgeglichenheit ist dahin

          Schumacher kam wieder vor seinem Teamkollegen Nico Rosberg ins Ziel, der nur als 21. gestartet war und sich als 10. immerhin noch einen Punkt sicherte. Allerdings haderte der Siebenundzwanzigjährige nach dem Rennen mit dem Entwicklungstempo bei Mercedes: „Bis vor ein paar Wochen war es gut, jetzt nicht mehr“, sagte Rosberg. „Trotzdem haben wir einen Sprung nach vorne gemacht, im Vergleich zum letzten Jahr. Aber jetzt muss der nächste Schritt kommen.“

          Noch Mitte April konnte Rosberg das Rennen in China gewinnen, doch inzwischen sind neben Ferrari und Red Bull auch die Teams von McLaren, Lotus und Sauber an Mercedes vorbei gezogen. Vieles deutet darauf hin, dass der Titel in einem Zweikampf zwischen Ferrari und Red Bull vergeben wird.

          Der großen Ausgeglichenheit in diesem Jahr mit sieben Siegern in den ersten sieben Rennen folgte die große Alonso-Show. Als einziger Pilot stand er bisher drei Mal ganz oben auf dem Siegerpodest. Längst weiß auch Vettel, was ihm blühen könnte: die rote Gefahr.

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