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Formel 1 : Mosleys Machtspiele

Schreckt auch vor Polemik nicht zurück: Max Mosley Bild: dpa

Der Machtkampf in der Formel 1 geht in die heiße Phase. Wem das Argument ausgeht, der bedient sich der Polemik. Max Mosley, der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes, beherrscht das Spiel.

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          Kindische Selbstdarsteller, unzuverlässige Gesellen, fahrlässige Typen, sehr unehrliche Gesprächspartner, ignorante Geldverschwender. Diese Aufzählung ist kein wörtliches Zitat, aber eine inhaltlich korrekte Wiedergabe einer heftigen Anklage. So hat sich jedenfalls Max Mosley, der Präsident des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA), in den vergangenen zwei Wochen immer wieder geäußert, wenn er gegen die in der Formel 1 engagierten Automobilkonzerne BMW, Daimler-Chrysler und Honda zu Felde zog. Da traut man seinen Ohren nicht. Hat die Formel1 in den vergangenen Jahren nicht in Saus und Braus gelebt, weil die Industrie Milliarden Dollar in den Zirkus von Bernie Ecclestone pumpte? Sie hat. Die Rennställe, Chefmanager Ecclestone und selbst die FIA labten und laben sich direkt oder indirekt an diesem üppigen Geldfluß. Warum also beißt Mosley in die Hand, die die Formel1 füttert?

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der FIA-Präsident ist ein distinguierter Herr, der sich bei seinen öffentlichen Auftritten zu benehmen weiß. Das mag nichts Besonderes sein, fällt aber in der Formel 1 besonders auf. Wenn der vielsprachige, rhetorisch geschickte Mosley also verbal aus der Rolle fällt, dann muß ihm etwas am Herzen liegen - natürlich das Wohlergehen der Formel1. Im Umkehrschluß bedeutete dies, daß die genannten Automobilkonzerne dem Zirkus nicht guttun. Mosley würde an dieser Stelle vehement widersprechen. Bleiben sollen sie schon, aber, bitte, zu seinen Bedingungen. Und die heißen: Abrüstung auf dem Motorensektor, runter mit den Kosten, rauf mit der Sicherheit. Sind das nicht herrliche Aussichten? Der ganze Kreisverkehr ist auch für ein Viertel der Kosten zu haben und wird ungefährlicher sein. Sagt Mosley.

          BMW, Daimler-Chrysler und Honda sind ganz anderer Ansicht. Sie haben eine Preissteigerung vorausgesagt, falls man bis 2006 von Zehnzylinder- auf Achtzylinderaggregate mit nur noch 2,4 Liter Hubraum umsteigen müsse. Beim heiklen Thema Sicherheit zeigen die Motorenleute schließlich auf die Reifen. Die seien schuld am hohen Kurventempo der Boliden, an der Reduzierung der Rundenzeiten um durchschnittlich drei Sekunden. Sie haben nicht unrecht. Insofern wird es auf ein Gerichtsverfahren hinauslaufen, falls Mosley an seinen Plänen festhält. Er will die Motorenreform mit Hilfe eines sogenannten Sicherheitsparagraphen durchboxen. Immer dann, wenn Gefahr im Verzug scheint, hat der FIA-Boß das Recht, ach was: die Pflicht, einzugreifen. In diesem Fall sprechen ihm die Juristen seiner Gegner beides ab. Vielleicht ist der Ton des Briten deshalb so scharf geworden. Mosley sieht sich schließlich als Mahner vor dem drohenden Zerfall einer guten Sache. In der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins "Motorsport aktuell" prophezeit er den Ausstieg eines weiteren Herstellers in den nächsten zwei Jahren. Dazu muß man kein Hellseher sein. So wird es kommen. Vermutlich schon Ende nächsten Jahres. Es ist nur die Frage, ob Mosleys Regeländerungen diese Entwicklung bremsen oder ob sie gar der (gewollte) Auslöser für manchen Rückzug sein werden. Die Antwort steckt im Ergebnis: Weniger Werke würden die Formel1 nicht lähmen, die ohnehin fragile Konzerngemeinschaft sprengen und im Gegenzug die Positionen von Mosley und Ecclestone stärken.

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