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Formel 1 : Mit Entenschnabel auf Bullen-Jagd

  • -Aktualisiert am

Ein bisschen wie Weihnachten: der neue Wagen wird ausgepackt Bild:

Am Dienstag haben auch Red Bull und Mercedes ihre neuen Formel-1-Boliden ausgepackt. Während das Weltmeisterteam das Siegermodell von 2010 weiterentwickelte, haben die Deutschen eine zierliche Neukonstruktion präsentiert.

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          Die Präsentation eines neuen Formel 1-Autos ist wie die Bescherung zu Weihnachten. Auch wenn sie kaum noch feierlich im Saal, sondern meistens hastig zwischen Tür und Angel in der Boxengasse stattfindet. Decke weg, dann steht es da, das Produkt auf das man wochenlang gewartet hat. Langatmige Reden gibt es nur noch bei Ferrari und McLaren. Der Rest der schnellen Truppe macht aus der Enthüllung einen Arbeitstermin. Eine Stunde, nachdem Red Bull und Mercedes am Dienstag in Valencia ihre neuen Formel-1-Autos zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zeigten, fuhren sie bereits auf der Strecke.

          Ferrari war wie üblich vorgeprescht. Die erste Form des neuen F150 ist seit Freitag bekannt. Nichts, was einen vom Hocker reißt. Umso mehr war die Fachwelt gespannt, was Red Bull und Mercedes in Valencia zeigen würden. Der eine hat einen Titel zu verteidigen, der andere will aus dem Verfolgerfeld in die Spitze aufrücken. Beide Autos wurden im Abstand von 50 Minuten präsentiert. Der Weltmeister machte den Anfang.

          Design-Genie Adrian Newey hat, weil er 2010 das beste Auto baute, diesmal den geringsten Entwicklungsspielraum. „Es ist eine Evolution“, gibt der Mann mit der hohen Stirn zu. Neweys Revolution liegt schon zwei Jahre zurück. „Der RB7 ist die dritte Generation unserer RB5-Familie.“ Die Nase ist hoch, aber nicht so hoch wie bei Ferrari und Sauber. Das Heck geriet noch ein wenig kompakter und noch etwas niedriger, aber das haben alle anderen längst nachgemacht. Der Auspuff bläst seine Gase noch etwas früher auf den vom Reglement kastrierten Diffusor, jedoch nicht so extrem wie beim neuen Renault R31. Wahrscheinlich hat sich Newey seine besten Geheimnisse für den letzten Test vor dem Saisonauftakt aufgehoben, damit keiner etwas kopieren kann. „Es kommt noch ein größeres Aerodynamikpaket“, sagt der 52-jährige Engländer.

          Der spannende Moment: Sebastian Vettel (l.) und Mark Webber enthüllen ihr Dienstfahrzeug

          „Stillstand bedeutet Rückschritt“

          Immerhin war Newey zum ersten Mal pünktlich. In seinen fünf Red Bull-Jahren opferte er jedes Mal die ersten Testtage, um bis zum letzten Augenblick an der Basisversion seines neuen Autos tüfteln zu können. Zwei Gründe sprachen diesmal dagegen. Erstens das Comeback des Hybridantriebes (Kers) und zweitens die neuen Reifen. „Im Vergleich zu McLaren und Ferrari fehlt uns Erfahrung mit Kers, weil wir 2009 darauf verzichtet haben. Außerdem wollen wir möglichst viel über die Reifen lernen. Die einzige Erfahrung mit Pirelli stammt von zwei Testtagen in Abu Dhabi, und die waren nicht sehr repräsentativ.“

          Weltmeister Vettel rechnet damit, dass eine erfolgreiche Titelverteidigung noch schwieriger wird als seine Großtat im vergangenen Jahr. Deshalb fordert er von seinem Team die Anstrengungen zu steigern: „Wenn wir nur das gleiche tun wie 2010, werden uns die anderen überholen. Stillstand bedeutet Rückschritt.“ Die neue Nummer eins im Feld glaubt nicht, dass irgendein Auto dauerhaft überlegen sein wird: „Weltmeister wird, wer in der Saison sein Auto am besten entwickelt.“

          „Um jeden Millimeter und um jedes Gramm gekämpft“

          Mercedes zählt zu den Teams, die der Dominanz von Red Bull ein Ende setzen wollen. Als Michael Schumacher und Nico Rosberg das Tuch über dem neuen Mercedes GPW02 wegzogen, kam eine zierliche Neukonstruktion zum Vorschein. „Es wurde um jeden Millimeter und um jedes Gramm gekämpft“, sagt Norbert Haug. Teamchef Ross Brawn resümiert nach Durchsicht der Windkanaldaten und Simulationsergebnisse: „Wir haben bessere Arbeit geleistet als im vergangenen Jahr.“ Die Nase erinnert an den Schnabel einer Ente. Der Rest ist ein Sammelsurium aus der Optimierung von Lösungen, die man bei Red Bull und McLaren gesehen hat. Die hohen Kühleinlässe von McLaren, die Zugstreben-Hinterachse von Red Bull. Haug macht keinen Hehl daraus, dass sich das neu strukturierte Konstruktionsbüro in Brackley am „besten Auto des Vorjahres“ orientiert hat.

          Die erste Ausfahrt von Nico Rosberg endete nach acht Runden mit einem Hydraulikdefekt. Trotzdem strahlte der Blondschopf mit der neuen David Beckham-Frisur: „Ich fühlte mich sofort in dem Auto zuhause. Das war nicht immer so.“ Trotz aller Entwicklungsarbeit treiben Fahrer und Ingenieure zwei Sorgen um, die sie nur schwer beeinflussen können. Die Pirelli-Reifen hatten beim ersten Test im Anschluss an das Finale von Abu Dhabi keine überzeugende Figur abgegeben. Es hagelte Reifenschäden, und der Grip (Haftung) ließ relativ schnell dramatisch nach.

          Auch der verstellbare Heckflügel könnte für unliebsame Überraschungen sorgen. „In diesem Jahr ist unser Job im Cockpit Schwerstarbeit“, sagt Vettel. „Links am Lenkrad muss ich Kers aktivieren, rechts den Heckflügel flach stellen. Den einen Knopf muss ich halten, den anderen ein- und ausschalten. Je nach Strecke wird es darauf ankommen, ob ich beides gleichzeitig oder eins vor dem anderen machen muss, um optimal davon zu profitieren. Wenn ich vergesse, den Heckflügel in seine Ausgangsstellung zurückzubringen, stellt er sich zwar beim Antippen der Bremse automatisch zurück. Die Frage ist nur, ob das dann noch reicht, um die Kurve zu kriegen.“

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