https://www.faz.net/-gtl-9wkqg

Testfahrten in Barcelona : Stunde der Wahrheit in der Formel 1

  • -Aktualisiert am

Silberpfeil mit Entenschnabel: Mit diesem Mercedes startet Weltmeister Lewis Hamilton in die neue Saison. Bild: Daimler AG

Die neuen Autos sind da, nun beginnen die Formel-1-Tests für die Saison 2020. Im Fokus steht vor allem Weltmeister Mercedes mit Lewis Hamilton. Das Team erinnert sich mit Schrecken an die Testfahrten vor einem Jahr.

          2 Min.

          Da südländisches Pathos, dort englische Nüchternheit. Ferrari präsentierte sein neues Formel1-Auto in einem Theater. Mercedes wählte die Rennstrecke als Bühne. Ferrari suchte das Scheinwerferlicht und die Öffentlichkeit. Mercedes igelte sich in Silverstone ein. In den letzten sechs Jahren hat immer der Pragmatismus gewonnen. In der Theorie sollte der Titelgewinn im siebten Jahr der Hybrid-Ära der schwierigste sein. Das Reglement blieb über den Winter weitgehend stabil. Nach Meinung von Mercedes-Teamchef Toto Wolff eine Steilvorlage für die Herausforderer: „Stabile Regeln helfen normalerweise den Jägern. 2017 und 2019 gab es große Regeländerungen. Wir konnten da mit unserer Struktur und Innovationskraft zeigen, dass wir schneller aus den Blöcken gekommen sind als unsere Gegner. Das fällt diesmal weg.“

          Was macht ein Weltmeister in einer Saison, in der für eine Fahrzeuggeneration, die 2009 geboren wurde, der letzte Vorhang fällt? Das Jahr 2021 wirft seine Schatten schon voraus. Der totale Neubeginn fordert von allen eine zweigleisige Entwicklung. Geht man also im letzten Jahr einer Ära noch einmal technische Risiken ein? Oder baut man auf dem auf, was man hat?

          Mercedes wählte den Mittelweg. Beim neuen W11 erkennt man viele bekannte Elemente. Die Basis bei Mercedes ist immerhin ein Auto, das im letzten Jahr fünfzehn Rennen und die WM gewonnen hat. Und trotzdem sagt Technikdirektor James Allison: „Hätten wir die Basis des 2019er Autos einfach nur weiterentwickelt, wäre der Ertrag immer weiter zurückgegangen. Deshalb haben wir an drei Stellen das Konzept des Autos geändert. Vorne, in der Mitte und hinten.“ Dem Frontflügelkonzept, der Nase mit seinem charakteristischen Entenschnabel, dem Chassis, das sich im Bereich der Vorderachse sprunghaft verbreitert und dem mächtigen Airbox-Einlass blieb Mercedes treu. Drumherum wurden neue Ideen eingeflochten oder Lösungen anderer Autos übernommen und adaptiert.

          Die „drei Investitionen“, von denen Allison spricht, sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Die erste betrifft die Vorderachse, die aerodynamisch und statisch neu gestaltet wurde. Kein Fahrwerksingenieur würde eine Aufhängung jemals so bauen. Alle Aufhängungselemente lenken asymmetrisch oberhalb der Radmitte und in Fahrtrichtung gesehen im hinteren Bereich des Radträgers an. Fahrdynamisch ein Overkill. Aber aerodynamisch notwendig. Nur so kann maximal viel Luft störungsfrei unter den spinnenförmigen Querlenker hindurchströmen.

          In der Mitte des neuen Silberpfeils kopierte Mercedes bei Red Bull. Das ist normal in diesem Geschäft. Mercedes verlegte die seitliche Crashstruktur eine Etage tiefer. „Das erlaubt uns mehr aerodynamische Freiheiten in diesem Bereich“, erklärt Allison. An der Hinterachse haben sich die Mercedes-Ingenieure auf ein „mutiges Design“ eingelassen. Auch hier wanderten die Querlenker nach oben, um dem Diffusor im Heck möglichst störungsfreie Strömung zu gönnen. „Wir können jetzt schon sehen, dass wir mehr Abtrieb generieren. Die drei neuen Konzepte erlauben es uns aber auch, während der Saison zuzulegen.“

          Im Vergleich mit Ferrari und Red Bull hat der Mercedes die schlankesten Seitenkästen und die filigranste Nase. Was nicht automatisch heißen muss, dass damit der Luftwiderstand sinkt und der Mercedes auf den Geraden plötzlich wieder das schnellste Auto ist. „Aerodynamische Effizienz wird durch die Rundenzeit bestimmt, nicht den Topspeed“, sagt Allison. „Wer mehr Abtrieb bei gleichem Luftwiderstand generiert, ist effizienter geworden.“

          Die Stunde der Wahrheit schlägt von diesem Mittwoch an bei den Testfahrten in Barcelona. Vor zwölf Monaten lernte der neue Mercedes erst am letzten Testtag das Laufen. „Diese Erfahrung“, fordert Allison, „möchten wir dieses Jahr nicht mehr machen.“ Der Durchbruch am achten Tag käme nämlich zu spät. Das Testprogramm wurde 2020 auf sechs Tage reduziert.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hat die Ausgangsbeschränkungen in Bayern verlängert: Ministerpräsident Markus Söder (CSU)

          Kampf gegen Coronavirus : Bayern verlängert Ausgangsbeschränkungen

          Die seit dem 21. März wegen des Coronavirus geltenden Ausgangsbeschränkungen in Bayern werden bis zum Ende der Osterferien am 19. April verlängert. Ursprünglich sollten die Beschränkungen bis einschließlich 3. April gelten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.