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Formel 1 - Melbourne : Auf der Ehrenrunde lockert Ferrari das Überholverbot

  • -Aktualisiert am

Gewohntes Bild: Schumacher mach alle naß Bild: dpa/dpaweb

Ferrari hat die Konkurrenz zum Saison-Auftakt mit einem souveränen Doppelsieg geschockt. McLaren-Mercedes und BMW-Williams blieben chancenlos. "Die fahren in einer anderen Welt", sagte Ralf Schumacher.

          3 Min.

          Die Demonstrationsfahrt in der Auslaufrunde erinnerte an das inszenierte Ferrari-Spektakel, das traditionell die Formel-1-Saison beschließt. Wenige Tage nach dem letzten WM-Lauf bedankt sich Ferrari in Mugello alljährlich bei seinen Freunden. An so einem Ferrari-Day jubeln die Fans immer am meisten, wenn die Formel-1-Boliden in Formation vorbeidonnern, wie es Düsenjäger bei einer Flugshow tun.

          Peter Heß
          Sportredakteur.

          In Melbourne beendeten Michael Schumacher und Rubens Barrichello das Auftaktrennen zur Saison 2004 ebenfalls wohlgeordnet. Nebeneinanderher fahrend nahmen sie die Ovationen der 125.000 Zuschauer entgegen, nachdem sie vorher in der altbekannten Reihenfolge triumphiert hatten. Der sechsmalige Weltmeister gewann den Großen Preis von Australien vor seinem Kollegen.

          Williams-BMW über eine Minute zurück

          Auf ihrer Triumphfahrt Richtung Boxengasse, die Zielflagge war längst gefallen, lockerten die beiden Ferrari-Piloten das Überholverbot, das sie ihrer Konkurrenz das ganze Wochenende über erteilt hatten. Als die Ferraristi im zweiten Gang feierten, kamen die Gegner endlich an ihnen vorbei. Von der ersten Runde des neuen Formel-1-Jahres an demonstrierte Ferrari seine Machtposition. Rundenrekord im ersten Training, Bestzeit im zweiten, Bestzeit im dritten, Bestzeit im Qualifikationstraining, schnellste Rundenzeit im Rennen und 34 Sekunden Vorsprung im Ziel vor dem schärfsten Verfolger, Fernando Alonso auf Renault.

          Tradition vor dem ersten Rennen: Gruppenbild mit dem Weltmeister
          Tradition vor dem ersten Rennen: Gruppenbild mit dem Weltmeister : Bild: AP

          Die hochgehandelten Piloten von Williams-BMW fanden sich mit mehr als einer Minute Rückstand auf den Plätzen vier (Ralf Schumacher) und fünf (Juan Pablo Montoya) wieder. Aber hätten die Männer in ihren roten Kisten im letzten Renndrittel nicht den Schongang eingelegt, wären die WM-Kandidaten überrundet worden, wie der achtplazierte David Coulthard von McLaren-Mercedes.

          Nur Barrichello kann mithalten

          "Die fahren in einer anderen Welt", sagte Ralf Schumacher. "Hut ab, vor Ferrari", lobte Renaults Cheftechniker Pat Symonds, der seinen Fahrer Alonso als einzigen mit einem nicht ganz konkurrenzlosen Rennwagen ausgestattet hatte. Doch der Spanier gab sich nicht der Illusion hin, eine Chance gehabt zu haben: "Die Ferrari hätten noch viel eher im Ziel sein können, wenn sie nur gewollt hätten." Auch so verlebte Alonso einen einsamen Nachmittag: "Nach der ersten Runde verlor ich Barrichello vor mir aus den Augen, bald darauf konnte ich Button nicht mehr im Rückspiegel sehen. So blieb es die restlichen Runden."

          Die Ferrari-Fahrer unterhielten sich in den ersten 25 Runden selbst. Barrichello drückte auf das Tempo, wollte zeigen, daß er nicht langsamer sein muß als sein Vorgesetzter. Dann zwangen ihn nachlassende Bremsen zur Vorsicht: "Ich wäre sicher ausgefallen, wenn ich weiter Gas gegeben hätte", sagte der Brasilianer. Daß ihm niemand näher rückte, als er mit halber Bremskraft unterwegs war, ist einer von vielen Beweisen der Ferrari-Überlegenheit.

          Hartnäckigkeit beim Tüfteln

          Michael Schumacher erhob Barrichello nach dem Rennen zum ernsthaftesten Rivalen beim Kampf um den Titel: "Rubens hat große Fortschritte gemacht, es wird ein harter Wettbewerb. Im Qualifikationstraining trennte uns fast nichts, und im Rennen lagen wir dicht beisammen, bis er Probleme bekam." Der Brasilianer sieht es ähnlich: "Ich hatte noch nie eine so gute WM-Chance." Bis zum Sommer 2003 vermochte Barrichello das Tempo seines Cheffahrers nur selten mitzugehen. Seitdem hat er sich mit Hilfe seines neuen Renningenieurs weiterentwickelt. Daß die letzten Ferrari-Modelle besonders bequem zu fahren sind, erleichtert es ihm mitzuhalten. Michael Schumacher ist berühmt für seine Fähigkeit, schwer zu beherrschende Boliden besonders schnell bewegen zu können. "Früher gab ich mich zu schnell mit der Abstimmung meines Rennwagens zufrieden. Michael probierte mehr aus und wurde im Laufe eines Wochenendes immer schneller." Jetzt zeigt Barrichello vergleichbare Hartnäckigkeit beim Tüfteln.

          Die Ferrari-Piloten mochten ihre Dominanz von Melbourne nicht als Vorentscheidung für die WM verstanden wissen. Sie wiegelten alle Anspielungen auf das Erfolgsjahr 2002 ab. Der nächste Grand Prix in Malaysia werde ein genaueres Bild zeichnen. Alonso glaubt nicht, schon dort angreifen zu können. "Wir bekommen erst für die europäischen Rennen einen neuen Motor. Dann können wir vielleicht um den Sieg mitfahren."

          Heidfeld mit Kupplungsschaden

          So langweilig das Rennen für den Spanier war, so langweilig war es für die Zuschauer. Alle Teams außer McLaren-Mercedes waren mit einer Drei-Stopp-Taktik unterwegs, es gab kaum Positionsverschiebungen. Lediglich Montoya sorgte für ein paar Aufreger und das Duell zwischen Nick Heidfeld und Gianfranco Fisichella. Der Mönchengladbacher Jordan-Pilot sperrte seinen Nachfolger im Sauber-Rennstall über viele Runden erfolgreich. Später schied Heidfeld wegen eines Kupplungsschadens aus.

          Montoya hielt das Publikum zunächst am Start in Atem, als er Alonso neben die Strecke zwang, sich dann verbremste und selbst auf das Gras ausweichen mußte. Seiner anschließenden Aufholjagd fielen Ralf Schumacher, Jarno Trulli und Jenson Button zum Opfer, wobei sein Williams-Teamkollege aus Kerpen durch eine geschickte Boxentaktik wieder an ihm vorbeikam. Aber auch mit einem perfekten Rennverlauf wäre Montoya kein ernstzunehmder Rivale für Ferrari gewesen. "Montoya hätte nicht mehr Druck machen können als Alonso", sagte Schumacher. Ferrari hatte an diesem Tag keine Gegner, nur Opfer.

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