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Formel 1 : McLaren bleibt nur noch die Notbremse

  • -Aktualisiert am

Die alten, erfolgreichen Zeiten: Ron Dennis und Norbert Haug (r.) in Spa-Francorchamps 2007 Bild: AP

Der Rückzug von Ron Dennis hat mit der „Lügenaffäre“ nichts zu tun - sagt das Formel-1-Team. Tatsächlich ist das Aus der Galionsfigur ein Befreiungsschlag, der wohl auch auf Druck des Partners Mercedes erfolgte. Denn bei den Schwaben spielt McLaren mit dem Feuer.

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          McLaren-Mercedes kommt nicht aus den Schlagzeilen. Ron Dennis, die Galionsfigur des Teams, gab alle Posten ab und wird sich in Zukunft nur noch um seine Straßensportwagen kümmern (siehe: Formel 1: Ron Dennis tritt als McLaren-Präsident zurück). Sein 15-prozentiger Anteil an McLaren ist die letzte Nabelschnur zum Rennsport. Dennis traf die Entscheidung am Firmensitz in Woking, in Südengland, während sein ehemaliges Team in Schanghai weilt. Damit soll wieder Ruhe einkehren in den Rennstall, der zuletzt in turbulentes Fahrwasser geraten war.

          Vor der Saison stellte sich heraus, dass das neue Auto zu langsam ist. Die Ansprüche haben sich verschoben. Weltmeister Lewis Hamilton freut sich zurzeit auch über die kleinen Punkte, etwa den neunten Platz im Training in Schanghai (siehe: Großer Preis von China: Vettel auf der Pole Position). Und wie groß muss die Verzweiflung gewesen sein, dass man wegen eines lächerlichen WM-Zählers in Melbourne den Sportkommissaren die Unwahrheit erzählte (siehe: Hamilton disqualifiziert: Null Punkte wegen „absichtlicher Irreführung“)?

          Nachspiel beim FIA-Weltrat

          Die Lüge kann das Team teuer zu stehen kommen. Der dritte Platz beim Großen Preis von Australien wurde bereits aberkannt. Am 29. April gibt es in Paris vor dem Weltrat des Internationalen Automobil-Verbands (FIA) ein Nachspiel. Die Palette der Strafen reicht von einer Geldbuße bis zu einigen Rennen Sperre.

          Der Diktator und sein Star: Ron Dennis hat Lewis Hamilton zum Weltmeister gemacht - nun bedauert der Fahrer den Rückzug der Galionsfigur

          Unter diesen Umständen ist der Rückzug des langjährigen Teamchefs Ron Dennis aus dem Renngeschäft als Notbremse zu sehen. Den Posten des Teamchefs hatte er bereits am 1. März an Martin Whitmarsh übergeben (siehe: Formel 1: Bei McLaren bricht eine neue Ära an). „Seit gestern ist er auch auf dem Papier nicht mehr mein Boss“, erklärte die neue Nummer eins bei McLaren den Schritt von Dennis, sich als Präsident der McLaren Group zurückzuziehen. Whitmarsh wurde allerdings nicht müde, das zu wiederholen, was auch Ron Dennis schon besonders wichtig war: „Es war meine freie Entscheidung. Ich wurde von niemandem dazu aufgefordert.“

          Mercedes und die Aktionäre machten Druck

          Doch allen wortreichen Erklärungsversuchen zum Trotz ist der Zusammenhang zwischen der „Lügenaffäre“ und dem Abschied eines Motorsportinfizierten aus der Szene, die mehr als vierzig Jahre lang sein Lebensmittelpunkt war, nicht zufällig. Die Umstände haben Dennis zu diesem letzten Schritt gezwungen. Es soll vergangene Woche zu einer dringlichen Sitzung der McLaren-Aktionäre gekommen sein. Mercedes und die Teilhaber aus Bahrein haben Dennis offenbar aufgefordert, die „Lügenaffäre“ und ihre möglichen Folgen aus der Welt zu schaffen. Egal wie.

          Der Mann, der McLaren zum zweiterfolgreichsten Rennstall der Formel 1 nach Ferrari gemacht hatte, ist bei der Obrigkeit nicht besonders beliebt. FIA-Präsident Max Mosley und dessen Kompagnon Bernie Ecclestone sahen Dennis als einen der Rädelsführer des gescheiterten Versuchs, vor Jahren mit den Automobilherstellern eine eigene Rennserie zu gründen. Ihre feinen Antennen registrierten auch jetzt wieder Aktivitäten in diese Richtung. Dennis profilierte sich im Windschatten von Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo als treibende Kraft im Bestreben der Teams, mehr Flagge zu zeigen. Die 2008 neu gegründete Teamvereinigung FOTA geriert sich als dritte Macht (siehe: Formel 1: Angriff der dritten Macht ).

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