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Formel 1 in Belgien : Max Verstappen demonstriert seine Macht

  • -Aktualisiert am

Max Verstappen nach seinem Sieg in Belgien auf seinem Boliden Bild: dpa

Aus Startreihe sieben zum Sieg: Formel-1-Weltmeister Max Verstappen gewinnt nach einer furiosen Aufholjagd das Rennen in Belgien und baut seine WM-Führung aus. Er hat mehr zu bieten als ein gutes Auto.

          3 Min.

          Wer soll ihn noch stoppen? Nach der Sommerpause hat Max Verstappen wieder angefangen, wo er vor den Ferien aufhörte: mit Siegestouren aus dem Hintergrund. Der Weltmeister schoss am Sonntag aus der siebten Startreihe mit seinem Red Bull los und gewann den Großen Preis von Belgien souverän vor seinem Teamkollegen Sergio Perez und Ferrari-Pilot Carlos Sainz.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sein Rivale im Kampf um den Fahrertitel verlor weiter an Boden. Charles Leclerc kam als Fünfter ins Ziel, verlor den Platz aber wegen einer Fünf-Sekunden-Zeitstrafe für zu schnelles Fahren in der Boxengasse an Fernando Alonso im Alpine. Sein Rückstand in der WM-Wertung auf den Führenden Verstappen stieg auf 98 Punkte an. Er könnte wachsen. „Es war phantastisch“, sagte Verstappen, „das Auto lief wie auf Schienen. Ich will mehr davon.“

          Unfall von Alonso und Hamilton

          Wie war das noch im vergangenen Jahr in Spa? Regen, so weit das Auge blickte. Er hörte nicht auf, und die Formel 1 wollte nicht losfahren. Damals zockelte das Feld dann doch hinter dem Safetycar zwei Runden über die Piste und verkaufte die Show als Rennen, samt Vergabe des halben Punktesatzes. Die Fans standen gewaltig im Regen. Am Sonntag schien ihnen die Sonne. Und die Fahrergemeinschaft machte auf Wiedergutmachung. Attacken vom ersten Moment an dank einer kuriosen Aufstellung. Weil sieben Piloten, unter ihnen Verstappen, Leclerc und Mick Schumacher, den Antrieb und andere Komponenten wechseln ließen, wurden sie weit nach hinten versetzt in der Startaufstellung. Das verlangt die Strafordnung. Mehr als drei Einheiten pro Saison sind nicht erlaubt.

          Und so kamen die – geschätzt – 70.000 Zuschauer auf ihre Kosten: beim Blick auf die Spitze mit Sainz als Nachrücker auf die Pole Position für den versetzten Schnellsten der Qualifikation, Verstappen. Und bei Erwartung des Mittelfeldduells mit den Titelkandidaten. Leclerc sauste als 15. hinter dem Champion her. Wo also hinschauen?

          Zunächst an die Spitze, wo die Sekundanten der Chefpiloten von Ferrari und Red Bull ihre Chance witterten, mal zu gewinnen. Wann, wenn nicht jetzt? Da schoss Sainz zunächst davon, während Perez vorerst Rang zwei verlor. Im munteren Kampf um die Positionen jagten die Verfolger, die vermeintlichen Nutznießer des ersten Perez-Fehlers, über das Ziel hinaus. Lewis Hamilton hob halbwegs ab in der Schikane nach der Kemmel-Geraden, als er über ein Rad von Alonsos Alpine rollte.

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          Ein getrübter Blick bei der Kalkulation einer Überholchance? Alonso sah das so: „Was für ein Idiot. Er kann es nur, wenn er von vorne fährt.“ Der Rekord-Weltmeister musste wenig später aufgeben, machte sich zu Fuß auf ins Fahrerlager, sammelte sich: „Es ist mir egal, was Fernando erzählt“, sagte er dem TV-Sender Sky, „es war mein Fehler, ich habe ihn übersehen, er war im toten Winkel.“ Wegen der Havarie und weiterer Scharmützel mit Vollkontakt und Wrackproduktion schickte die Rennleitung das Safetycar auf die Piste. Gas raus, runterkommen.

          In solchen Momenten der relativen Beruhigung bleibt Zeit für den Blick auf das gesamte Feld. Da wurden die Augen groß. Sebastian Vettel (Achter) tauchte, als Zehnter losgefahren, zwischenzeitlich auf Rang fünf auf. Verstappen lag schon auf Platz acht vor Leclerc. Aber in dieser Phase trennten sich die Wege der beiden. Der Monegasse bog zum Boxenstopp ab, Verstappen beschleunigte gewaltig: Sechster in der sechsten Runde, Dritter in der neunten, Erster in der zwölften.

          Allein auf weiter Flur: Max Verstappen siegt in Spa.
          Allein auf weiter Flur: Max Verstappen siegt in Spa. : Bild: EPA

          Auch die Boxenstopp-Arie änderte nichts. Neue Reifen hin oder her, die zwischenzeitliche Führung verlor Sainz im Handumdrehen wieder an den 24 Jahre alten Champion. Weil Verstappen bis zu 2,4 Sekunden weniger brauchte für eine Runde durch das Hohe Venn: 2,4 Sekunden! Eine unerhörte Machtdemonstration. Als dann noch der zunächst indisponierte Perez Ferrari-Mann Sainz überholte, rauschte Red Bull schnurstracks dem Triumph entgegen, unerreichbar für den tapferen Leclerc, unantastbar für alle. Spa und die Formel 1 bieten eine Fülle packender Geschichten. Die jüngste ist eine kurze: Das Rennen führte über 44 Runden. Nach 18 war es entschieden.

          Warum so früh, warum dieser gewaltige Vorsprung? Er hatte sich im Fall von Verstappen schon beim Training am Freitag angekündigt. Immer extrem schnell, am Samstag, beim Startplatzrennen, sogar gut 0,6 Sekunden fixer als Sainz. In der ersten Hälfte der Saison fuhren Red Bull und Ferrari mehr oder weniger auf Augenhöhe. Jedenfalls schwankten die Differenzen in der Rundenzeit nur gering, zwischen 0,1 und 0,3 Sekunden. Verstappens Boliden liegt die Streckenführung von Spa. Aber der Red Bull war sowohl auf den Geraden als in den Kurvenkombinationen, wo mehr Abtrieb nötig ist, überlegen, überall.

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          Ob Überlegenheit allein mit dem hohen Reifenverschleiß etwa bei Ferrari zusammenhing oder auch mit der neuen Direktive des Internationalen Automobil-Verbandes (FIA)? Mattia Binotto, Chef der Scuderia, wies einen Zusammenhang am Sonntagabend zurück. Seit dem Auftritt in Belgien misst die FIA mit Sensoren die Schaukelei der Boliden. Die Konstruktion der neuen Rennwagen-Generation führt zu einem Ansaugeffekt, der jäh abreißt, wenn die Autos durch den Druck und Zug des Luftflusses in die Knie gezwungen werden, aufsetzen. Sie schnellen in die Höhe.

          Die Pendelbewegung könne eine Gefahr für die Piloten sein, sagt die FIA und zwingt die Teams, ihren Autos mehr Bodenfreiheit zu geben, falls der festgelegte Schwingungswert überschritten wird. Das senkt das Tempo. Auch bei Mercedes fiel ein relativer Tempoverlust auf. Ferraris Kooperationspartner Haas fand sich am Ende des Feldes wieder. Mick Schumacher wurde 17., knapp hinter seinem Teamkollegen Kevin Magnussen.

          Die Diskussion über die Tücken der Technik verdeckte am Sonntag ein bisschen den Faktor Mensch. Sosehr Verstappen seinen Dienstwagen auch pries: Wer als 14. losfährt, aber 17,8 Sekunden vor dem Teamkollegen (Startplatz zwei) im identischen Auto als Erster ins Ziel kommt, beeindruckt Freund wie Feind: „Das ist“, sagte Mercedes’ Chefingenieur Andrew Shovlin, „ein bisschen ein Schock.“

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