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Formel 1 : Manöver am Nürburgring

Jährliche Starts am Nürburgring? In Hockenheim widersprechen sie einer angeblichen Einigung Bild: dpa

Verwirrung um die beiden Formel-1-Rennstrecken in Deutschland: Der neue Betreiber des Nürburgrings überrascht mit einer angeblichen Einigung für jährliche Rennen in der Eifel. In Hockenheim reagieren die Verantwortlichen mit Empörung.

          Bernie Ecclestone geht dorthin, wo es das meiste Geld gibt für den Start seiner Formel 1. Nach Lage der Dinge würde der Brite also kaum in Deutschland bleiben. Denn im Land der Autofahrer gibt es mit den Großen Preisen seit Jahren nichts mehr zu verdienen. Sie sind Verlustgeschäfte. Am Dienstag aber ließ der neue Hauptgesellschafter des Nürburgrings, das Unternehmen Capricorn, nach einem Gespräch mit Ecclestone aufhorchen. Capricorn schilderte in einer Pressemitteilung „ein gemeinsames Verständnis darüber, die Formel 1 ab 2015 für den Zeitraum von mindestens fünf Jahren jedes Jahr am Nürburgring durchzuführen...“.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was das bedeutet? Vorerst gar nichts. Es gibt nichts Schriftliches und schon gar keinen Vertrag über die angesprochene Zeitspanne. Die aufgeschreckte Hockenheimring GmbH, die im Juli den Großen Preis von Deutschland mit Weltmeister Sebastian Vettel und den Titelkandidaten Nico Rosbergs sowie Lewis Hamilton ausrichtet, aber hält ein verbindliches Papier in Händen: „Wir haben einen Vertrag für die Ausrichtung der Rennen 2016 und 2018“, sagt Georg Seiler, Geschäftsführer der Hockenheimring GmbH.

          Seit 2008 wird der Grand Prix im Wechsel mit den Kollegen in der Eifel ausgetragen. Daran scheint auch Ecclestone nicht zu zweifeln. „Ich habe den Vertrag nicht gecancelt“, hat der Chefmanager der Formel 1 nach Informationen dieser Zeitung am Dienstagmorgen als Reaktion auf die Meldungen aus Deutschland gesagt.

          Rückkehr zum alten Modell unwahrscheinlich

          Der 83 Jahre alte Brite, der zurzeit wegen des Verdachtes der Bestechung und der Anstiftung zur Untreue, in München vor Gericht steht, ist stets auf der Suche nach mehr Geld. Am Nürburgring ging er aber zuletzt einen größeren Kompromiss ein als in Hockenheim. Nur noch etwa sechs Millionen Euro erhielt Ecclestone als Antrittsgage für das Formel-1-Feld im vergangenen Jahr, weit über zwanzig waren es früher.

          Die Hockenheimring GmbH zahlte 2012 (geschätzt) zwölf Millionen. Zudem war vereinbart worden, für jede Karte jenseits von 50.000 verkauften 100 Euro an Ecclestone weiterzuleiten. Beide Ausrichter hatten Ecclestone seinerzeit angesichts der hohen Verluste gebeten, nicht mehr jedes Jahr ein Formel-1-Rennen ausrichten zu müssen. Er ließ sich auf  Vertragsauflösungen und -veränderungen ein.

          Eine Rückkehr zum alten Modell erscheint unwahrscheinlich, solange nicht rund 100.000 Zuschauer pro Grand Prix die üblichen Eintrittspreise zahlen, mehr als 60.000 Besucher sind zurzeit kaum zu erwarten. Vor diesem Hintergrund erweckt  die Pressemeldung vom Nürburgring den Eindruck, zunächst Aufmerksamkeit zu wecken. Denn die Grundvoraussetzungen für das Ziel müssen erst noch erfüllt werden: „Weiterhin besteht (...) Einigkeit darüber, dass nun umgehend Gespräche mit potentiellen Partnern und Sponsoren aufgenommen werden.“

          Empörung in Hockenheim

          Hockenheims Geschäftsführer Seiler ist empört: „Es gibt ein ungeschriebenes Gesetz in der Formel 1, dass man über Vertragsverhandlungen nicht in der Öffentlichkeit spricht. Wir reden ja auch mit Ecclestone, aber diskret. Und wie kann man behaupten, dass die Fans erst mit einer Regelung am Nürburgring Gewissheit bekämen, wann und wo ein Formel-1-Rennen in Deutschland stattfindet? Das ist doch lange bekannt.“ Der Große Preis von Deutschland wird am 20. Juli ausgetragen: „So kurz vor unserem Grand Prix eine solche Meldung in die Welt zu setzen, ist eine Frechheit. Wir hatten mal ein partnerschaftliches Verhältnis zu den Kollegen am Nürburgring.“

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