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Formel 1 in Bahrein : Ecclestone entdeckt die Menschenrechte

  • -Aktualisiert am

Formel-1-Manager Bernie Ecclestone in Bahrein: Die Entdeckung der Menschnrechte Bild: Reuters

Bisher verbat man sich eine Verquickung von Rennsport und Politik: In der Formel 1 ging es hauptsächlich ums Geld verdienen. Doch auf seine alten Tage wird Manager Bernie Ecclestone zum Gutmenschen.

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          Hat Formel-1-Manager Bernie Ecclestone auf seine alten Tage die Bedeutung von Menschenrechten entdeckt? Just vor dem Großen Preis von Bahrein an diesem Sonntag in der Steinwüste des kleinen Königreiches im Persischen Golf wird der 84 Jahre alte Brite gelobt. „Das ist ein erster Schritt“, schreibt ADHRB, die Vereinigung von „Amerikanern für Demokratie und Menschenrechte in Bahrein“. Denn das Formel-1-Management-Unternehmen (FOM) mit Ecclestone an der Spitze hat auf seiner offiziellen Website ganz neue Töne angeschlagen: Da ist plötzlich vom Respekt der Menschenrechte die Rede, von der Bereitschaft der Formel 1, Richtlinien einzuführen, die sich am allgemeinen Menschenrechts-Standard orientieren sollen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Außerdem will Ecclestone prüfen lassen, wo und wie der Auftritt der Formel 1 die Einhaltung von Menschenrechten beeinflusst. In Bahrein, sagt die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, wächst die Zahl der Verstöße unmittelbar vor der Ankunft des Formel-1-Trosses.

          Dass Ecclestone im letzten Moment noch die Kurve kriegen soll, hat das Fahrerlager am Donnerstag nicht mal verblüfft. Eher irritiert. In diesem Zentrum der Kommunikation, jeder Reifendruckabfall wird getwittert, wusste kaum jemand von dem „Verhandlungserfolg“ (ADHRB). Selbst der Internationale Automobil-Verband, immerhin Regelmacher wie -hüter, war nicht informiert. Und auf der FOM-Website muss man aufmerksam suchen, um vom Ende der Vogel-Strauß-Politik zu erfahren. Nach den brutal wie blutig niedergeschlagenen Demonstrationen 2011 war das Rennen einmal – allein aus Sicherheitsgründen – abgesagt worden.

          Bevölkerung meidet Formel-1-Rennen

          Seitdem aber fühlt sich der kleine Brite wieder sehr wohl auf der Insel. Der Auftritt seines Zirkus spült angeblich 40 Millionen Dollar in die Formel-1-Kasse, also auch viel Geld auf die Konten der Teams. Und deshalb kreiste die Renngemeinschaft gerne nur um sich selbst und ignorierte in den vergangenen Jahren die Klagen seriöser Organisationen und Aktivisten über die täglichen Übergriffe.

          Ecclestone verbat sich die angebliche Vermischung von Sport und Politik, obwohl seine in alle Welt übertragene Show dem Königshaus auch als außenpolitisches Instrument dient. „Bahrein“, sagte der Kronprinz Salman bin Hamad Al Khalifa der Tageszeitung „Gulf Daily News“ am Dienstag, „hat eine Reputation als Heimat des Motorsports im Mittleren Osten durch die erfolgreiche Organisation des Grand Prix aufgebaut.“

          Die innenpolitische Wirkung der teuren Sause scheint nicht überzeugend. Jedenfalls meidet das Fußvolk, die mehrheitlich schiitischen Bürger unter den sunnitischen Herrschern, den Rennbesuch, seit bekannt wurde, dass während des Aufstandes Menschen in den Streckengebäuden gefoltert wurden. Viele Tribünenplätze blieben in den vergangenen Jahren frei. Die große mediale Aufmerksamkeit einmal im Jahr hat aber offenbar auch der Opposition geholfen.

          Das schriftliche Bekenntnis des Ecclestone-Clans, trotz wachsweicher Formulierungen einmalig in der 65-jährigen Geschichte der Formel 1, ist laut ADHRB auf ihre Beschwerde im vergangenen Jahr bei der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in England zurückzuführen. Dabei hat der bekannte Bahreiner Aktivist Nabeel Rajab, unter anderem Präsident des Zentrums für Menschenrechte von Bahrein, mitgewirkt. Bernie Ecclestone wird ihn am Wochenende wohl kaum treffen. Die Staatsgewalt hat Rajab mal wieder in Arrest genommen. Angeblich, weil er versucht hatte, mutmaßliche Gewalttätigkeiten in einem der berüchtigten Gefängnisse aufzudecken.

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