https://www.faz.net/-gtl-omy7

Formel 1 - Malaysia : Knock out in der zweiten Runde?

  • -Aktualisiert am

Siegerdusche: Schumacher und der überraschend starke Jenson Button Bild: dpa/dpaweb

Auch in der Hitze Malaysias fährt Michael Schumacher allen davon. Für viele sieht es jetzt so aus, als wäre die WM schon gelaufen. Doch die Konkurrenz hat den Rückstand verringert. FAZ.NET-Spezial.

          3 Min.

          Was hatte Michael Schumacher nach seinem ersten Saisonsieg in Melbourne gesagt? Daß es für eine Standortbestimmung noch viel zu früh sei nach nur einem Rennen in der neuen Formel-1-Saison: "Warten wir Malaysia ab, dann wissen wir, wo wir stehen." Jetzt weiß man es: ganz vorne.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der Weltmeister gewann am Sonntag auf der Rennstrecke von Sepang zum 72. Mal ein Grand-Prix-Rennen und nebenbei die Erkenntis, für das Unternehmen "Siebter WM-Titel" bestens gerüstet zu sein. An dieser Einschätzung ändert auch der zweite Rang von Juan Pablo Montoya im BMW-Williams nichts, der wenige Sekunden vor dem BAR-Piloten Jenson Button ins Ziel kam. Ferrari, Ende Januar bei der Präsentation des neuen Boliden erstmals erstaunlich skeptisch - Präsident Luca Montezemolo wirkte fast kleinlaut - läßt nach dem zweiten Rennen keine Zweifel mehr: "Es wird ein hartes Jahr", erklärte Schumacher. Vor allem für seine Konkurrenten.

          "Bin von Barrichello blockiert worden"

          Ist die WM entschieden wie ein Boxkampf nach einem Knock out in der zweiten Runde? Da wehrt sich die Branche. Schumacher warnt vor Hochrechnungen ausschließlich zu seinen Gunsten. Sprach vom ständigen Druck auf den 56 Runden, von Montoyas Atem, den er gespürt habe. Auch seine Gegner lasen die geringen Zeitabstände als gutes Zeichen für eine erfolgreiche Aufholjagd. Statt einer Minute wie beim Saisonauftakt in Melbourne lagen zwischen dem Sieger vom Sonntag und Montoya auf freier Strecke nur noch gute zehn Sekunden. Das sind im Schnitt knapp 0,2 pro Runde, aus Sicht von BMW-Sportchef Mario Theissen war es "gleich null": "Juan ist die schnellste Runde gefahren und konnte von der ersten bis zur letzten Runde das Tempo mitgehen."

          Noch trocken: Jenson Button fuhr im Außenseiterauto von BAR-Honda auf das Podest
          Noch trocken: Jenson Button fuhr im Außenseiterauto von BAR-Honda auf das Podest : Bild: AP

          Da drängt sich die Frage auf, warum Montoya nicht gewann oder dem Ferrari-Star wenigstens aussichtsreich auf die Pelle rückte. Um die Antwort war der Kolumbianer nicht verlegen: "Ich bin von Barrichello blockiert worden." Es geschah nach dem letzten der drei Boxenstops. Der Weltmeister hatte von seiner 57. Pole Position weg die Führung behalten und bis zu den Akkordabfertigungen an der Ferrari-Tankstelle stets einen Vorsprung von einigen Sekunden herausgefahren. Anschließend aber näherte sich Montoya immer wieder von Runde zu Runde.

          Malaysia unterhaltsamer als Melbourne

          Nur nach dem letzten Halt (40.) nicht mehr. Da sah der BMW-Mann plötzlich den Ferrari-Fahrer Barrichello vor sich. Der Brasilianer zögerte seinen letzten Abstecher zum Tanken und Reifenwechsel hinaus, ohne aber sonderlich schnell zu sein. Beim Überholversuch Montoyas "machte er die Türe zu". In dieser Runde brauchte der impulsive Überholkünstler zwei Sekunden länger als noch eine Tour zuvor. Von einem "schmutzigen Trick" wollte der Südamerikaner zwar nicht reden. Allerdings sprach das Mienenspiel Bände: Montoya schloß die Augen und verzog den Mund.

          Vielleicht hätte es ohne die Abschirmtaktik zu einer spannenden Schlußattacke gereicht. Aber wohl kaum zu einem Überholmanöver. So schenkte Barrichello mit seinem Bremsfehler in der zweiten Runde Montoya und Kimi Räikkönen im McLaren-Mercedes Freiraum für eine leichtes Überholmanöver und den (offiziell) 70.000 Zuschauern einen der aufregendsten Momente. Gleichzeitig zog der Spanier Fernando Alonso im Renault die Aufmerksamkeit auf sich. Vom 19. Startplatz pflügte er mit atemraubender Rasanz durch das Feld, bis auf Position sieben. Insofern präsentierte sich die Formel 1 in Malaysia unterhaltsamer als zum Saisonstart vor zwei Wochen.

          Allwetterpaket aus Maranello von Malaisen verschont

          Schumachers Führung in der Fahrerwertung mit nun 20 Punkten vor Barrichello (13) und Montoya (12) ist noch keine Garantie für eine Ferrari-Dominanz. Es sind schon ganz andere Vorsprünge im Handumdrehen geschmolzen. Die Umstände aber gelten schon als sicherer Beleg für die Fortsetzung der Vorfahrt: Bei 35 Grad Celsius im Schatten, bei einer Asphalttemperatur von 43 Grad triumphierte Ferrari unter klimatischen Bedingungen, die im letzten Jahr den schärfsten Gegnern nicht extrem genug sein konnten: "Jeder hat geglaubt, daß Williams auf den Michelin-Reifen hier gewinnt", sagte der Technische Direktor von Ferraris Pneu-Lieferant Bridgestone, Suganuma Hisao. "Wir haben sehr eng mit Ferrari zusammengearbeitet. Mit diesem Auto sind die Fahrer in der Lage, alles aus den Reifen herauszuholen. Uns ist hier ein wichtiger Test gelungen." Die Probe auf das Exempel? "Wir werden auch stark sein, wenn es einen heißen europäischen Sommer gibt", fügte Suganuma hinzu. Dann muß die Faustregel der vergangenen Saison wohl umformuliert werden: Der neue Ferrari ist nicht nur auf kühlen Streckenbelägen (wie in Melbourne) schnell, sondern auch unter sengender Sonne Spitze.

          "Für uns war es eigentlich optimal hier", erklärte BMW-Sportchef Mario Theissen, "für Ferrari waren es die schwierigsten Bedingungen." Nicht nur die Reifen liefen rund in Malaysia. Das Allwetterpaket aus Maranello blieb im Gegensatz zur geschätzten deutsch-britischen Konkurrenz auch von technischen Malaisen verschont. Ralf Schumachers BMW-Williams stoppte ein kapitaler Motorschaden (28. Runde). Räikkönen warf ein stockendes Getriebe des McLaren-Mercedes in der 41. Runde aus einem aussichtslosen Rennen um den Sieg. Ferrari überzeugte also auch mit Standfestigkeit. Für viele sieht es jetzt so aus, als wäre die WM schon gelaufen.

          Weitere Themen

          Ein Möbelstück namens Löw

          Pfannenstiels Welt : Ein Möbelstück namens Löw

          Es wird im DFB-Team nun noch einmal einen Hauruckeffekt geben, ein letztes Hurra. Denn die Spieler werden für ihren Trainer durchs Feuer gehen. Alle Spieler – auch Mats Hummels und Thomas Müller.

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Der Visionär hat’s schwer

          Löws letztes Turnier : Der Visionär hat’s schwer

          Mit den großen Linien lag Joachim Löw zuletzt daneben. Jetzt soll es der Turniertrainer in ihm bei der Fußball-EM noch einmal richten. Aber ist er das überhaupt?

          Topmeldungen

          Kaufen oder mieten? : Ehestreit ums Eigenheim

          Ob Betongold wirklich glücklich macht, entscheiden auch die eigenen Ansprüche. Wenn die bei einem Paar weit auseinanderklaffen, muss es genau abwägen, was Freiheit und Sicherheit wert sind.
          Imame beten in Köln. Von nun an wird der Nachwuchs auch in Deutschland in deutscher Sprache ausgebildet.

          F.A.Z. Frühdenker : Imamausbildung auf Deutsch startet

          In Osnabrück nimmt das neue Islamkolleg seine Arbeit auf. Die NATO betrachtet Russland als Gefahr. In Deutschland wird über die Maskenpflicht gestritten. Und die DFB-Elf spielt gegen Frankreich. Der F.A.Z.-Newsletter für Deutschland.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.