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Formel 1 : Machtkampf um Ecclestones Imperium

  • -Aktualisiert am

Wie lange noch bleibt Bernie Ecclestone Zampano der Formel 1? Bild: dapd

Die Finanzholding der Familie Agnelli und Rupert Murdochs News Corp. bemühen sich um Anteile an der Formel 1 - und könnten die Rennställe hinter sich haben. Denn die sind seit Jahren nicht glücklich über Bernie Ecclestones Geldpolitik.

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          In der Formel 1 bahnt sich ein Machtkampf um die Führung an. Die börsennotierte Agnelli-Finanzholding Exor und der australisch-britische Medienkonzern Murdoch scheinen sich ernsthaft um die Übernahme der Geschäftsführung in der Rennserie zu bemühen. Seit Jahrzehnten führt der mittlerweile 80 Jahre alte Bernie Ecclestone als Chefmanager die Regie in der Formel 1. Am kommenden Wochenende wird er beim Großen Preis der Türkei vor den Toren von Istanbul wie üblich im Fahrerlager auftreten. Der Brite handelt als Geschäftsführer Formel 1 des Investmentfonds CVC Capital Partners, dem die Mehrheit (63 Prozent) der Formel-1-Holding und Vermarktungsgesellschaft Topco gehört. Vor kurzer Zeit noch bezeichnete der sogenannte „Godfather“ Übernahmegerüchte als „lächerlich“.

          Seit Dienstag aber kristallisiert sich ein echtes Interesse von Exor und Murdoch heraus. Der 35 Jahre Agnelli-Erbe John Elkann und der 39 Jahre alte James Murdoch haben sich zusammengetan, um zunächst einmal mit allen Beteiligten der Formel 1 zu sprechen und dann möglicherweise ein Übernahmeangebot für die Vermarktungsgesellschaft abzugeben. CVC bestätigte eine Kontaktaufnahme am Mittwoch. Exor hält neben den Fiat-Anteilen auch die Mehrheit am Turiner Fußballklub Juventus, an Papierherstellern wie dem niederländischen Arjo Wiggins, am amerikanischen Immobilienkonzern Cushman & Wakefield oder dem italienischen Reiseveranstalter Alpitour. Zum Motorsport gibt es eine direkte Verbindung. Die Agnelli-Holding mit Präsident Elkann an der Spitze, ist mit 30 Prozent am Fiat-Konzern beteiligt, der wiederum 90 Prozent am Sportwagenhersteller und Rennstallbetreiber Ferrari besitzt.

          Auf den ersten Blick deutet diese Konstellation auf einen Interessenkonflikt hin. Was, wenn die Konstrukteure in Maranello einen ziemlich direkten Draht zum Vermarkter und Geldverteiler besäßen? Elkann und Murdoch beteuerten aber, dass sie die Formel 1 immer getrennt von den Ferrari-Interessen behandeln würden, denn es dürfe nicht der Eindruck der Bevorzugung eines Rennstalls entstehen. „Wenn es zu einer Übernahme käme, dann würde sicherlich auf eine strikte Trennung geachtet. Andernfalls wären andere wichtige Teams keinesfalls bereit, einer solch einschneidenden Änderung zuzustimmen“, sagte ein Teamchef.

          Unzufriedenheit mit der Geldverteilung

          Aus der Antwort darf man schließen, dass einige in der Konstrukteursvereinigung Fota vereinigten Formel-1-Rennställe von dem Vorstoß wussten und ihn wenigstens bis zu einem gewissen Grade sympathisch finden. Denn Hintergrund der Aktion ist zweifellos auch die Unzufriedenheit von Ferrari und anderen Rennställen mit der Geldverteilung im Sinne Ecclestones.

          Die Teams erhalten laut Concorde-Agreement 50 Prozent aller Einnahmen. Die Vereinbarung regelt die Rechte und Pflichten des Vermarkters, der Teilnehmer und des Internationalen Automobil-Verbandes Fia. Der Vermarkter steckt die andere Hälfte ein: „Das ist nicht akzeptabel. In der Champions League (des Fußballs)“, sagt der Teamchef, „erhält der Vermarkter fünf Prozent. Wir machen schließlich den Sport und tragen die Budgets zusammen. Unser Anteil muss also entsprechend wachsen.“ Das Concorde-Agreement läuft 2012 aus.

          Ein Wechsel würde Ecclestones Zeit als Zampano beenden

          Der Hinweis von CVC, die Formel 1 sei im Privatbesitz und stehe nicht zum Verkauf, werteten Insider eher als Zeichen für eine Preistreiberei. Ecclestone sieht CVC dagegen „langfristig“ im Formel-1-Geschäft, „hundertprozentig“. Er kann kein Interesse an einem Verkauf an Exor und Newscorp haben. Denn der Wechsel würde wohl seine Zeit als Zampano der Szene beenden. Bedeutende Rennställe klagen seit Jahren über eine unzureichende Vermarktung der Formel 1 unter seiner Ägide, über eine schwache Einbindung der neuen Medien. Ihnen scheint der Achtzigjährige nicht mehr auf der Höhe des Geschäfts. Ecclestone hält es zum Beispiel nicht für nötig, auf wichtigen Märkten wie den Vereinigten Staaten um die Gunst des Publikums zu werben. Gleichzeitig sind die Grand Prix ohne Staatszuschüsse wie in China oder Malaysia kaum mehr zu finanzieren.

          Die Sondierung der Lage durch Elkann und Murdoch könnte die Fia einschüchtern. Ferrari-Chef Luca di Montezemolo hat in den vergangenen Wochen auffällig häufig und stark die jüngste Politik von Fia-Präsident Jean Todt kritisiert. Der Franzose, in der Schumacher-Ära Ferrari-Rennleiter, will 2013 gegen den Willen von Ferrari oder auch Mercedes neue, kleinere Turbo-Motoren einführen und der Formel 1 damit einen grünen Anstrich verpassen. Todts Einfluss ist groß. Die Fia hütet und macht die Regeln und sie darf beim Verkauf der Formel-1-Vermarktungsrechte ein Veto einlegen.

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