https://www.faz.net/-gtl-9y4wg

Wirbel in der Formel 1 : Agent Stroll und Bonds Boliden

  • -Aktualisiert am

Soll in der Zukunft Aston Martin fahren: Formel-1-Pilot Lance Stroll (Mitte), Sohn von Vater Lawrence Bild: EPA

Aston Martin kehrt als Werksteam zurück in die Formel 1. Steht der Motorsport-Serie damit wirklich „die aufregendste Geschichte ihrer jüngeren Vergangenheit bevor“? Wohl kaum.

          2 Min.

          Lawrence Stroll ist nicht James Bond. Aber eine Mission hat er doch. Nicht gerade im Auftrag Ihrer Majestät, was als Kanadier ohnehin mit dem Selbstverständnis des MI5 kaum zu vereinbaren wäre. Doch Stroll, mittendrin im Goldfinger-Geschäft der Formel 1 mit allen Tücken wie Haifischbecken, sieht sich als Agent des Guten. Der „Formel 1“, erklärte er dieser Tage, stehe „die aufregendste Geschichte ihrer jüngeren Vergangenheit bevor“.

          Ewa ein Gehalts- oder Unterhaltsverzicht von allen Großverdienern, von Star-Pilot Hamilton bis Milliardärssohn Stroll junior? Die Bereitschaft auch der großen Rennställe, im nächsten Jahr nur noch 75 Millionen Euro auszugeben statt mehr als 300? Oder gar Ferraris Beichte, ein reumütiges Bekenntnis zu einer Benzintrickserie anno 2019? Nein, so etwas Profanes oder Negatives wollte Stroll senior, der Geschäftsmann, nicht ansprechen, als er von der Vision berichtete, die wunderbar sein werde für die Fans. Es geht ihm um positive Emotionen, um das große Gefühl in diesen Zeiten. Stellen Sie sich vor: Aston Martin wird Formel-1-Werksteam. Aha.

          Nicht einen Hauch Lebenshoffnung

          Wie häufig bei Fragen der Wertschätzung ist die Perspektive von entscheidender Bedeutung. Nicht nur aus der Sicht von Corona-Patienten wirkt das zwei Wochen alte „Pitlane Project“ der sieben in England stationierten Formel-1-Teams erfüllender. Sie helfen erfolgreich bei der Optimierung und bei der Produktionsbeschleunigung von Atemhilfsgeräten. Dagegen wird Aston Martins Rückkehr in die Königsklasse, bei allem Respekt, nicht einen Hauch Lebenshoffnung spenden. Bei genauer Betrachtung scheint es eher umgekehrt zu sein.

          Stroll, zusammen mit Geschäftsfreunden Mehrheitsbesitzer des Rennstalls Racing Point, hat mit diesem Konsortium so viel Geld in die an der Börse notierte Sportwagenmanufaktur investiert, dass er nun auch dort das Sagen hat. Deshalb wird der Formel- 1-Rennstall von 2021 an in Aston Martin umbenannt. Dann soll die weltweite Werbetour des Rennzirkus die 107 Jahre alte Schmiede wieder auf Touren bringen, potentielle Kunden anlocken, die auf den Transfer von Bolidentechnik in den Straßenrennwagen schwören.

          Groß geworden ist der Aston Martin im kollektiven Gedächtnis nicht wegen der eher unglücklichen Versuche in der Formel 1 Ende der fünfziger, Anfang der sechziger Jahre, sondern weil Waffenmeister Q Bonds Boliden mit versteckten Maschinengewehren einen handfesten Wettbewerbsvorteil im Rennen ums Überleben einbaute. Selbst mit der erlaubten Hilfe wird sich Agent Stroll schwertun. Zudem müsste die Formel 1 erst mal wieder kreisen. Vor dem Sommer scheint das kaum möglich zu sein. Die Corona-Krise wird zu erheblichen Einnahmeverlusten führen, eine Reihe Rennställe in existentielle Not bringen und nicht zuletzt Konzerne über ihre Beteiligung nachdenken lassen. Vor Aston Martin muss die Formel 1 sich selbst retten.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          „Da war ich richtig stolz“

          Liverpool-Trainer Klopp : „Da war ich richtig stolz“

          Auch der FC Liverpool zeigt Solidarität mit dem Protest nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd. Jürgen Klopp ist beeindruckt. Dazu kennt er nun das Datum, an dem er mit seinem Team Meister werden kann.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.