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Formel 1 : Lauter Schweiger

  • -Aktualisiert am

Abgesagt: 2011 findet kein Rennen in Bahrein statt Bild: dpa

Das Formel-1-Rennen in Bahrein fällt nun doch aus: Der politische Streit über das Rennen im Wüstenstaat zeigt, in welchem Dilemma Sport stecken kann. Unterschiedliche Interessen verstellen den Blick auf die Realität.

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          Das Aufatmen war spürbar. Bahrein verzichtet auf die Austragung eines Grand Prix, der offiziell willkommen wäre, den inoffiziell aber keiner haben will (siehe: Formel 1: Rennen in Bahrein abermals abgesagt). Jedenfalls nicht in diesem Jahr, in dem die Bilder von der gewaltsamen Unterdrückung der Demonstranten im Kopf präsent sind. Die späte Einsicht der Staatsmacht vom Donnerstag hilft all jenen, die sich seit Wochen um eine klare Aussage zu dem ungeliebten Rennen herumdrücken. Das Politikum Bahrein zeigt, in welchem Dilemma ein Sport steckt, dessen unterschiedliche Interessen den Blick auf die Realität verstellen.

          Die Formel 1 ist kein Ort der freien Meinungsäußerung. Die Sprachlosigkeit greift immer mehr um sich, weil jeder Konsequenzen fürchtet, wenn er sich zu weit aus dem Fenster lehnt. Gleichgültig zu welchem Thema. McLaren-Pilot Lewis Hamilton hatte Felipe Massa (Ferrari) und Pastor Maldonado (Williams) nach dem Rennen in Monte Carlo als Weicheier beschimpft, nachdem ihn die Rennleitung für seine rüde Fahrweise gegen die Kollegen bestraft hatte. Davon will der Brite heute nichts mehr wissen: „Das habe ich im ersten Ärger so dahingesagt. Jeder hat mal einen schlechten Tag.“

          Die Motorenhersteller trauen sich öffentlich nicht gegen die Pläne des Internationalen Automobil-Verbandes (Fia) Stellung zu nehmen, der von 2013 an mit Vierzylinder-Turbomotoren fahren will, obwohl Konzeptstudien inzwischen gezeigt haben, dass die Entwicklung der neuen Triebwerke viel mehr Geld verschlingen wird als gedacht. Alle haben Angst, man könnte ihnen vorwerfen, umweltfreundliche Absichten des Verbandes zu unterminieren. Dabei wäre das Ziel der Fia, 35 Prozent des Kraftstoffverbrauches einzusparen, auch mit den aktuellen Achtzylinder-Motoren realisierbar.

          Der einzige Mutige: Mark Webber (hier in Montreal bei einer Werbe-Kayaktour) hat Widerstand angekündigt

          Webber allein auf weiter Flur

          Als der Verband auf seiner Weltratsitzung am 3. Juni bekanntgab, den im März wegen politischer Unruhen abgesagten Grand Prix von Bahrein neu anzusetzen, klagten die meisten Betroffenen nur hinter vorgehaltener Hand. Die rühmliche Ausnahme war Red-Bull-Pilot Mark Webber. Der Australier traute sich zu sagen, was eigentlich die Aufgabe von Fia-Präsident Jean Todt, Vermarkter Bernie Ecclestone oder McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh als Präsident der Teamvereinigung Fota gewesen wäre; nämlich dass die Austragung des Rennens im Oktober angesichts der Menschenrechtsverletzungen und der nach wie vor präsenten Sicherheitsrisiken nicht akzeptabel ist. (siehe: Formel-1-Glosse: Komplizen im Kreisverkehr)

          Webbers ehrliche Meinung fand intern wenig Anklang. Man ließ den WM-Dritten von höherer Stelle wissen, dass eine derart deutliche Stellungnahme politisch unkorrekt sei. In Montreal wählte der Australier vorsichtigere Worte, ohne von seiner Haltung abzurücken. „Wir alle hoffen, dass wir in Zukunft in Bahrein wieder fahren können. Es ist vielleicht nicht klug, wenn wir sofort wieder hingehen.“ Webbers Kollegen dagegen blieben in Deckung. „Wir sind nur Fahrer und haben zu wenig Einblick in das, was dort wirklich passiert“, sagte Nick Heidfeld (Renault). „Das müssen andere für uns entscheiden.“

          Viele Gründe zur Treue zu Bahrein

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