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Formel-1-Kommentar : Ferrari sieht Rot

Auf ein Neues: Räikkönen nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 2007 Bild: dpa

Räikkönen zurück zu Ferrari - das ist die Nachricht des Jahres in der Formel 1. Der Finne hat alles richtig gemacht, aber für Ferrari ist die Verpflichtung ein Risiko. Fernando Alonso übt schon den Tiefflug.

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          Wollen wir hoffen, dass Luca Cordero di Montezemolo wusste, mit wem er da verhandelt hat. Die Scuderia Ferrari verpflichtet Kimi Räikkönen für die kommenden zwei Jahre als Formel-1-Piloten. So hatte es sich seit ein paar Tagen abgezeichnet, seit klar wurde, dass Red Bull auf die Fähigkeiten des Weltmeisters von 2007 verzichten würde. Nur: welcher Räikkönen hat denn wieder bei Ferrari unterschrieben?

          Kurzer Ausflug in die Erinnerung, Auftritt Montezemolo im Dezember 2008: „Der richtige Kimi ist für uns nur einen Teil dieser Saison gefahren“, sagte der Präsident von Ferrari damals, als die Leistungen des Finnen insbesondere im Vergleich zum Vorjahr rapide nachließen. „Danach hat er einen Freund geschickt, weil er selbst zu beschäftigt war. Das war auch ein guter Fahrer, aber nicht derjenige, der bei uns Weltmeister wurde.“

          Ende 2009 musste Räikkönen gehen, Platz machen für Fernando Alonso, just als Montezemolo seine Erklärung per Wiedervorlage verwendete, um den Ferrari-Fans zu erklären, warum ihr Idol Michael Schumacher bei Mercedes und nicht bei Ferrari sein Comeback geben würde: „Das war nicht mein Michael, das war ein anderer. Der richtige ist immer noch bei uns.“

          Natürlich glaubt Montezemolo, er habe nun den richtigen Räikkönen zurückgeholt. Aber hinter der lustigen Rhetorik aus dem piemontesischen Märchenwald liegt eine ernsthafte Erkenntnis: Die Scuderia glaubt nicht mehr daran, dass aus Alonso, in jungen Jahren zweimal Weltmeister gegen Ferraris deutschen Rekordweltmeister, der neue Schumacher wird. Nach Lage der Dinge wird auch Alonsos viertes Jahr in Maranello ohne Titel enden, voraussichtlich zum vierten Mal geschlagen von Red Bull und Sebastian Vettel.

          Deshalb Räikkönens Rückkehr, deshalb der Schwenk von der Chefpiloten-Taktik, die seit der Verpflichtung von Schumacher zur Saison 1996 gefahren wurde, zur Superteam-Strategie. Räikkönen und Alonso - stellt Ferrari dem Finnen ein ähnlich gutes Auto hin wie Lotus zurzeit, hat Ferrari auf dem Papier die stärkste Fahrerpaarung der Formel 1. Ist auch das Modell des Jahres 2014 zu langsam, ist Räikkönen der Falsche. Er ist keiner, der sich müht, ein Auto zu entwickeln. Montezemolo muss darauf vertrauen, dass seine Ingenieure bessere Arbeit machen.

          Alonsos Sonderbehandlung gehört der Vergangenheit an

          Tun sie es, kommt ein hartes Duell auf Alonso zu. Vorzugsbehandlungen wie zuletzt in Monza, als sich der nun verabschiedete Felipe Massa dafür hergeben musste, den Spanier im Windschatten über das Autodromo Nazionale zu ziehen, gehören der Vergangenheit an. Als Alonso 2007 bei McLaren interne Konkurrenz durch Lewis Hamilton bekam, sah er rot. Die beiden Piloten im besten Auto der Saison zofften sich, Räikkönen schnappte sich im unterlegenen Ferrari den WM-Titel, Alonso flüchtete zurück zu Renault.

          Kaum anzunehmen, dass der Spanier seine Herabstufung nun gleichmütig hinnimmt. Am Mittwoch begrüßte er Räikkönen als seinen „neuen Reisebegleiter“. Der Spanier übt schon den Tiefflug. Der von Vettel dominierten Formel 1 konnte nichts Besseres passieren. Räikkönen und Alonso müssen sich nicht aufstacheln wie einst Ayrton Senna und Alain Prost bei McLaren. Der Finne ist auch nicht der Typ für ein Psychoduell unter Rivalen der Rennbahn. Er will Gas geben und ansonsten seine Ruhe. Aber für teaminternen Abrieb reicht ein Raser mit erhöhtem Blutdruck.

          Räikkönen hat derweil das erfolgreichste Comeback in der Formel 1 seit Alain Prost 1993 hingelegt. Und nach den 17 Millionen Euro, die Ferrari ihm einst zahlte, nicht mehr für sie zu fahren, kassiert Räikkönen nun eine noch höhere Summe, um es wieder zu tun. Glückwunsch.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

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