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Formel-1-Kommentar : Der Chefpilot

  • -Aktualisiert am

Die Nummer 1 im Kreisverkehr: Lewis Hamilton Bild: Reuters

Es ist nicht erheblich, ob Hamilton mit 100 oder 140 Millionen an der Spitze der Geldrangliste in der Formel 1 steht. Entscheidend ist, ob er seine Position im Team verbessern konnte.

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          Das ist ein beliebtes Spiel: Welcher Fahrer verdient das meiste Geld in der Formel 1? Wird es vom nächsten Jahr an Lewis Hamilton sein oder bleibt der McLaren-Mann Fernando Alonso der Krösus der Liga? Vielleicht liegt auch Sebastian Vettel mit den Überweisungen von Ferrari ganz vorne in der Geldrangliste. Kaum jemand ist genau im Bilde. In Europa schweigen die Heroen bei Fragen zum Gehalt, während die Bezahlung der Sportstars in den Vereinigten Staaten ganz selbstverständlich veröffentlicht wird. Angeblich liegt das am Mentalitätsunterschied.

          In Übersee reagieren die Menschen überwiegend mit Hochachtung auf die Gehaltserhöhung für Superverdiener, in Deutschland soll sie angeblich der Neid packen. Hamilton kann es egal sein, ob er hier Missgünstige und dort Gönner erlebt. Denn es ist angesichts der Geheimhaltung nicht erheblich, ob er mit 100 oder 140 Millionen an der Spitze des Fahrpersonal in der Formel 1 steht. Entscheidender ist, ob er seine Position im Team verbessern konnte. Deshalb sind Vertragsverlängerungen in einem Top-Rennstall mit Aussicht auf eine Sieges-Ära keine Petitesse.

          Die Privilegien mögen Hamilton noch mehr unter Druck setzen

          In den mitunter einhundert und mehr Seiten starken Verträgen wird zwar selten ein Nummer-Eins-Status fixiert. Dann machte sich ein Rennstall abhängig von den Launen seines Angestellten. Aber alle Details zusammengenommen verleihen einem Mann vom Format Hamilton das Gefühl, nun der inoffizielle Chefpilot zu sein. Mercedes, dass lässt sich auch ohne Kenntnis der Zahlen sagen, wird nun mehr Geld und Aufmerksamkeit in den Engländer investieren als in den Teamkollegen Rosberg.

          Wahrscheinlich hat der Rennstall dem Jet-Set-Freund mit Neigung zu Überseeausflügen unter der Woche auch größere Freiheiten eingeräumt als dem sittsamen Familienmenschen Rosberg. Das viele Geld, die Privilegien mögen Hamilton noch mehr unter Druck setzen, ständig den Gegenwert abzuliefern: Bestzeiten, Siege, falls das Auto mal nicht so dominant ist. Aber gleichzeitig wird die Teamführung alles tun, damit die eigenen Entscheidungen als klug und gerechtfertigt erscheinen. Also im Zweifel Hamilton stützen und sei es zur Selbsterhaltung oder gar nur unterbewusst.

          Insofern ist mit dem Vertragsabschluss die nächste Phase in einer spannenden Auseinandersetzung der beiden Piloten erreicht. Rosberg sieht nach seiner Niederlage im WM-Kampf 2014 und nach seinem brillanten Sieg vor zwei Wochen in Barcelona endlich wieder die Chance, Hamiltons Solotour zu stoppen.

          So wie es ihm vor einem Jahr in Monaco und in den folgenden Rennen bis in den Hochsommer hinein gelang. Diesmal wird es noch schwieriger. Denn so sehr sich Teamchef Toto Wolff und der Aufsichtsratsvorsitzende des Rennstalls, Niki Lauda, auch als Gleichstellungsbeauftragte verkaufen. Rosberg wird das Gefühl beschweren, im Kampf um die Führung im Rennstall nicht nur gegen den Weltmeister fahren zu müssen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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