https://www.faz.net/-gtl-7ldxi

Formel-1-Kommentar : Angst vor Ecclestone

Der Chef: Niemand wagt sich mit einer Alternative zu Bernie Ecclestone aus der Deckung Bild: dpa

Der greise Chef der Formel 1 wird wegen Bestechung angeklagt, aber von keinem Rennstall ist zu hören, was überfällig ist: Die Aufforderung an Ecclestone, zur Seite zu treten.

          2 Min.

          Auch nach den schönsten Träumen klingelt irgendwann der Wecker. Klingeling. Alle wach? Von wegen. Bernie Ecclestone wird vor dem Landgericht München angeklagt, weil er den Bayern-LB-Banker Gerhard Gribkowsky mit 44 Millionen Dollar bestochen haben soll. Das glauben die Staatsanwälte belegen zu können und das ist keine sonderlich große Überraschung, schließlich wurde Gribkowsky wegen Bestechlichkeit zu acht Jahren Haft verurteilt. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe, auch das ist bekannt.

          Ebenso wenig überrascht, dass der Besitzer der Formel-1-Vermarktungsrechte, das Unternehmen CVC, an Ecclestone festhält. Der am Donnerstag verkündete Rückzug aus dem Vorstand der Formel-1-Holding ist nicht mehr als ein Beschwichtigungsversuch an Mitspieler etwa vom Format Mercedes. Ecclestone bleibt der Steuermann.

          Von den Formel-1-Teams, den Männern und Frauen, ohne die sich kein Rad drehen würde und CVC sein lukratives Geschäft nicht betreiben könnte, gab es dazu kaum einen Kommentar. Dabei reißt Ecclestone mit der Zahlung an den Banker, vor dem er Angst gehabt haben will, die Messlatte des Daimler-Konzerns, der von sich und seinen Geschäftspartnern ein „Höchstmaß an Integrität“ fordert. Von keinem Rennstall ist zu hören, was überfällig ist: Die Aufforderung an Ecclestone, zur Seite zu treten.

          Seine Zeit ist abgelaufen, unabhängig vom Ausgang des Verfahrens. Der Wecker hat längst geklingelt. Nur traute sich niemand, nach den Alarmsignalen auch zu handeln, Ecclestone herauszufordern oder gar in Rente zu schicken. Weder die unterfinanzierten Teams, bei denen seit Jahren über den kleinen Briten geklagt wird – hinter vorgehaltener Hand. Und erst recht nicht die wenigen Rennställe, die vom Renngeschäft auch in diesen Zeiten bestens leben können, Ferrari zum Beispiel, und Red Bull. „Die Aufregung legt sich“, sagt der Österreicher Helmut Marko, Motorsportchef von Sebastian Vettels Weltmeisterteam, zur Anklage. Da legst dich nieder.

          Verglichen mit den englischen und deutschen Fußballligen oder der amerikanischen NFL wirkt die Formel 1 noch immer, als würde sie geführt wie in den siebziger und achtziger Jahren, von Ewiggestrigen. Noch immer wagt sich niemand mit einer Alternative zum greisen Chef aus der Deckung. Die großen Gewinner der vergangenen Jahre haben die Sorge, in einem neuen System nicht mehr von Ecclestones Führungsprinzip profitieren zu können, ihren Rang zu verlieren. Die kleinen fürchten, den alten, nach wie vor schnelldenkenden Mann werde auch der nächste Prozess nicht aus der Kurve tragen. Seine Rache wäre blutig. Also beugen sie sich weiter dem Gerontokraten aus London. Das ist beinahe würdelos. In jedem Fall aber feige.

          Topmeldungen

          Oxfam stellt unter dem Titel „Frauen arbeiten unbezahlt, Milliardäre machen Kasse“ verschiedene Forderungen.

          Oxfam : „Ein Wirtschaftssystem für reiche Männer“

          Oxfam prangert die Benachteiligung von Frauen durch ungleiche Arbeitsteilung in Familien an. Gefordert werden höhere Ausgaben für die Kinderbetreuung und gezielte Entwicklungshilfe für Frauen in ärmeren Ländern.
          Byebye, London? Mitglieder des britischen Oberhauses bei der Eröffnung des Parlament im Westminster Palace (Archivbild)

          Johnson-Plan : Britisches Oberhaus nach York?

          Der Westminster Palace muss dringend renoviert werden. Die britische Regierung prüft, das House of Lords zu verlegen. Der Umzug könnte dauerhaft sein.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.