https://www.faz.net/-gtl-8l23j

Formel-1-Kommentar : Am Limit

Er bringt alles mit, um ein Großer zu werden: Max Verstappen Bild: AFP

Max Verstappen bringt alles mit, was nötig ist, um in der Formel 1 groß herauszukommen. Für die Konkurrenz ist das ein Problem. Dabei sollte sie ihm eigentlich dankbar sein.

          2 Min.

          Auf einen wie ihn haben sie gewartet: jung und unerschrocken, schnell und streitbar. Max Verstappen bringt alles mit, was nötig ist, um in der Formel 1 groß herauszukommen. Das wiederum ist ein Problem. Denn die Etablierten der Szene kämpfen mit aller Macht gegen den Angriff der Jugend, sie wissen ganz genau, dass da einer die Bühne aus Asphalt betreten hat, der ihnen die Pokale und Titel wegschnappen will - und dazu auch in der Lage ist. Diese Attacke auf die Spitze hat längst begonnen, auch wenn die beiden Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton und Nico Rosberg das Titelrennen in diesem Jahr wieder unter sich ausmachen werden. Aber danach? Verstappen ist ein heißer Kandidat, ein künftiger Weltmeister zu werden.

          Vor einer Woche hat der Achtzehnjährige in Spa-Francorchamps demonstriert, wie kompromisslos er dabei vorgehen kann. Jenseits von Tempo 350 wechselte er noch einmal die Linie, setzte sich direkt vor dem Ferrari von Kimi Räikkönen und zwang den erfahrenen Finnen dazu, seinen Angriff abzubrechen, wollte er keinen Unfall riskieren. Was folgte, war ein Aufschrei des Entsetzens im Fahrerlager, weil sich der Neue nicht den Gesetzen der Branche beugen wollte, ein eigenes Maß von Risiko einführte und so sich und andere in Gefahr zu bringen schien.

          Kompromisslos auf der Strecke - das macht ihm die Konkurrenz zum Vorwurf
          Kompromisslos auf der Strecke - das macht ihm die Konkurrenz zum Vorwurf : Bild: Reuters

          Sicher, die Aktion von Verstappen war grenzwertig. Die Streckenkommissare ließen ihn gewähren und verzichteten auf eine Bestrafung, erst in Monza sprach Rennleiter Charlie Whiting nun eine ernsthafte Warnung aus. Dabei ist der Niederländer mit seiner Art in bester Gesellschaft. Michael Schumacher legte sich gleich bei seiner ersten Trainingssitzung 1991 in Spa-Francorchamps mit Weltmeister Alain Prost an, zeigte dem Franzosen sogar die Faust, weil er sich von ihm behindert gefühlt hatte. Kurz danach geriet der Deutsche auch noch mit Ayrton Senna aneinander, so sehr, dass der Brasilianer sogar handgreiflich wurde. Auch Senna hatte zuvor schon die Grenzen in diesem Sport verschoben, verteidigte sich schon mal, indem er Zickzack fuhr. Manöver, die Traditionalisten dieses Sports gern anführen, wenn sie über die gute alte Zeit sprechen, in der alles so viel besser gewesen sein soll: die Typen, die Boliden, die Überholmanöver.

          Nun kommt einer, der anknüpft an diese Zeit. Dafür sollten sie ihm dankbar sein. Denn Verstappen bringt der Formel 1 manches von dem zurück, was schon verloren schien: Darüber reden die Zuschauer, darüber diskutieren und streiten sie und schalten beim nächsten Mal wahrscheinlich wieder ein, weil sie wissen wollen, mit wem sich dieser Teenager von Red Bull dieses Mal wieder angelegt hat. Der Ausgang dieser Geschichte ist noch immer ungewiss. Verstappen allerdings ist ganz sicher kein Sicherheitsrisiko, er ist ein Unterhaltungsfaktor.

          Michael Wittershagen
          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Menschen in der Wiesbadener Fußgängerzone

          Sinkende Impfbereitschaft : Sorgen vor dem Corona-Herbst

          Während die Infektionszahlen weiter steigen, lassen sich immer weniger Menschen gegen das Virus impfen. In Berlin wachsen die Befürchtungen, dass neue Einschränkungen nötig werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.