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Formel 1 : Kleber gegen Flugsand, Computersimulation gegen Unkenntnis

  • -Aktualisiert am

Formel 1 im Wüstensand Bild: dpa/dpaweb

Erstmals seit 1999, als der Grand Prix von Malaysia Premiere feierte, betritt der Troß wieder Neuland. Doch Abenteuer sind nicht gerade beliebt bei der planungswütigen High-Tech-Gesellschaft der Formel 1.

          3 Min.

          Ein Sandsturm sollte möglichst ausbleiben. Auch so fürchten die Formel-1-Teams vor dem Großen Preis von Bahrein am kommenden Wochenende schon die feinen Korallenkörnchen, die in dem Inselstaat allgegenwärtig sind und ständig auf die Fahrbahn geweht werden. "Das größte Fragezeichen", findet Weltmeister Michael Schumacher, "ist der Sand. Jeder ist wohl gespannt darauf, wie sich der auswirkt - ob man dann Sand im Getriebe haben wird."

          Evi Simeoni
          Sportredakteurin.

          Die Bedenken jedenfalls sind so groß, daß schon der Versuch unternommen wurde, den Sand mit Kleber am Boden zu binden. So ist es nun einmal, wenn man sich von Bernie Ecclestone in die Wüste schicken läßt: Man muß sich vorsehen, daß man keinen Staub schluckt, oder gar darauf ausrutscht. "Man kann sich darauf vorbereiten", findet Schumacher, der makellose WM-Führende, der im dritten Saisonrennen auf dem heißen Asphalt von Bahrein im Ferrari seinen Siegeszug fortsetzen will.

          Abenteuer sind unbeliebt

          Sogar die Formel 1 weiß manchmal, daß sie zu wenig weiß. Erstmals seit 1999, als der Grand Prix von Malaysia in Sepang Premiere feierte, betritt der Troß wieder Neuland. Erstmals auch führt die jährliche Tournee des Formel-1-Zirkus auf arabischen Boden. Also schwärmt man offiziell von dem Gastspiel in einem modernen Golfstaat und träumt ein bißchen von Tausendundeiner Nacht.

          Bild: Dpa

          Doch in Wirklichkeit sind Abenteuer nicht gerade beliebt bei der planungswütigen High-Tech-Gesellschaft in den Fabriken, den Labors und den Boxen. Darum war man froh, vom Internationalen Automobilverband eine hochwertige Computersimulation der Rennstrecke zu bekommen, die - wie zuletzt alle neuen Kurse - ein Werk des Aachener Architekten Hermann Tilke ist. Daß der Bereich von Start und Ziel der Wüstenstrecke einer erfrischenden Oase gleichen soll, war da nicht das entscheidende Detail. Es geht um Abmessungen, Kurvenradien, die Ideallinie und viele Daten mehr, um schon einmal eine Basis-Einstellung der Rennwagen herausfinden und einen Grundsatzplan für die Rennstrategie erarbeiten zu können.

          Testvorteil für BMW-Williams?

          Die wichtigsten Daten des neuen Grand-Prix-Kurses: Er ist 5,417 Kilometer lang, hat in etwa die Umrisse eines liegenden Hundes, zwölf Kurven und eine mehr als einen Kilometer lange Gerade bei Start und Ziel. Als spektakulärste Überholmöglichkeit wird vorerst die bergab führende Anfahrt zur Haarnadelkurve auf der Rückseite der Strecke angegeben. Die Kosten des Neubaus in Sakhir, 30 Kilometer von der Hauptstadt Manama entfernt: 123 Millionen Euro. Kronprinz Shaik Salman bin Hamad bin Isa al Khalifa, heißt es, soll ihn, inklusive der für den Bau notwendigen 3000 Sprengungen, komplett aus eigener Tasche bezahlt haben.

          Fest steht, daß es nach dem tropischen Rennen von Malaysia einen weiteren heißen Kampf geben wird. Die Temperatur beträgt zur Zeit um die 30 Grad Celsius, allerdings wird es sich diesmal um trockene Hitze handeln. "Doch wir werden mit mehr Fragen als Antworten nach Bahrein fahren", sagt Sam Michael, der Chefingenieur von BMW-Williams. Die Konkurrenz wiederum sieht den Rennstall von Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher im Vorteil. Schließlich konnte Williams-Testfahrer Marc Gene vor zwei Wochen mit dem Formel-1-Renner des Vorjahres acht Runden auf dem neuen Asphalt zurücklegen. So konnte der Reifenhersteller Michelin - zum Ärger des Konkurrenten Bridgestone, der unter anderen Ferrari ausstattet - bereits Daten über die Oberflächenbeschaffenheit der Strecke sammeln.

          Premiere bis vor wenigen Wochen unsicher

          "Das wird uns höchstens in der ersten halben Stunde des ersten freien Trainings etwas nützen", wiegelte Patrick Head, der Technische Direktor von Williams, ab. Das freie Training am Freitag wird also für das ganze Feld spannend werden. Die Teams brauchen unzählige Informationen, etwa über Benzinverbrauch, Reifenabrieb und über die Zeit, die man für einen Boxenstopp veranschlagen muß, um sich über ihre Rennstrategie klarzuwerden.

          Michael Schumacher findet es nicht so schwierig, sich auf einer neuen Rennstrecke zurechtzufinden. Schließlich müsse man sich auch auf den gewohnten Pisten auf immer wieder neue Bedingungen einstellen. "Und eine neue Strecke zu erfahren ist immer schön." Wenn stimmt, was das englische Fachmagazin "Autosport" gemeldet hat, dann wäre dem Kerpener dieses Vergnügen allerdings beinahe entgangen. Noch vor wenigen Wochen soll Streckenchef Philippe Gurdjian eine Rennabsage vorgeschlagen haben, weil er befürchtete, die Anlage, die in nur 16 Monaten errichtet wurde, nicht komplett fertigstellen zu können. Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone habe dies jedoch abgelehnt, worauf mit erhöhtem Einsatz weitergebaut worden sei. Geschwindigkeit ist eben alles in der Vollgasbranche.

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