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Formel 1 in Montreal : Kein Geniestreich für Vettels „Gurke“

Vettel (links) freut sich mit Sieger Ricciardo - und ärgert sich doch Bild: REUTERS

Den ersten Sieg von Red Bull über Mercedes hätte Vettel gerne selbst eingefahren. Teamkollege Ricciardo aber gewinnt, weil der Weltmeister vergeblich auf einen Geniestreich der Ingenieure wartet.

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          Gute Miene zum bösen Spiel? Mit etwas Abstand zum Großen Preis von Kanada am Sonntag in Montreal schaute Sebastian Vettel nicht zufrieden aus der Wäsche. Im ersten Moment nach dem Sprung aus dem Cockpit hatte er seinen Teamkollegen Daniel Ricciardo noch hochleben lassen. Der erste Sieg des australischen Teamkollegen vor Nico Rosberg und ihm selbst war dem Champion jedenfalls eine ungezwungene Gratulation wert.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Aber den ersten Sieg von Red Bull über Mercedes in dieser Saison hätte Vettel gerne selbst eingefahren, ja er beanspruchte ihn sogar ein bisschen und relativierte das Glücksgefühl als äußerst glücklichen Moment: „Entschuldigung, man muss ja mal sagen, dass da mit unserer Gurke auf der Geraden nichts geht“, sagte Vettel nach dem Rennen.

          „Es ist frustrierend, wenn man 50 Runden hinterherfährt, versucht, etwas Cleveres zu überlegen, sich zurückfallen lässt, die Reifen schont, sich herankämpft – und das aber alles nichts bringt, weil die Power fehlt. Obwohl der Sieg in Reichweite war.“

          Red Bull hat in Kanada von der Schwäche bei Mercedes profitiert, vom Ausfall der Extra-Power aus den Batterien (rund 166 PS) und vom Bremsschaden am Boliden von Lewis Hamilton. Aber ausgerechnet der viermalige Weltmeister, Chefpilot der vergangenen vier Jahre, konnte diese erste Gelegenheit nicht nutzen. Obwohl er lange auf Rang drei gelegen hatte hinter den beiden Silberpfeilen.

          Der Weltmeister fährt dem neuen Kollegen in Montreal hinterher

          Vettel sprach hinterher von einer fehlenden Kreativität der Taktiker, weil er so lange hinter Nico Hülkenberg (im Force India Fünfter) steckengeblieben war. „Letzten Endes war mein Rennen zu diesem Zeitpunkt vorbei. Wir kamen nicht vorbei. Ohne die Probleme von Force India wären wir auch zum Ende nicht vorbeigekommen. Das ist natürlich schade, denn ich hatte mir gewünscht, dass uns etwas Cleveres mit der Strategie einfällt.“

          Aber Vettel wartete vergeblich auf einen Geniestreich der Ingenieure an der Boxenmauer: „Ich bin sehr angefressen, weil die Strategie mich über das Knie gelegt hat. Denn um Zweiter oder Dritter zu werden, bin ich nicht da. (…) Ich habe mein Rennen verloren und den Sieg hergeschenkt, weil uns nichts Cleveres eingefallen ist. Da hätten wir besser reagieren können.“

          Erster Sieg, großer Jubel: Ricciardo holt die volle Punktzahl für Red Bull

          Vettel hätte sich einen späteren Boxenstopp gewünscht, also mehr Risikobereitschaft mit Blick auf die Einsatzzeit der Reifen. Aber der Ruf zum Reifenwechsel führte immerhin dazu, dass der Heppenheimer auf diesem Weg endlich an Hülkenberg (mit Mercedes-Motor) vorbeikam. Allerdings schlüpfte eine Runde später Ricciardo via Boxenstopp an Vettel vorbei.

          Reinfahren, Reifen wechseln, rausfahren: Der Australier absolvierte diese Phase um rund 1,5 Sekunden schneller der Deutsche – und brachte sich so in die Sieg-Position. Die Entscheidung fiel also auf der Strecke.

          Felipe Massa und Sergio Perez fliegen ab, Vettel hat Glück

          Abgesehen von den Diskussionen über vermeintliche Fehlentscheidungen und technische Schwächen bei Red Bull und Mercedes hat der Grand Prix ein ernsthaftes Nachspiel für zwei Piloten. Die Streckenkommissare bestraften überraschend den Mexikaner Sergio Perez (Force India). Er soll die Kollision mit Felipe Massa (Williams) zum Ende der vorletzten Runde ausgelöst haben, als er den heranstürmenden Brasilianer mit einem Schlenker nach links zu bremsen versuchte.

          Massa prallte gegen das linke Hinterrad des Boliden, beide Autos landeten in den Leitplanken, die Fahrer konnten selbständig aussteigen. Perez wird nun beim Großen Preis von Österreich am 22. Juni um fünf Startplätz nach hinten versetzt, Marussia-Pilot Max Chilton um drei. Er hatte in der ersten Runde seinen Teamkollegen Jules Bianchi von der Piste gefegt.

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