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Formel 1 : Jenson Button ist Weltmeister

  • -Aktualisiert am

Weltmeister: Jenson Button nach dem Titelgewinn von Sao Paolo Bild: REUTERS

Sebastian Vettel landete in Sao Paulo vor Jenson Button, der Brite holte sich beim Großen Preis von Brasilien aber die nötigen Punkte für den WM-Titel. Das Rennen gewann Vettels Teamgefährte Mark Webber.

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          Als Mark Webber über seinen Sieg beim Großen Preis von Brasilien auf dem Podium vor Freude taumelte, tanzte der neue Formel-1-Weltmeister ausgelassen durch das Fahrerlager. Rang fünf reichte Jenson Button am Sonntag in Sao Paulo für seinen ersten WM-Titel. Ein Rennen vor dem Finale der Saison in Abu Dhabi ist der Engländer von Brawn GP mit 89 Punkten in der Fahrerwertung nicht mehr einzuholen. Sebastian Vettel rückte als Vierter hinter seinem Teamkollegen bei Red Bull, Webber, Robert Kubica im BMW-Sauber und Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) auf Platz zwei der Gesamtwertung vor (74). Der Heppenheimer verdrängte den fairen Verlierer des Tages. Rubens Barrichello (72), wie der Weltmeister ein Brawn-Pilot, war wegen eines Reifenschadens auf Platz acht zurückgefallen. Und hatte dennoch im Ziel die Kraft, Button innig zu umarmen.

          „Es war so knapp, es hätte so viel schief gehen können“, sagte Button. Er rang um Luft, immer wieder brach die Freude aus dem 29 Jahre Engländer heraus. „Ich bin mein bestes Rennen gefahren. Es hätte in der ersten Runde schon alles vorbei sein können.“ Die drei WM-Kandidaten kamen unbeschadet davon, als die Fetzen flogen. Adrian Sutil (Force India) etwa übersah auf Rang vier unverschuldet Jarno Trulli, dessen Toyota quer über die Piste schoss. Trulli stellte den Gräfelfinger Sutil auf der Piste wütend zur Rede, wurde dafür nach dem Rennen vom Internationalen Automobilverband FIA verwarnt und muss 10.000 Dollar Strafe zahlen. In der Box fing unterdessen der Ferrari von Raikkönen Feuer. Heikki Kovalainen hatte die Neutralisierung des Rennens durch das Sicherheitsfahrzeug für einen Stopp mit seinem McLaren-Mercedes genutzt, aber bei der Abfahrt gleich den ganzen Tankschlauch samt Füllung mitgerissen. Der Benzinregen verpuffte in einer Stichflamme rund um den folgenden Ferrari. Räikkönen setzte seine Tour unbeeindruckt fort. McLaren-Mercedes muss 50.000 Dollar Strafe zahlen.

          Die Auftaktrunde demonstrierte den rund 100.000 Zuschauern in Interlagos, was selbst bei Hinterbänklern noch auf dem Spiel stand. Als unerbittliche Zweikämpfer stellten sich zwei vor, die das chaotische Qualifikationstraining vom Samstag weit nach hinten gespült hatte. Vettel und Button waren wegen falscher Entscheidungen im von Gewittern unterbrochenen Startplatzrennen nur in der siebten und achten Startreihe gelandet. Weil Barrichello von der Pole-Position aus startete, musste nicht nur Vettel, sondern auch Button Gas geben. Entsprechend aggressiv fuhren die beiden nach dem (fliegenden) Neustart auf den Rängen neun und elf. „ Es hat mir unglaublich viel Spaß gemacht“, schilderte der neue Weltmeister: Button auf Überholkurs!

          Der Schnellste: Jenson Button

          Vettels Prestigeerfolg

          Eine halbe Saison hatte die Formel 1 auf diese Bilder gewartet. Button wagte riskante Linien, drückte sich an vier Kollegen vorbei mit waghalsigen Manövern. Vettel folgte ihm - notfalls mit Vollgas über das Gras am Rande der Piste. Voran kamen beide auch durch Ausfälle, unter anderem musste Nico Rosberg Rang vier wegen eines Getriebeproblems im Williams aufgeben. Button auf sechs, Vettel auf sieben: Das reichte weder für den deutschen noch für den brasilianischen Verfolger im WM-Kampf.

          Vettel schob sich noch über die Strategie an dem Engländer. Aber Barrichellos Heimrennen entwickelte sich zur großen Niederlage. Hamilton verdrängte ihn sogar noch von Rang drei. Und als alles gelaufen war, ging Barrichello auch noch die Luft aus. Ein Reifenschaden warf ihn auf Rang acht zurück. Wahrscheinlich war es die letzte Chance für den 37 Jahre alten Mann aus Sao Paulo, einen lang gehegten Wunsch zu erfüllen. Bei Brawn wird er seinen Abschied nehmen. Für ihn soll Nico Rosberg im Brawn-Mercedes Platz nehmen.

          Brawn rettete Titel ins Ziel

          Der Deutsche wiederum darf sich auf ein Weltmeisterteam freuen, dass in dieser Saison zwei wesentlichen Ansprüchen genügte: Es baute ein auch dank des Mercedes-Motors schnelles, aber vor allem standfestes Auto. Ein einziges Mal ist der Engländer in diesem Jahr nicht ins Ziel gekommen. Weil ihn ein Kollege in Spa-Francorchamps von der Piste rammte. „Wir hatten in der ersten Saisonhälfte das bessere Auto, Red Bull in der zweiten“, sagt Teamchef Ross Brawn: „Unser Auto war wegen des späten Motorwechsels von Honda zu Mercedes aber immer mit Kompromissen behaftet. Es ist zum Beispiel zu schwer. In den ersten Rennen ist das nicht aufgefallen, weil wir zu überlegen waren. Aber als unsere Kontrahenten schneller wurden, da haben wir für diese Kompromisse bezahlt.“

          Den Vorsprung retteten BrawnGP und Button über die zweite Saisonhälfte, weil sich das Team aus Brackley weniger Pannen als Red Bull und Vettel leistete. „Es gibt wohl einen, der sich besser fühlt als ich“, sagte der junge Hesse sichtlich betrübt: „Wir haben ein paar Fehler gemacht, die man nicht machen darf, wenn man Weltmeister werden will.“

          Ross Brawn ist der wahre Champion

          Als Schlüsselfigur für den Erfolg von Brawn gilt der Teamchef. Als sein Rennstall im Sommer wegen Problemen mit der Reifentemperatur ins Mittelfeld abzustürzen drohte, drehte Brawn das Rad zurück. Motto: Was war vorher, und warum war es gut, und was ist jetzt, und warum ist es schlecht? Mit einem Rückschritt kamen sie wieder vorwärts: „Um sich das einzugestehen, brauchst du einen, der in schwierigen Zeiten nicht ausflippt“, sagt Barrichello: Brawn.

          Der krempelte Honda um und machte sich nach dem Ausstieg der Japaner allein auf den Weg. Dazu beflügelte die Konkurrenz. McLaren-Direktor Ron Dennis hatte seine Zustimmung zu der Belieferung von BrawnGP mit Mercedes-Motoren so erklärt: „Dieses Team wird mir keine schlaflosen Nächte bereiten.“ Seit Sonntag stellt es nicht nur den Fahrerweltmeister. Souverän gewann Brawn auch die Konstrukteurs-WM. (siehe auch: Formel-1-Kommentar: Weltmeister nach Punkten)

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