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Formel 1 : Die schmerzende Sucht des Jenson Button

„Wenn du gewinnst, wirst du süchtig“: Jenson Button. Bild: AFP

Jenson Button fährt seit 28 Jahren Rennen – und lernt doch neue Qualen kennen. Im McLaren fährt er in der Formel 1 weit hinterher. Nun verrät Button, warum er trotzdem noch nicht aufhören will.

          Zwei Weltmeister, Seite an Seite, auf dem Siegerpodest. Strahlende Mienen, winkende Hände, geballte Fäuste. Fernando Alonso und Jenson Button, Arm in Arm. 32 Grand-Prix-Siege der eine, Alonso, Weltmeister 2005 und 2006. 15 Grand-Prix-Siege der Engländer Button, Weltmeister 2009, damals bei BrawnGP, seit 2010 bei McLaren. Es könnte so schön sein. Und ist doch nur eine Momentaufnahme. Ein Scherz. Ein guter. Aber auch ein bitterer, ein böser.

          Denn es war der Samstag von São Paulo, als Alonso und Button Seite an Seite auf dem Siegerpodest standen, zur Gaudi der Zuschauer, aber wohl mehr zum eigenen Verdruss, denn die Konkurrenten von Mercedes, Red Bull und Ferrari drehten noch ihre Runden im Qualifikationstraining. Sie waren wieder einmal schneller, viel schneller als Button und Alonso, die McLaren-Piloten. Zeit für eine Stippvisite auf dem Siegerpodest. „Näher kommen wir dem Podium in nächster Zeit nicht mehr“, sagte Alonso anschließend. „Mehr Spaß hatte ich das ganze Wochenende nicht“, sagte Button.

          Elfter, Ausfall, Vierzehnter, Ausfall vor dem Start, Sechzehnter, Achter, Ausfall, Ausfall, Ausfall, Neunter, Vierzehnter, Vierzehnter, Ausfall, Sechzehnter, Neunter, Sechster, Vierzehnter, Vierzehnter: die Statistik von Button, dem erfahrensten Formel-1-Piloten der Gegenwart, im Jahr 2015, dem 16. seiner Formel-1-Karriere. Damit ist er der erfolgreichere der beiden McLaren-Honda-Piloten in diesem Jahr - so schlimm ist es um diese wiederbelebte Partnerschaft bestellt.

          Zwischen 1988 und 1992 gewann das Team noch viermal die Fahrer- und viermal die Konstrukteursweltmeisterschaft. Als Honda bekanntgab, ab 2015 wieder McLaren-Partner zu sein, flimmerten Reminiszenzen an jene Jahre durch jede Werbebotschaft. In der Gegenwart gibt es nichts zu vermarkten. Auch deshalb müssen Button und Alonso vor dem letzten Rennen des Jahres in Abu Dhabi an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr MEZ / Live bei RTL, Sky und im Formel-1-Ticker bei FAZ.NET) auf Ironie machen. „What a waste of talent“, welch eine Verschwendung, sagte der ehemalige Pilot und heutige BBC-Experte David Coulthard jüngst mit Blick auf die Fahrer.

          „Es kommt nicht darauf an, was wir euch erzählen“

          Warum tut sich Button das an? Warum fährt er auch im kommenden Jahr für McLaren-Honda? „Werde ich in letzter Zeit dauernd gefragt“, sagt er. „Ich liebe das Rennfahren. Solange du davon nicht gelangweilt bist, gibt es keinen Grund, aufzuhören.“ Button ist 35 Jahre alt, stand bei 283 Grands Prix am Start, mehr als jeder andere der heutigen Formel-1-Piloten.

          „Als Erwachsener, als intelligenter Mensch musst du akzeptieren, dass du durch schwierige Zeiten musst, um deine Ziele zu erreichen. Mit einem neuen Motorenhersteller gewinnst du im ersten Jahr niemals ein Rennen. Und du bekommst nach jedem Rennen die gleichen Fragen zu hören. Aber es kommt nicht darauf an, was wir euch, den Journalisten, erzählen. Es kommt darauf an, was wir hinter den Kulissen tun. In den letzten zwei Monaten ging es in Sachen Zusammenarbeit gewaltig voran. Ich bin glücklich. Sonst hätte ich mich nicht entschieden, kommendes Jahr zu bleiben.“

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