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Formel-1-Ingenieure : Jagdsaison in der Schattenwelt

Männer für Millionen: Ingenieure sind in der Formel 1 begehrt wie Daniel Düsentrieb Bild: Rüchel, Dieter

Vettel, Alonso, Hamilton prägen das Bild der Formel 1. Doch sie sind abhängig von den Experten in ihren Teams. Die Suche nach den besten Motorsport-Ingenieuren der Welt lassen sich die Rennställe Millionen kosten.

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          Es ist eine Schattenwelt. Ohne Namen und ohne Gesichter - zumindest für die Öffentlichkeit. Sie besteht vor allem aus Männern, den Besten ihres Fachs: Ingenieure, Techniker und Mechaniker. Begehrtes Fachpersonal für die Rennställe in der Formel 1. Die Verantwortlichen der Teams fahnden permanent nach diesen Leuten, machen Angebote und werben ab. Das alles geschieht im Verborgenen. „Auf unserer Liste stehen gerade fünf Namen“, verrät Toto Wolff, der Motorsportchef von Mercedes.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Bekannteste von ihnen: Paddy Lowe, ehemaliger Technischer Direktor von McLaren. Der Engländer wird in der kommenden Saison für Mercedes arbeiten, nur eine offizielle Bestätigung dieses Wechsels steht noch aus.

          Neunzehn Rennen von März bis November, ein Spektakel auf vier Kontinenten. Typen wie Sebastian Vettel (Red Bull), Fernando Alonso (Ferrari) oder Lewis Hamilton (Mercedes) prägen das Bild der Formel 1. Rad an Rad kämpfen sie auf dem schmalen Asphaltband um die beste Position, danach stehen sie im Scheinwerferlicht, geben Erklärungen ab, werden hofiert. Es ist die schillernde Oberfläche dieses Sports. „Du brauchst die besten Fahrer, die beste Technik, die besten Ingenieure und Mechaniker - wenn du all das zusammenfügst, dann funktioniert es“, sagt Wolff.

          Motorsport ist ein Teamsport. An jedem Grand-Prix-Wochenende kümmern sich pro Team rund sechzig Leute um die beiden Autos. Sie analysieren die Leistungsdaten der Boliden, feilen an der Abstimmung, um die Rundenzeit um Tausendstelsekunden zu verkürzen. Andere wechseln die Reifen in drei Sekunden oder weniger. „Du suchst immer nach den Besten“, sagt Wolff. „Es geht nicht nur um Adrian Neweys, es geht auch um Leute für die zweite oder dritte Reihe.“

          Dietrich Mateschitz: „Wir haben ihn!“

          Newey ist die Königsfigur auf dem Ingenieursmarkt. Anfang 2006 wurde der Brite von Red Bull unter Vertrag genommen, gelockt mit einem angeblich zweistelligen Millionengehalt pro Jahr und viel Raum für Kreativität. Eine Summe, die kein anderer Techniker in der Formel 1 auch nur ansatzweise bekommt. Dank der Einfälle des Briten wurden Williams und McLaren zum Maß der Dinge in der Königsklasse des Motorsports, seit Newey nun die Modelle des österreichischen Energiegetränkegiganten entwirft, zeigt Vettel den Größen der Branche zumeist sein Heck, wurde er dreimal in Serie Weltmeister.

          „Wir haben ihn!“ Diesen einen Satz soll Dietrich Mateschitz gerufen haben, als die Verpflichtung von Newey perfekt war. Dazu reckte der Gründer des Konzerns Red Bull und Besitzer des gleichnamigen Rennstalls die Arme in die Höhe, ihm war schnell bewusst, dass dies ein Coup sein würde. Dabei arbeitet Newey noch immer mit Bleistift und Papier, sein Zeichenbrett musste seinerzeit für mehrere tausend Pfund von McLaren gekauft werden.

          Die Königsfigur: Keiner verdient mehr als Adrian Newey (links) im Vettel-Team Red Bull

          Das Epizentrum des weltweiten Motorsports liegt in England, unweit der Hauptstadt London. Acht der elf Teams in der Formel 1 haben dort ihre Rennwagenfabriken und Labore angesiedelt: Red Bull, McLaren, Mercedes, Lotus, Williams, Force India und Caterham. Mitten im sogenannten Motorsport Valley, dem Tal des Motorsports. Es ist ein Teil urbritischer Renntradition, das Silicon Valley der PS-Branche. Der Ursprung reicht zurück bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. Viele Ingenieure wurden seinerzeit arbeitslos, doch die organisierte Raserei erlebte ihre erste Hochphase.

          Aus Flugplätzen wurden Rennstrecken, Fachwissen wurde benötigt, denn die Boliden sollten schneller und leichter und trotzdem robuster werden. Daraus ist eine eigene Industrie entstanden: Rund 4500 Firmen sind heute im „Motorsport Valley“ beheimatet, sie beschäftigen beinahe 40.000 Mitarbeiter, rund 25.000 von ihnen sind Ingenieure. Hywel Thomas ist der Chefingenieur der Motorenfabrik von Mercedes in Brixworth, früher hat er ein paar Kilometer weiter Aggregate für Traktoren entwickelt. „Der Wettbewerb, die ständige Entwicklung, das schnelle Umsetzen von Ideen - das interessiert mich“, sagt er.

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