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Formel 1 in Ungarn : Der Mercedes-Haussegen hängt wieder schief

Lewis Hamilton wird Dritter und sorgt für Verstimmung bei Mercedes Bild: AP

Daniel Ricciardo gewinnt das dramatischste Rennen dieser Formel-1-Saison vor Fernando Alonso. Dritter wird Lewis Hamilton vor Nico Rosberg. Weil der Brite eine Bitte des Teams ignoriert, hängt der Haussegen bei Mercedes wieder schief.

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          Der Gewitterguss ging eine halbe Stunde vor dem Rennen nieder. Ein Zeichen, dass es bald krachen würde. Als die 22 Piloten auf den Großen Preis von Ungarn losgelassen wurden, hatte es aufgehört zu regnen. Als um 15.57 Uhr die Zielflagge fiel, schien die Sonne. Und Daniel Ricciardo im Red Bull hatte das dramatischste Rennen der bisherigen Formel-1-Saison gewonnen. Die Entscheidung fiel drei Runden vor Schluss: Zunächst zog der Australier in einem wagemutigen Manöver auf dem längeren Weg durch die Kurve vorbei an Lewis Hamilton im Mercedes, der, aus der Boxengasse gestartet, zu diesem Zeitpunkt sensationell auf Platz zwei lag.

          Am Ende der Zielgeraden passierte Ricciardo auch noch Fernando Alonso (Ferrari). „Absolut traumhaft“, rief Red-Bull-Teamchef Christian Horner seinem Piloten zu. „Du verdienst das.“ Das Risiko des Überholmanövers gegen Hamilton, Mercedes-Mann Niki Lauda nannte es „perfekt und brutal“. „Had to be done. („Da musste ich durch.“) Ich habe Kumpels hier. Jetzt wird richtig gefeiert“, sagte Ricciardo.

          Fast ebenso laut der Jubel bei Ferrari, Platz zwei für Alonso ist bislang die beste Plazierung des Jahres. Und Hamiltons dritter Platz? „One hell of a recovery“, bekam der 29 Jahre alte Engländer zu hören, „eine höllisch gute Aufholjagd.“ Und doch ist die Lunte gelegt nach dem letzten Rennen vor der vierwöchigen Sommerpause beim stärksten Team des Jahres, bei Mercedes: Es wird weiter grummeln, Blitz und Donner geben, sehr wahrscheinlich. Denn Nico Rosberg, der von der Pole Position ins Rennen gegangen war, beschwerte sich zwischenzeitlich mehrfach, warum Hamilton, auf anderer Strategie unterwegs, ihn nicht passieren ließ.

          Die Box funkte den Engländer an: Bahn frei für den Deutschen, den WM-Führenden. Hamilton blieb stur, fuhr ebenso schnelle Rundenzeiten und stellte so sicher, dass er es war, der am Ende als Dritter auf dem Podium stand. Rosberg litt darunter, dass er auf Grund der schlechteren aerodynamischen Verhältnisse nicht dichter aufschließen konnte - er hätte Hamiltons Hilfe benötigt. Sie kam nicht. Lauda, Aufsichtsratsvorsitzender des Mercedes-Rennstalls, nannte Hamiltons Entscheidung anschließend „richtig und normal“. Rosberg sei nicht dicht genug aufgefahren.

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          Das änderte sich gegen Rennende, nach seinem letzten Boxenstopp, als Rosberg der schnellste Mann im Feld war. Der Deutsche flog heran, verkürzte den Rückstand von fünfzehn auf zwölf Sekunden, auf fünf, auf zwei, auf eine. Aber er kam nicht mehr vorbei, seinen einzigen Versuch in der Kurve, in der Ricciardo an Hamilton vorbeigegangen war, blockte der Engländer: „Das nervt mich am meisten, dass ich es nicht geschafft habe, ihn zu knacken. In der Situation muss ich zur Not obendrüber fahren.“

          Hamiltons unterbliebene Kooperation wollte Rosberg nicht kommentieren: „Das bringt nichts. Das muss ich mit dem Team besprechen.“ Hamilton hatte keine Scheu, die Ansage über Funk zu besprechen: „Ich war sehr, sehr schockiert darüber. Ich gehe doch nicht vom Gas und lasse Fernando (Alonso) wegfahren. Ich war doch im selben Rennen wie er (Rosberg). Nur weil er einen Stopp mehr machen muss, gebe ich doch nicht mein Tempo auf.“ Und so führt Rosberg nach elf von neunzehn Rennen nur noch mit elf Punkten Vorsprung in der Weltmeisterschaft.

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