https://www.faz.net/-gtl-140rv

Formel 1 in Suzuka : Nichts ist unmöglich

  • -Aktualisiert am

Verschnupft, aber nicht verärgert: Timo Glock macht sich um seine Zukunft in der Formel 1 wenig Sorgen Bild: dpa

Timo Glock schwitzt - und liegt mit Grippe im Bett. Sorgen um seine Zukunft in der Formel 1 muss sich der Toyota-Pilot dennoch nicht machen. Selbst wenn Toyota doch noch aussteigen sollte. Auch Kimi Räikkönen und Robert Kubica verhandeln in Japan über neue Verträge.

          Am Freitag saß Timo Glock nicht im Formel-1-Boliden. Stattdessen sauste ein Japaner namens Kamui Kobayashi im ersten und zweiten freien Training für den Großen Preis von Japan an diesem Sonntag (07:00 Uhr MEZ/ FAZ.NET-Formel-1-Liveticker) im Toyota über die nasse Piste von Suzuka. Schon blühten die Gerüchte. „Ist die Erklärung für Timos Fehlen eine diplomatische?“, fragte ein französischer Reporter deutsche Kollegen. Strategie statt Grippe? Glock schwitzte in diesem Moment wahrscheinlich. Aber nicht aus Sorge über seine Zukunft in der Formel 1, sondern weil ihm der Teamarzt ins Bett befohlen hatte: Wegen Fieber (39,1 Grad Celsius) außer Gefecht.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schon am Donnerstag war der Hesse mit tropfender Nase im Fahrerlager aufgetaucht. Verschnupft aber ist er auch aus anderen Gründen. Toyotas Teampräsident John Howett lobt die Leistungen des Wersauers in den Grand Prix, nicht zuletzt wegen Rang zwei am vergangenen Sonntag in Singapur. Vollends zufrieden aber ist der Brite nicht. „Wir mögen Timo sehr, er hat fantastische Arbeit geleistet“, erklärte Howett am Freitagnachmittag in Suzuka, „aber es fehlt an Konstanz im Qualifying. Da macht er sich das Leben schwer.“ Howett glaubt, ein gutes Auto anzubieten. Gut genug, für „regelmäßige“ Besuche auf dem Podium. „Das haben wir nicht geschafft. Und dafür gibt es Gründe, die nichts mit dem Team und dem Chassis zu tun haben.“

          Nimmt man den Motor noch dazu, dann bleibt nicht viel Spielraum bei der Interpretation: Die Fahrer sollen Schuld sein. Aus der ersten Startreihe in Bahrein hätten Trulli (3.) und Glock (7.) vielleicht mehr machen können. Warum die Piloten aber mal zu den Schnellsten (Malaysia, Belgien) aber an anderen Orten zu den Langsamsten im Rennen um den besten Startplatz (Melbourne, Monaco, Nürburgring und Valencia) gehörten, kann auch Howett nicht plausibel erklären.

          Lehnte eine drastische Gehaltsreduzierung ab: Jarno Trulli

          Ausstiege werden anders vorbereitet

          Ein Fahrer wie Trulli, Experte bei der Jagd über eine Runde, verliert selten soviel Tempo in so kurzer Zeit. Zwei im Gleichschritt schon gar nicht. Die Statements der Toyota-Ingenieure ließen dagegen immer wieder erkennen, dass die Maschine dem Menschen nicht gerecht wurde: Enorme Schwankungen wie Schwächen auf unterschiedlichen Pisten und Temperaturen waren selbst den studierten Spezialisten mitunter ein Rätsel. Trotzdem müssen neue Piloten her. Das ist keine überraschende Reaktion, wenn Ziele des Auftraggebers nicht erreicht werden. Toyotas Zentrale in Tokio hatte einen Sieg im Frühjahr verlangt. Nun bekommt sie eine menschliche Erklärung: Mit anderen Fahrern wird alles gut. Vielleicht.

          Immerhin ist die Aktivität der Teamleitung kein schlechtes Zeichen für die Formel 1. Toyota wird seit Wochen nachgesagt, im November die erste Ausfahrt zu nehmen. Am Dienstag aber erklärte Teamboss Tadashi Yamashina in Tokio, man werde 2010 fahren. Am Donnerstag veröffentlichte der Zulieferer Sachs eine Vertragsvereinbarung mit Rennstall für das nächste Jahr. Am Freitag sprach Howett laut über Wunschpiloten wie Robert Kubica und Kimi Räikkönen. Ausstiege werden anders vorbereitet.

          Ob die schüchternen Signale aus mehreren Ecken aber die zentrale Lage spiegeln, ist fraglich. Eine offizielle Erklärung aus Tokio, die alle Gerüchte verstummen lassen würde, fehlt nach wie vor. Erst Mitte November soll das Budget abgesegnet werden. Vielleicht versucht Howett, Skepsis oder Vorbehalte im Vorstand des Konzerns mit einer radikalen Budgetkürzung und -Umschichtung sowie großen Namen zu überspielen. Doch der Spielraum ist geschrumpft .

          Räikkönens Management pokert

          Räikkönen ist zwar von Ferrari freigestellt, scheint aber auf direktem Weg zu McLaren-Mercedes. Allerdings pokert sein Management in Japan um die Gage. Kubica, noch bei BMW-Sauber, scheint dagegen kaum geneigt, seine erste Wahl zu überdenken: Renault. Zwar lässt sich die Rolle der Franzosen wegen der Folgen des Betruges beim Rennen in Singapur 2008 zurzeit kaum taxieren. Sie reicht über die Reduzierung des Engagements auf einen Motorenlieferant bis hin zum Verkauf.

          Nach Informationen von „FAZ.NET“ ist der Luxemburger Gerard Lopez an dem Team interessiert. Trotz der Unsicherheit aber hat Renault keine Zweifel: „Wir glauben, Kubica zu haben“, sagte Teamchef Bob Bell, „sie (Toyota) glauben auch, ihn zu haben. Die Geschichte wird es zeigen.“ Schon nächste Woche. Dann will Renault die Verpflichtung des Polen bekanntgeben. Howett muss also weiter suchen. Mit Trulli kam der Engländer bislang nicht ins Geschäft, weil der Italiener eine Reduzierung seines Gehaltes von - geschätzt - acht Millionen Euro auf angeblich 1,5 Millionen brüsk ablehnte. Glock war 2009 wesentlich billiger und Trulli in den Rennen häufig doch überlegen.

          Deshalb, so die Lesart, ist Toyota nicht abgeneigt, mit dem Deutschen fortzufahren - falls sich nichts Besseres findet. Das gilt aber auch für Glock. Vor fast drei Wochen erteilte Howett dem 27 Jahre alten Kämpfer unter den Piloten schriftlich die Freigabe. Unglücklich ist er deshalb nicht. „Es gibt mehr Angebote, als mancher glaubt“, sagt Glocks Manager Hans-Bernd Kamps. Und nicht jeder Wechsel schadet.

          Weitere Themen

          Für Deutschland in den Sand werfen

          Beachvolleyball : Für Deutschland in den Sand werfen

          In ihrem letzten Beachvolleyball-Turnier der Saison kämpfen Chantal Laboureur und Sandra Ittlinger aussichtsreich um einen Olympia-Startplatz – allerdings nicht zwingend für sich selbst.

          „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“ Video-Seite öffnen

          Niko Kovač : „Neuer ist Deutschlands Nummer 1“

          Der Bayern-Trainer freut sich über den Auftaktsieg in der Königsklasse und fordert, die Torwartdiskussion zwischen Neuer und Ter Stegen endlich zu den Akten zu legen.

          Hülkenberg gehen die Optionen aus

          Formel 1 : Hülkenberg gehen die Optionen aus

          Weil der Haas-Rennstall nun doch mit Grosjean und Magnussen verlängert, droht Hülkenberg ohne Cockpit zu bleiben. Damit wäre nur noch ein deutscher Fahrer in der Formel 1.

          Topmeldungen

          Reformpaket gegen Klimawandel : Der Tag der Entscheidung

          Nach monatelangen Debatten steht die Bundesregierung vor einer klimapolitischen Richtungsentscheidung. Verschiedene Maßnahmen stehen zur Wahl. Eine Übersicht.

          „Downton Abbey“ im Kino : Flucht in die heile Adelswelt

          „Downton Abbey“, der Kinofilm, ist das polierte Produkt der Brexit-Jahre: ein nostalgischer Blick auf die Welt des englischen Adels und eine Aufforderung, sich vor der politischen Gegenwart zu verstecken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.