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Formel 1 in Spielberg : Heimspiel des Milliardärs

Motorenlärm im Idyll: Nach elf Jahren ist die Formel 1 wieder zu Gast in Österreich Bild: dpa

Dass die Formel 1 an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr) wieder in Österreich startet, liegt vor allem an Dietrich Mateschitz und seiner Brause. Viele sind ihm dankbar. Doch es gibt auch Kritik.

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          Es ist eine Provokation: „Heimspielberg“ steht auf den Plakatwänden in den kleinen Orten rund um den Red Bull Ring. Daneben sind die beiden Silberpfeile des WM-Führenden Nico Rosberg und seines Teamkollegen Lewis Hamilton abgebildet. Dabei besitzt der Mercedes-Rennstall lediglich zwei österreichische Elemente: Motorsportchef Toto Wolff und Niki Lauda, den Aufsichtsratsvorsitzenden des Formel-1-Teams.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Heimspielberg? Dietrich Mateschitz hat sich dazu noch nicht öffentlich geäußert, dabei ist es sein Rennen: Didis Rennen. Didi wird der Milliardär von den Menschen in seiner Heimat genannt - egal, ob sie ihn persönlich kennen oder nicht. Erstmals seit 2003 steigt an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr / Live bei Sky, RTL und im Formel-1-Ticker auf FAZ.NET) wieder ein Großer Preis von Österreich, es ist das größte Sportereignis dieses Jahres in der Alpenrepublik. So etwas wie ein Denkmal für den Initiator.

          Etwas Unterhaltung für zwischendurch

          Fünfzig Kilometer entfernt, in Sankt Marein im Mürztal, wurde Mateschitz geboren, dort ist er aufgewachsen, dort entwickelte er sich mit dem Verkauf einer klebrigen Brause zu einem der reichsten Menschen auf diesem Planeten. Das „Forbes Magazin“ schätzt sein Vermögen auf rund 6,7 Milliarden Euro, aber damit gibt sich der Siebzigjährige nicht zufrieden. Mateschitz hat erstmals überhaupt einen Mann mit einem Ballon in die Stratosphäre steigen und zur Erde springen lassen, er besitzt neben den beiden Rennställen Red Bull und Toro Rosso in der Formel 1 auch Fußballklubs in Österreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten, er hat Extremsportler protegiert und ein eigenes Medienimperium aufgebaut: alles im Namen der Dose. Denn jedes Abenteuer und jeder Erfolg soll vor allem sein Energiegetränk bekannt machen - und Mateschitz nebenbei ein bisschen unterhalten.

          Vor zehn Jahren kaufte er den maroden Österreichring in der Steiermark, seither soll Mateschitz dort rund 250 Millionen Euro investiert haben. Sogar die Hausbesitzer in der Region durften sich bei ihm melden und bekamen Materialkosten für einen neuen Anstrich oder einen neuen Zaun erstattet. Zudem hat Red Bull eintausend Fahrräder angeschafft, mit denen die Fans an die Strecke fahren sollen, um den Autoverkehr zu entlasten. Nach dem Grand-Prix-Wochenende bekommen dann die Gemeinden diese Räder geschenkt.

          „In der Region für Aufbruch gesorgt“

          „Dietrich Mateschitz hat auf allen Gebieten Wort gehalten. Er hat in der Region für einen Aufbruch gesorgt, dessen positive Auswirkungen noch gar nicht hoch genug eingeschätzt werden können. Dafür gilt ihm der Dank des Landes Steiermark“, sagte schon vor einigen Monaten Franz Voves, Landeshauptmann der Steiermark. Doch es gibt Kritiker. Einige fürchten den Lärm der Formel 1, andere die Umweltverschmutzung, und manch einem gefällt auch die Art und Weise nicht, wie Mateschitz die Dinge regelt. Sogar von nordkoreanischen Verhältnissen war da schon die Rede.

          Im Namen der Dose: Alles, was Dietrich Mateschitz tut, dient dem Image seiner Brause

          Bis 2020 steht das Rennen in Spielberg im Kalender der Formel 1, Saison für Saison soll Mateschitz dafür eine Antrittsgage in Höhe von rund zwanzig Millionen Euro an den Inhaber der Formel-1-Vermarktungsrechte, CVC, bezahlen. Erstmals seit dem Großen Preis der Türkei 2005 wurde damit wieder ein Rennen in Europa in den Formel-1-Kalender aufgenommen. Mit Europa allerdings hat das wenig zu tun, mit Mateschitz hingegen sehr viel. „Red Bull ist sehr gut für den Sport, sehr gut für die Formel 1“, sagt Chefvermarkter Bernie Ecclestone. „Bei Red Bull ist alles so professionell, qualitativ derartig hochwertig, ich denke, Red Bull wird einen sehr guten Grand Prix organisieren.“

          Etwas mehr als vier Kilometer ist die Berg-undTal-Bahn in der Steiermark lang, nur etwas mehr als eine Minute brauchen die Schnellsten dort für eine Runde. „Das wird ein echtes Heimrennen“, sagt Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull), der in Deutschland geboren wurde und nun in der Schweiz lebt. Die Menschen in der Steiermark sind große Fans von ihm - zwangsläufig. Denn einen österreichischen Rennfahrer gibt es in der Formel 1 seit Jahren nicht mehr. Trotz eines Mannes wie Dietrich Mateschitz.

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