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Formel 1 in Spa : Vettel wieder im Rennen

  • -Aktualisiert am

Es geht wieder bergauf: Sebastian Vettel wird Zweiter Bild: dpa

Aufholjagd in den Ardennen: Sebastian Vettel wird beim Großen Preis von Belgien Zweiter und meldet sich im Titelkampf zurück. Den Sieg in Spa holt sich Jenson Button.Für die große Show sorgt allerdings Michael Schumacher.

          3 Min.

          Das ist selten in der Formel 1: Der Zweite war diesmal der große Gewinner. Jedenfalls hat man Sebastian Vettel lange nicht so zufrieden gesehen nach einer Niederlage. Am Sonntag musste der Weltmeister auf der Rennstrecke von Spa-Francorchamps dem Briten Jenson Button (McLaren) zwar den Vortritt lassen, sprach neidlos von einem souveränen Triumph des Kollegen. Aber das fiel ihm leicht angesichts der prominenten Zuschauer beim Großen Preis von Belgien. Seine schärfsten Gegner im Kampf um den Titel, Fernando Alonso (Ferrari) und Lewis Hamilton (McLaren), hatten das Rennen nach gut 250 Metern in einem Knäuel demolierter Boliden aufgeben müssen.

          Glühende Bremsscheiben vor dem Start

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Den blitzschnellen Lotus-Piloten Kimi Räikkönen – Dritter des Tages – hielt er in Schach. „Ein verrücktes Rennen. Wir haben eine phantastische Strategie gehabt“, sagte Vettel, „es ist großartig, Zweiter zu sein. So kann es weitergehen.“ Denn acht Rennen vor Ende der Saison ist der 25 Jahre alte Hesse auf Rang zwei in der Fahrerwertung vorgesprungen. Mit nun 140 Punkten könnte der Weltmeister Alonso (164) schon am nächsten Sonntag in Monza überholen. Die Vorstellung der Deutschen rundete Nico Hülkenberg mit einer überragenden Tour im Force India auf Platz vier ab, Michael Schumacher wurde Siebenter eines Rennens, das mit dem Überfahren der Ziellinie noch nicht gelaufen war.

          Schon Sekunden vor dem Start deuteten sich hitzige Duelle an. Glühende Bremsscheiben am Sauber von Kamui Kobayaschi in der zweitbesten Startposition produzierten mächtigen Qualm. Trotzdem schickte der Rennleiter das Feld los. Prompt schoss der Franzose Romain Grosjean (Lotus) von Rang acht voran, touchierte beim Stau vor der Haarnadelkurve La Source Hamilton und löste damit die größte Massenkarambolage seit dem denkwürdigen Crash von 1998 aus. Damals verwandelte sich die Formel 1 nach nur 250 Metern in eine Art Schrottplatz mit 16 millionenschweren Wracks. Aber die Piloten durften umsteigen in ihre Ersatzwagen. Das ist längst nicht mehr erlaubt.

          Schumacher, kommst du nach Spa!

          Und so beendete der gefährliche Vorstoß des uneinsichtigen Grosjean in die Knautschzone nicht nur dessen Wettfahrt, sondern auch die Ardennen-Tour von Alonso, Hamilton und Sergio Perez (Sauber). Alonso spürte beim Einlenken in die erste Kurve zunächst die zertrümmernden Schläge im Heck und sah dann Grosjean im Überflug – direkt vor seiner Nase. Glücklicherweise unverletzt, aber bedient wie Hamilton hockte der Spanier wenig später in der Box. Verloren die Hoffnung auf den Ausbau der Führung in der Fahrerweltmeisterschaft, verloren auch die Aussicht auf die Einstellung eines Rekordes: Seit Juni 2011 hatte Alonso in jedem Rennen Punkte gewonnen. Einmal weniger als Deutschlands Rekord-Weltmeister Schumacher (23).

          Abgehoben: Direkt nach dem Start sorgt Lotus-Fahrer Romain Grosjean für Chaos und schmeißt neben Fernando Alonso auch Lewis Hamilton raus Bilderstrecke
          Abgehoben: Direkt nach dem Start sorgt Lotus-Fahrer Romain Grosjean für Chaos und schmeißt neben Fernando Alonso auch Lewis Hamilton raus :

          Schumacher, kommst Du nach Spa! Seit der Rheinländer 1991 auf dem Ardennenkurs debütierte, zählt diese unter Piloten wie Fans geliebte Piste zu den Lieblingskursen des Deutschen. Und fast immer produzierte er dort Aufregung: Vom Start der Weltkarriere über die Disqualifikation 1994 bis hin zum siebenten WM-Titel 2004. Am Sonntag kam das nächste Kapitel dazu: Als der Trümmerregen aufhörte und sich die Staubwolke gelegt hatte, sah man den Silberpfeil auf Rang fünf hinter dem Safety-Car. Mit dem Neustart setzte Schumacher zur Attacke an, überholte den Schotten Paul di Resta (Force India) und sogar Räikkönen. Schon riefen Reporter aus Frankreich und England aufgeregt wie entzückt eine Schumacher-Show pünktlich zum 300. Grand Prix des Altmeisters aus. Weil doch Button trotz einer Ein-Stopp-Strategie unerreichbar wie unspektakulär kreiste.

          „Ach du leeven Jot“

          Und so wurde während und nach dem Rennen über den Mann mit dem Platin-Jubiläums-Helm gesprochen: Wie er Räikkönen beim zweiten Treffen auf der Piste am Sonntag Paroli bot, bis ihn der Finne frech wie gekonnt in der Eau Rouge überholte: Auf der Außenbahn, bei Tempo 310! Was kölsche Fans aus dem nahen Kerpen unter den rund 50 000 Zuschauern, wie kolportiert wurde, seufzend zur Kenntnis nahmen: „Ach du leeven Jot.“ Diese Szenen rückten die brillanten Vorstellungen zweier Fahrer zunächst in den Hintergrund. Neben Vettels Aufholjagd von Rang zwölf nach dem Start-Chaos vor allem Hülkenbergs Präsentation auf der Weltbühne. Aber auch zu diesen beiden baute Schumacher am Sonntag eine kurze Rennbeziehung auf. Dem 25 Jahre alten Rheinländer im Force India musste er nach einem spannenden Zweikampf Platz vier überlassen. Was man bei Ferrari, sollten die Gerüchte stimmen, wohl ganz gerne gesehen hat. Angeblich ist die Scuderia daran interessiert, Hülkenberg 2013 in das Cockpit von Felipe Massa zu setzen. „Ach, Gerüchte“, hatte der Emmericher vor seinem Coup in Spa dazu gesagt und undurchschaubar gelächelt. So eine Schumacher-Nähe kann ja mitunter förderlich sein. Das hat Vettel bei seiner Entwicklung vom Kart-Piloten auf der Schumacher-Bahn in Kerpen-Manheim zum Top-Fahrer erfahren.

          Am Sonntag traf er seinen Freund nach einem heiklen Moment im Grand Prix noch ein zweites Mal, nämlich bei den Streckenkommissaren. Die Verkehrsrichter saßen wegen eines Vorfalls in der 20. Runde zu Gericht: Als Vettel zur Rennmitte dem Mercedes-Mann im Nacken saß vor der Bus-Stopp-Schikane, Schumacher sich verbremste und wenige Meter später die Strecke direkt vor der Schnauze des Red Bull kreuzte, um noch schnell in die Boxeneinfahrt zu kommen. Klassisches Rowdytum würde ein Autobahn-Polizist wohl anmerken und das Protokoll servieren. „Man kann da keinen Schuldigen herzaubern. Ich glaube nicht, dass es böse Absicht von ihm war“, sagte Vettel vergnügt: „Es ist egal, ob es um Platz eins geht oder um Platz fünfzehn, es ist immer hart, gegen ihn zu fahren. Ich habe Spaß dabei.“

          Großer Preis von Belgien

          Grand Prix von Belgien, in Spa-Francorchamps (44 Runden à 7,004 km/308,052 km):

          1. Jenson Button (England) McLaren Mercedes 1:29:08,530 Std. (Schnitt: 207,344 km/h); 2. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 0:13,624 Min.; 3. Kimi Räikkönen (Finnland) Lotus + 0:25,334; 4. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 0:27,843; 5. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 0:29,845; 6. Mark Webber (Australien) Red Bull + 0:31,244; 7. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes + 0:53,374; 8. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 0:58,865; 9. Daniel Ricciardo (Australien) Toro Rosso + 1:02,982; 10. Paul di Resta (Schottland) Force India + 1:03,783; 11. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 1:05,111; 12. Bruno Senna (Brasilien) Williams + 1:11,529; 13. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber + 1:56,119; 14. Witali Petrow (Russland) Caterham + 1 Runde; 15. Timo Glock (Wersau) Marussia + 1 Runde; 16. Charles Pic (Frankreich) Marussia + 1 Runde; 17. Heikki Kovalainen (Finnland) Caterham + 1 Runde; 18. Pedro de la Rosa (Spanien) HRT + 1 Runde

          Ausfälle: Fernando Alonso (Spanien) Ferrari (1. Runde); Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (1. Runde); Lewis Hamilton (England) McLaren Mercedes (1. Runde); Sergio Perez (Mexiko) Sauber (1. Runde); Pastor Maldonado (Venezuela) Williams (5. Runde); Narain Karthikeyan (Indien) HRT (30. Runde)
          Schnellste Rennrunde: Bruno Senna (Williams) 1:52,822 Min.
          Pole Position: Jenson Button (McLaren Mercedes) 1:47,573 Min.

          Fahrer-Wertung nach 12 von 20 Rennen: 1. Fernando Alonso 164 2. Sebastian Vettel 140 3. Mark Webber 132 4. Kimi Räikkönen 131 5. Lewis Hamilton 117 6. Jenson Button 101 7. Nico Rosberg 77 8. Romain Grosjean 76 9. Sergio Perez 47 10. Michael Schumacher 35 11. Felipe Massa 35 12. Kamui Kobayashi 33 13. Nico Hülkenberg 31 14. Pastor Maldonado 29 15. Paul di Resta 28 16. Bruno Senna 24 17. Jean-Eric Vergne 8 18. Daniel Ricciardo 4

          Team-Wertung nach 12 von 20 Rennen: 1. Red Bull 272 2. McLaren Mercedes 218 3. Lotus 207 4. Ferrari 199 5. Mercedes 112 6. Sauber 80 7. Force India 59 8. Williams 53 9. Toro Rosso 12

          Nächstes Rennen: GP Italien am 9. September in Monza
           

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