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Formel 1 in Spa-Francorchamps : Sebastian Vettel bleibt der Sprinter des Jahres

  • -Aktualisiert am

Sebastian Vettel lässt sich auch vom Regen in Belgien nicht bremsen Bild: dpa

Vettel stellt alles auf Null und rast in Belgien im Qualifying auf Platz eins. Es folgen Hamilton und Webber. Bei Schumacher löst sich in Spa, wo vor zwanzig Jahren alles begann, ein Reifen - und der Silberpfeil kracht in die Leitplanke.

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          Vettel, wer sonst? Es gab schon ein paar Formel-1-Grand-Prix in dieser Saison, bei denen der Weltmeister nicht als Erster ins Rennen gestartet ist. Um genau zu sein: bei drei - von zwölf Gelegenheiten. Neun Pole-Positionen, eine Quote von 75 Prozent, machen den Heppenheimer zum Sprinter des Jahres. Nebenbei entstand eine Fußnote der Formel-1-Sportgeschichte. Denn insgesamt steht er nun mit 24 Bestzeiten in dieser Disziplin auf einer Höhe mit dem dreimaligen Weltmeister Niki Lauda.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Was allerdings auch eine Folge der guten Arbeit bei Red Bull ist. Denn keinem anderen Rennstall ist es in dieser Saison gelungen, die Piloten des Weltmeister-Teams von ihrem Stammsitze an der Spitze zu vertreiben. Diesmal sah es für einen Augenblick so aus, als sollte Lewis Hamilton die Pole-Position gewinnen. Doch Vettel verdrängte den McLaren-Mann noch im letzten Moment.

          „Das war ein schwieriges Qualifying“, sagte Vettel über die Fahrt auf nasser Piste: „Am Anfang habe ich mich nicht wohl gefühlt, ich war nicht zufrieden mit dem Auto, aber auch nicht mit mir. Vor dem zweiten Teil habe ich dann alles auf Null gestellt, eine neue Linie gewählt. Das war ein deutlicher Unterschied. Ab dann lief es gut. Ich wusste, dass die letzte Runde die wichtigste sein könnte.“

          Der Vettel-Finger ist wieder da: Zum neunten Mal fuhr der Weltmeister auf Pole-Position Bilderstrecke

          Der Sprintsieg vom Samstag ist eine Mischung aus technischem Vorsprung und fahrerischem Geschick zu verdanken. Red Bull hatte nicht unbedingt eine Bestzeit erwartet. Vielleicht wäre Hamilton, dessen Teamkollege Jenson Button nur 13. wurde, auch besser über die Runde gekommen, wenn sein Bolide bei einem Scharmützel mit Pastor Maldonado (Williams) zum Ende des zweiten Durchgangs nicht leichten Schaden genommen hätte.

          Vettel aber ließ schließlich auch seinen Teamkollegen hinter sich. Mark Webber, ausgestattet mit einer Vertragsverlängerung bis Ende 2012, kam an seinem 35. Geburtstag mit der drittbesten Zeit ins Ziel. Was seine Rolle als erstklassiger Beifahrer bestätigte, nicht aber den Wünschen des Australiers entsprach. Er hatte vor und den Sommerferien zum Angriff auf Vettel geblasen. „Mal sehen, was im Rennen geht.“

          So hatte es Michael Schumacher in den vergangenen Grand Prix auch immer wieder gesagt. Doch ausgerechnet in Spa, wo seine einzigartige Karriere vor zwanzig Jahren mit Platz sieben im Qualifying begann, warf ihn eine Schwäche der Technik oder der Techniker so weit zurück wie nie zuvor in den Ardennen. Auf der ersten Runde zum Startplatzrennen löste sich ein Hinterrad am Mercedes. Der Silberpfeil schoss von der Piste prallte in die Leitplanken und blieb nach einem Dreher über die Piste, befreit von Flügelwerk und einigen Rädern stehen.

          „Vielleicht kann ich noch in die Punkte fahren“

          Der Rekordweltmeister entstieg dem Auto unverletzt: „Wir müssen dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert“, sagte Schumacher und schaut sofort nach vorne: „Vielleicht kann ich noch in die Punkte fahren.“ Zu besseren Zeiten kam er in Spa, wo er sechs Mal gewann, schon einmal aus der achten Reihe nach vorne. 1995 hinderte ihn nicht einmal Startplatz 16, an seinem WM-Rivalen Damon Hill vorbei zum Sieg zu fahren. Diesmal hat er keine Chance. Der Mercedes ist - wie erwartet - auch in Belgien nicht reif für Spitzenzeiten. Selbst wenn regnen sollte.

          Einen Sprung nach vorne aber schließt Teamkollege Nico Rosberg als Fünfter hinter Felipe Massa im Ferrari nicht aus. Selbst die Überraschungsgäste unter den besten Zehn, Jaime Alguersuari (6,/Toro Rosso) und Bruno Senna (7./Renault) vor dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso (8./Ferrari) machen sich Hoffnungen, mit dem Start weiter an Boden zu gewinnen. Senna, von Renault für Nick Heidfeld ins Cockpit gesetzt, bestätigte am Samstag auf den ersten Blick die in ihn gesetzten Erwartungen. Er ließ den Teamkollegen Witaly Petrow (10.) hinter sich.

          Heifeld kämpft um seine Rückkehr in den Renault

          Renault, so heißt es, hat in der ersten juristischen Auseinandersetzung mit Heidfeld die sportliche Qualität des Brasilianers als Grund für den Wechsel angeführt. Dass hinter der Rochade auch wirtschaftliche Interessen stecken, ist aber kein Geheimnis. Nachdem der Londoner High Court eine Einstweilige Verfügung Heidfeld gegen Versetzung am Mittwoch abgelehnt hat, haben die Parteien nun Zeit bis zum 19. September, sich zu einigen. Sonst wird an diesem Tag im Londoner High Court das Hauptverfahren eröffnet. Senna wird also auch in Monza fahren dürfen. Heidfeld kämpft um seine Rückkehr: „Ich will fahren.“

          Auch Adrian Sutil (15.) musste zusehen, wie Vettel die Bestzeit gelang. Aber in diesem Fall lag das an dem Bayern. Im zweiten Durchgang, nach seiner Tour durch die berühmte Senke „Eau Rouge“ (mit 300 Kilometern pro Stunde), kam er von der Ideallinie und verschrottete die Front des Force India. Es wäre mehr drin gewesen als Überstunden für die Mechaniker. Timo Glock hatte dagegen relativ wenig zu tun am Samstag. Der Marussia-Virgin erlaubte ihm nicht mehr als Rang 20. Nach fünfzehn Minuten war das Training für ihn gelaufen.

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