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Formel 1 in Singapur : Webber gewinnt bei Alonsos Sieg

  • -Aktualisiert am

Spanische Luftsprünge: In Singapur fühlt sich Fernando Alonso ganz leicht Bild: AFP

Die Formel-1-Saison wird immer spannender: Fernando Alonso im Ferrari gewinnt den Großen Preis von Singapur vor Sebastian Vettel. Dessen Red-Bull-Teamkollege Mark Webber wird Dritter und baut die Führung in der Weltmeisterschaft aus. Lewis Hamilton scheidet nach einer Kollision mit Webber aus.

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          Und der Gewinner? Mark Webber. Und nicht Fernando Alonso? Doch, der spanische Formel-1-Pilot siegte zwar beim Großen Preis von Singapur am Sonntag mit seinem Ferrari vor Sebastian Vettel im Red Bull. Diesmal aber schien Rang drei Gold wert. „Es kommt eben darauf an, wo man herkommt“, sagte der Australier. Er sah aus, als habe er gerade eine Sauna verlassen. Schweißüberströmt, der Rennoverall getränkt von der Flüssigkeit, die der Australier in einem der härtesten Rennen seiner Formel-1-Karriere ausschwitzte bei 29 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Webber kam vom fünften Startplatz, schien zurückzufallen und kam doch gestärkt ins Ziel. Weil Lewis Hamilton (McLaren) nach einer Kollision mit ihm ausschied, baute Webber sein Spitzenstellung aus. Er liegt mit 202 Punkten an der Spitze vor dem neuen Zweiten, Alonso (191), vor Hamilton (182), Vettel (181) und Jenson Button (McLaren/177). Vettel reduzierte seinen Rückstand hinter dem Teamkollegen von 24 auf 21 Punkte. „Die Weltmeisterschaft ist noch offen, das Auto funktioniert, egal auf welcher Strecke.“ Vettel wäre einen Schritt weiter, wenn er beim Qualifikationstraining das Potential seines Autos für die Pole Position genutzt hätte.

          Als führte eine Geisterhand Regie: Der Punktbeste aus dem Renn-Quintett stand beim Start in der Reihe der WM-Kandidaten auf dem fünften Platz. Solche Aussichten beleben das Geschäft. Weil Kreativität gefordert wird. Kaum hatte die Rennleitung das Sicherheitsfahrzeug in der dritten Runde auf die Piste geschickt, weil Vitantonio Liuzzis Force India infolge eines von Nick Heidfeld (Sauber) verursachten Auffahrunfalls liegen blieb, wagte Webber alles: Als einziger der Fünferbande fuhr er an die Box in der Neutralisierungsphase, tauschte die weichen Reifen gegen harte und stürzte sich mitten hinein in die Aufholjagd. Ein riskantes Manöver, angelegt auf 58 Runden. Aber eines, das Aufregung versprach.

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          Formel 1 in Singapur : Webber gewinnt bei Alonsos Sieg

          Webbers früher Schachzug sorgt für Aufregung

          Weil Webber, zurückgefallen auf Rang 11, tat, was ihm liegt: von hinten attackieren, nicht verteidigen. Während Alonso beim Start gegen Vettel die Führung behielt und mit dem Deutschen ein Stück vor Hamilton und Button (4.) seine Kreise zog, stellte der Australier indirekt eine spannende Frage: Würde er so weit nach vorne kommen, dass er beim obligatorischen Boxenstopp der vier Rivalen um den Titel seine Ausgangsposition verbessern könnte? Der Red-Bull-Pilot trieb Kamui Kobayashi im Sauber in einen Fahrfehler und zog in der sechsten Runde vorbei. Dann tauchte er formatfüllend im Rückspiegel von Michael Schumacher auf. Der RB6 war in Singapur zwar um eine Sekunde schneller als der Mercedes. Aber der siebenmalige Weltmeister wehrte sich vier Runden, ehe Webber ihn hinter sich ließ.

          Der vor ihm auftauchende Rubens Barrichello (Williams) wirkte aber wie eine rollende Bremsschikane. Zu langsam, um gelassen zu bleiben, zu schnell, um vorbeizukommen. Dennoch lohnte sich die Ochsentour des Bullen-Reiters. Nach der Boxenstop-Partie jagte Vettel zwar immer noch hinter Alonso her. Als Dritter aber folgte Webber. Und zwar vor den McLaren-Piloten und Nico Rosberg (Mercedes).

          Hamiltons zweiter Unfall binnen zwei Wochen

          Alles oder nichts? Webbers Devise wollte sich Hamilton zu Beginn der zweiten Halbzeit wohl zu Eigen machen. Nach der zweiten Saftey-Car-Phase wegen eines weiteren harmlosen Unfalls versuchte der Engländer, verlorenes Terrain zurückzugewinnen. Er mit neuen Reifen gegen Webber auf den alten. Eine günstigere Gelegenheit bot sich nicht. Auf der langen Geraden zog der Brite außen an seinem Gegner vorbei. Doch Webber konterte mit einem späten Bremsmanöver bei Tempo 300, schoss auf der Innenbahn bis auf halbe Höhe des McLaren und genoss die stärkere Position. Als Hamilton in die Linkskurve einlenkte, prallte sein Bolide am Red Bull ab ins Aus.

          „Ich dachte, ich könnte ihn beim Bremsen überholen“, erklärte Hamilton, „dann sind wir in die Kurve, und ich habe ihm einfach nicht genügend Platz gelassen.“ Es war sein zweiter Crash innerhalb von zwei Wochen. Ein „Rennunfall“, wie die Verkehrsrichter an der Strecke schnell erklärten. Trotzdem belastete der Crash das Punktekonto gewaltig. Nichts gewonnen in Monza und nun die nächste Nullrunde in Singapur: Gesenkten Hauptes kehrte der Champion von 2008 zurück ins Fahrerlager.

          „Wir kriegen die schon noch“

          Auch bei den deutschen Streithähnen sahen die Streckenkommissare keinen Grund, Strafmandate zu verteilen. Zweimal binnen weniger Runden brachten es Michael Schumacher und Nick Heidfeld zu einem Vollkontakt. Das Resultat: Der siebenmalige Weltmeister verlor Rang neun aus den Augen, Heidfeld bei seinem Comeback nach fast einem Jahr Pause Form und Fassung des Sauber. Trotzdem ist die deutsche Bilanz beim historischen Auftritt von sieben Bundesbürgern in der Formel 1 ordentlich. Nico Rosberg wurde im Mercedes Fünfter, Adrian Sutil und Nico Hülkenberg im Williams wurden mit Zeitstrafen belegt, Neunter und Zehnter. Timo Glock (Virgin) schied kurz vor dem Ende des Rennens aus.

          „Man ist so schnell draußen, das hat man heute wieder gesehen“, sagte Alonso zum zweiten Coup nach dem Sieg in Monza. „Vor ein paar Wochen schien ich doch nicht mehr im Rennen um den Titel. Jetzt haben wir noch vier Rennen, in denen alles passieren kann.“ Da nickte Vettel neben ihm. Noch im Auto hatte er seiner Crew die Devise der letzten vier großen Runden zugerufen: „Wir kriegen die schon noch, macht Euch keine Sorgen.“

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