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Formel 1 in Singapur : Vettel knackt den coolen Kollegen

Heute ein Sieger: Sebastian Vettel Bild: Reuters

Eiszeit bei den Roten: Erster Sieg des Deutschen seit über einem Jahr beim Großen Preis von Singapur. Charles Leclerc fühlt sich von Ferrari benachteiligt und schmollt.

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          Der Sieger schwieg. So viele Experten, die zuletzt gemeint hatten, Sebastian Vettels Formel-1-Karriere sei unwiderruflich auf absteigendem Ast. Der Deutsche gab in Singapur eine Antwort in Stille. Das Team gratulierte per Funk zum ersten Sieg seit über einem Jahr. „Awesome job!“, großartige Arbeit. Vettel antwortete nicht. Seine Arbeit sprach für ihn: der 53. Grand-Prix-Sieg, der fünfte in Singapur. Niemand hat hier öfter gewonnen. Ein Doppelsieg für Ferrari in Singapur, Vettel vor Charles Leclerc. Der Monegasse machte dem Frust deutlich Luft. „Es ist schwierig, einen Sieg so zu verlieren“, sagte Leclerc anschließend. Er, der Vettel 14 Tage zuvor im Qualifying von Monza ins Leere hatte laufen lassen, als er ihm die Chance auf eine letzte schnelle Runde nahm, sah sich vom eigenen Team benachteiligt. Zum ersten Mal zeigte sich Leclerc schmollend, angegriffen, patzig. Sebastian Vettel hatte gewonnen – und die Maske des coolen Jünglings im Auto nebenan geknackt. Leclerc und er hatten sich wenig zu sagen vor der Siegerehrung, sehr wenig. 30 Grad in Singapur, Eiszeit bei Ferrari.

          Wenn es in dieser Formel-1-Saison eine einigermaßen sichere Vorhersage gab, von welcher Strecke die Scuderia Ferrari geschlagen würde abreisen müssen, dann hätte der Große Preis von Singapur die Umfrage gewonnen. Zu langsam für die starke macchina, zu viele Kurven für die empfindliche Balance, die kapriziösen Reifen. Und dann? Fortsetzung der roten Renaissance im Spätsommer. Es hatte sich schon im Qualifying angedeutet. Auf der Pole Position stand Charles Leclerc, Sieger von Spa und Monza, Ferraris Jungstar, die personifizierte Zukunft der Formel 1. Leclerc, in seinem Ferrari zum dritten Mal in Serie auf der Pole Position vor Hamilton im Mercedes und Vettel, im Qualifying zum neunten Mal besser als der Deutsche. Max Verstappen, der sich mit Red Bull viel versprochen hatte, aber nur als Vierter ins Rennen ging. Und als Fünfter schließlich Valtteri Bottas, Zweiter in der Weltmeisterschaft, aber von Hamilton längst wieder abgehängt. Das sah vielversprechend aus, spannungsgeladen. Zumal bei der Fahrerbesprechung am Freitag die robuste Fahrweise Leclercs in Monza, die ihn zum ersten Ferrari-Sieg in der Heimat seit 2010 geführt hatte, ausführlich diskutiert wurde, unter der Überschrift: „Was ist erlaubt?“ Die BBC zitierte Verstappen anschließend mit dessen Erkenntnis, dass jeder Pilot einen Freischuss habe, wenn es um Regelübertretungen gehe. Ob er sie nutzen werde? „Jeder wird‘s machen.“

          Und dann, Startzeit zehn nach acht am fernöstlichen Abend, gab es kaum eine Attacke, erst recht keinen Knall an der Spitze. Sondern eine Stadtrundfahrt wie unter Überholverbot. Keine Veränderung auf den ersten sechs Positionen auf den ersten zwanzig Runden. Vettel versuchte es bei Hamilton in Runde eins, in der Ferrari offenbar weiterhin ein erstaunlicher Leistungsschub zur Verfügung steht – vergeblich. Und so zog Leclerc einen Lindwurm hinter sich her. Mehr als dreizehn Sekunden langsamer als im Qualifying drehten die Piloten ihre Runde, folgten einander im Sekundenabstand. Leclerc, Hamilton, Vettel, Verstappen, Bottas und Verstappens Teamkollege Alex Albon: Spitzenpersonal beim Pokerspiel mit Pferdestärken. Sie nennen es Reifenmanagement.

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