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Formel 1 in Singapur : Vettel knackt den coolen Kollegen

Mercedes kündigte nach 19 Runden einen Hamilton-Stopp an. Vettel, nicht Leclerc, und Verstappen zuckten: Boxenstopp. Vettel, mit harten Reifen ausgestattet, kehrte mit strategischem Vorteil zurück. Freie Fahrt. Leclerc kam eine Runde später zum Service, wurde 0,6 Sekunden schneller abgefertigt – und kehrte doch hinter Vettel auf die Strecke zurück. Strategiewechsel. „Du musst jetzt so viel Schub geben wie du kannst“, bekam Leclerc zu hören. Der wunderte sich ob der eigenen Lage hinter Vettel: „Klar. Aber: was zur Hölle?“ Der Frust fand Töne. Der Teamkollege hat ihn mit einem sogenannten Undercut abgehängt. „Überraschend stark“, fand auch Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Rennen.

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Dessen Frontmann Hamilton blieb auf dem Gas. Hatte geblufft. Kein Stopp nach Runde 21, 22, 23, 24, 25. Bevor der WM-Führende schließlich einkehrte, bekam Teamkollege Bottas eine Zielzeit für die laufende Runde – um Hamilton bei der Boxenausfahrt die Vorfahrt zu lassen, einen Undercut zu verhindern. Die Rollen bei Mercedes – anders als bei Ferrari – sind verteilt. Aber Mercedes hatte sich verzockt.

Die Führung hatte derweil der Italiener Antonio Giovinazzi im vom Sponsor Alfa Romeo umbenannten Sauber übernommen. Ein Auto jenes Namens führte ein Formel-1-Rennen zuletzt 1983 an. Und zum ersten Mal seit 2015 in Silverstone wurde ein Auto auf Position eins geführt, das nicht von Mercedes, Ferrari oder Red Bull gebaut wurde. In Runde 31 war das seltene Ereignis Geschichte, Vettel zog vorbei. Halbzeit in Singapur und aus der Prozession war ein Rennen geworden, in das der Deutsche von der Pole Position ging, mit einem Vorsprung von sechs Sekunden auf den Teamkollegen. Dritter war Verstappen, Vierter Hamilton, erzwungener Fünfter Bottas.

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In Runde 36 kam die Prozession zurück. Romain Grosjean, vom Haas-Team soeben, zum Leidwesen des Arbeit suchenden Nico Hülkenberg, seines Cockpits für die kommende Saison versichert, schob George Russells Williams in die Mauer. Das Safety Car rückte aus, Vettels Vorsprung war dahin. Der Restart gelang ihm exzellent, keine Angriffschance für Leclerc. Vier Runden später: Wiederholung der Übung. Sergio Perez war seinem kraftlosen Racing Point auf der Esplanade-Brücke entstiegen. Und schon schlängelten sich die verbliebenen Fahrer wieder hinter dem Safety Car durch Singapur. Leclerc sah die Gelegenheit, eine Forderung zu stellen: volle Power. Er musste sich mit „Modus sieben“ begnügen. „Wir müssen das Auto nach Hause bringen, Charles.“ Antwort: „Ich mach nichts Dummes. Platz eins und zwei ist das Wichtigste fürs Team. Ich finde es nur – unfair.“ Viertel vor zehn in Singapur und das Thermometer zeigte: Deutlich erhöhte Betriebstemperatur bei der Scuderia.

Vettel ließ beim zweiten Neustart nichts zu. Und auch beim dritten nicht, den ein Unfall zwischen Daniil Kwjat und Kimi Räikkönen erforderlich gemacht hatte. Zehn Runden lagen noch vor Vettel auf dem Weg zum ersten Sieg seit 392 Tagen. Er ging sie offensiv an, fuhr die schnellste Runde, ließ Leclerc nicht eine Angriffsmöglichkeit. Später, bei den Siegerinterviews, sprach Vettel von einer „nicht einfachen Zeit“ seit dem Sommer. Das Wichtigste aber hatte Vettel gesagt, als er schwieg. Der Deutsche bleibt im Rennen.

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